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Selbstgefährdung

Tipps

  1. Suchen Sie Hilfe bei anerkannten Organisationen, die sich fundiert mit Essstörungen auseinandersetzen und Erfahrung auf diesem Gebiet haben.
  2. Seriöse Online-Selbsthilfeplattformen erkennt man daran, dass Angaben von z.B. Körpergewicht, Body-Maß-Index, Kalorien, Körper- oder Kleidergröße nicht erlaubt sind, um den Vergleich mit anderen zu unterbinden.
  3. Lassen Sie sich nicht zu dem Irrglauben verleiten, dass Sie sich selbst oder ihr Kind „heilen“ können. Eine Essstörung ist eine ernste Krankheit, die professioneller Betreuung bedarf!
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Was bedeutet „ANA“ bzw. „MIA“?

ANA ist die Abkürzung für Anorexia Nervosa (Magersucht), MIA für Bulimia Nervosa (Ess-Brechsucht). Beide Krankheitsbilder fallen in den Bereich der Essstörungen. Als Essstörung wird ein Verhalten bezeichnet, das ein auffälliges und von der Norm abweichendes Essverhalten aufweist.

Anorexia Nervosa (Magersucht): Menschen, die an Magersucht erkrankt sind, haben eine gestörte Körperwahrnehmung und finden sich selbst zu dick, obwohl sie bereits untergewichtig sind. Sie essen sehr wenig bis gar nichts und weigern sich, den für ihr Alter normalen Body-Mass-Index (BMI) zu halten. Die ganze Tagesstruktur und Freizeit der Betroffenen dreht sich oft nur um das (Nicht-)Essen, Kalorienzählen und um Möglichkeiten, die Krankheit gegenüber dem eigenen Umfeld zu verstecken. Der Selbstwert wird nur mehr über die Figur bestimmt und Erfolg definiert sich nur über die Abnahme von Körpergewicht.

Bulimia Nervosa (Ess-Brechsucht): Diese Krankheit zeichnet sich durch „Fressanfälle“ aus, bei denen die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit übergroße Mengen an Nahrung zu sich nehmen und dabei völlig die Kontrolle über ihr Essverhalten verlieren. Diesem Kontrollverlust versuchen sie entgegenzusteuern, indem sie selbst das Erbrechen hervorrufen, um eine Gewichtszunahme zu verhindern. Oft werden auch noch Appetithemmer oder andere Arzneimitteln eingenommen, es gibt aber auch Phasen von übertriebenem Fasten oder übertriebener körperliche Betätigung.

Betroffene dieser beiden Erkrankungen bezeichnen sich selbst oft als „Ich bin ANA“ bzw. „Ich bin MIA“ und meinen damit, dass sie an Magersucht bzw. Bulimie erkrankt sind. Sie tragen als spezielles Symbol häufig auch Armbänder, um von anderen Erkrankten erkannt zu werden: Rot steht z.B. für Anhängerinnen von Pro-ANA (Magersucht), Lila für Pro-MIA (Bulimie), Blau für selbstverletzendes Verhalten (SVV oder „Ritzen“), Schwarz für Depressionen, Grün für die Teilnahme an einer Therapie etc.

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Was sind Pro-ANA-/Pro-MIA-Webseiten?

Bei Essstörungen ist es im Internet wie mit vielen anderen Themen: Einerseits können sich Betroffene schnell und einfach online über die Krankheit informieren und sich Hilfe holen. Andererseits wird essgestörten Personen, die an ihrer Krankheit festhalten wollen, durch das Web eine bestärkende Plattform geboten.

So mischen sich unter professionelle Beratungsangebote für Essgestörte im Internet auch immer mehr privat initiierte sog. „Pro-ANA- und Pro-MIA-Webseiten“. Sie verharmlosen die Risiken von Essstörungen und propagieren diese als „Lifestyle“. Die BetreiberInnen zeichnen sich durch mangelnde Krankheitseinsicht aus und glorifizieren Essstörungen in Blogs, Diskussionsforen, Sozialen Netzwerken oder auf Videoplattformen. Ihr Ziel ist es, andere zum Ausprobieren und Nachahmen zu animieren, wobei sie durchaus bereit sind, zu radikalen Mitteln zu greifen.

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Wer betreibt Pro-ANA/Pro-MIA-Webseiten?

Pro-ANA- und Pro-MIA-Webseiten werden meist von Menschen betrieben, die selbst an einer (beginnenden) Essstörung leiden. Oft sind es junge Mädchen, die im Internet auf der Suche nach Diät-Tipps sind, über eine Suchmaschine eher zufälig über Pro-ANA-/Pro-MIA-Webseiten „stolpern“ und dann selbst anfangen, solche Webseiten zu betreiben. Sie haben oft noch wenig Erfahrung mit Essstörungen, sehen die dahinter steckende Krankheit nicht und wissen über die gesundheitlichen Folgen und Risiken so gut wie gar nicht Bescheid.

Es gibt aber auch Webseiten-BetreiberInnen, die schon jahrelang an einer Essstörung leiden und sich sehr kritisch mit der Erkrankung auseinandersetzen. In Online-Foren finden sie Gleichgesinnte, mit denen sie sich austauschen können und die ihre Art zu denken und zu leben nachvollziehen können. Essgestörte wissen genau, dass ihre Handlungen für andere „krank“ erscheinen, befinden sich aber in den Fängen ihrer Krankheit und können nicht anders als zu versuchen, mit dieser „Sucht“ zu (über)leben.

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Wie erkennt man Pro-ANA-/Pro-MIA-Webseiten?

Auf Pro-ANA-/Pro-MIA-Webseiten werden die Risiken der Anorexia Nervosa bzw. der Bulimia Nervosa negiert und „schlank sein“ wird als einziges Lebensziel definiert. Die Essstörungen werden zudem meist glorifiziert. Unter Berühmtheiten (z.B. Film- oder Popstars) werden Beispiele für Schlankheit gesucht, um die Normalität der Krankheit zu untermauern.

Pro-ANA-/Pro-MIA-Webseiten sind meist sehr ansprechend gestaltet und richten sich in ihrer Art ganz klar an Jugendliche. So genannte „Thinspirations“, Bilder von extrem dünnen Models oder Ballett-Tänzerinnen, stehen für die körperliche Perfektion und sollen dazu inspirieren, (scheinbar) leicht und anmutig durchs Leben zu gehen.

Hinweise auf eine Pro-ANA-/Pro-MIA-Webseite können sein:

  • ANA’s und MIA’s Brief: Ein im Internet kursierendes Manifest, das die Essstörung personifiziert und als einzig wahre Freundin darstellt.
  • Thinspirations: thin (engl. dünn) und inspiration (engl. Inspiration); meist Fotos von extrem dünnen Stars, Models oder anderen „Vorbildern“, aber auch von Betroffenen oder Fantasiefiguren (Feen).
  • Gebote, Gesetze, Glaubensregeln: Bekenntnisse, die das „Dünn sein“ und den Weg dorthin als einzigen Lebensinhalt propagieren (z.B. „Du sollst Kalorien zählen und deine Nahrung dementsprechend reduzieren“).
  • Tipps und Tricks: z.B. wie am schnellsten abgenommen werden kann oder wie die Essstörung am besten vor der Familie und den Freunden geheim gehalten wird.
  • Motivation: Ess-/Gewichtstagebücher, Fasten-Wettbewerbe („Challenges“), Motivatiosverträge, „Twin-Suche“ (Suche nach AbnehmpartnerInnen).  

Viele Pro-ANA-/Pro-MIA-Angebote stehen nur einem geschlossenen BenutzerInnenkreis zur Verfügung und können nur mittels User-ID und Passwort besucht werden. Die BetreiberInnen versuchen so, sich vor Anfeindungen und Gegenmaßnahmen zu schützen, sie wollen „unter sich“ bleiben. Zugang erhält nur, wer die strengen Aufnahmekriterien ( „persönliches Motivationsschreiben“) erfüllt.

Bei einigen Diskussionsforen ist auch ein gewisses Maß an Aktivität erforderlich, um nicht ausgeschlossen zu werden (z.B. feste Anzahl an Beiträgen oder Stunden pro Monat). Fährt man beispielsweise auf Urlaub, muss man sich „abmelden“, um nicht ausgeschlossen zu werden. Die Beschäftigung mit der Krankheit wird dadurch noch intensiviert, die Zeit für andere Dinge wird immer knapper. Ziel ist es, die essgestörten Mitglieder davon abzuhalten, wieder in die Normalität zurück zu finden.

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Können Pro-ANA-/Pro-MIA-Webseiten verboten werden?

Nach der österreichischen Gesetzeslage erfüllen Pro-ANA/Pro-MIA-Angebote im Internet in der Regel keinen Straftatbestand und können somit auch nicht verboten werden. Unter Umständen könnten die Inhalte aber nach dem Jugendschutzgesetz als „jugendgefährdend“ eingestuft werden. Jugendlichen dürften diese Webseiten dann nicht zugänglich gemacht werden.

Da viele Pro-ANA/Pro-MIA-Webseiten jedoch nicht über österreichische, sondern über ausländische Server betrieben werden und dazu häufig passwortgeschützt sind, ist eine rechtliche Handhabe schwierig. Viel wichtiger ist es, mit den Betroffenen über ihre Krankheit zu sprechen und sich um Verständnis zu bemühen. Das Ziel sollte sein, Betroffene davon zu überzeugen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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Wer ist von Essstörungen betroffen?

Von Essstörungen betroffen sind hauptsächlich Mädchen und junge Frauen. Der Anteil an essgestörten Burschen bzw. jungen Männern ist vergleichsweise gering (ca. 5%), jedoch im Steigen begriffen. 

Genaue Evaluierungen und Zahlen für Österreich gibt es kaum, aber es wird davon ausgegangen, dass ca. 200.000 Österreicherinnen im Laufe ihres Lebens an einer Essstörung erkranken. An einem beliebigen Stichtag leiden in Österreich von allen 15- bis 20-jährigen Mädchen mindestens 2.500 an Magersucht und über 5.000 an einer subklinischen Essstörung, d.h. einer leichteren Verlaufsform. Unter den 20- bis 30-jährigen Frauen gibt es mindestens 6.500 mit Ess-Brechsucht.

Magersucht hat langfristig eine der höchsten Sterblichkeitsraten aller psychiatrischen Störungen: 15-20% aller Betroffenen sterben nach 20 Jahren! (Quelle: Netzwerk für Essstörungen, 08. Juni 2010)

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Wie können Eltern feststellen, ob ihr Kind eine Essstörung hat?

Kinder und Jugendliche sind sehr gut im Verstecken einer Essstörung. Oft tauschen sie in Pro-ANA-/Pro-MIA-Foren Tipps aus, wie sie am besten mit unangenehmen Fragen oder Sorgen von Freunden und Familie umgehen können. So bleibt eine Essstörung oft über lange Zeit unerkannt oder unbemerkt.

Essgestörte Personen fühlen sich nicht „krank“.  Sie sehen Angehörige, die sich Sorgen machen, als lästigen Störfaktor – Hilfsangebote von außen werden als Unverständnis der eigenen Situation missinterpretiert.

Ein Fragebogen (auch für Angehörige) auf ess-stoerungen.at kann erste Hinweise geben, ob ihr Kind möglicherweise an einer Essstörung leidet. Beachten Sie: Eine Diagnose kann per Fragebogen natürlich nicht gestellt werden. Dies kann nur eine ausgebildete Fachkraft tun.

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Wie können Eltern ihr Kind vor einer Essstörung schützen?

Die Gründe für das Entstehen einer Essstörung sind vielfältig. Risikofaktoren können sein: mangelndes Selbstwertgefühl, Umbruchsituationen (Pubertät), familiäre Spannungen, Leistungsdruck, Druck innerhalb der Peergroup etc. Eine detaillierte Aufzählung von Risiko- und Schutzfaktoren finden Sie auf Seite 43 des Unterrichtsmaterials  x.act Essstörungen vom Institut Suchtprävention – pro mente OÖ.

Zur Prävention kann bereits die Stärkung der allgemeinen Lebenskompetenzen beitragen, wie z.B. Entwickeln eines stabilen Selbstwertgefühls, Fördern von kritischem Denken, Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen sowie Umgang mit Stress.

Präventionsaufgaben im Bereich der Familie:

  • Gesunder und genussvoller Umgang mit Essen
  • Essensrituale
  • Akzeptanz von individuellen Essensvorlieben
  • Kinder in die Essenszubereitung einbeziehen (z.B. gemeinsames Kochen)
  • Positives Körperbild vermitteln (akzeptieren, dass Gewicht und Körperform beim Menschen verschieden sind)
  • Gute Eltern-Kind-Bindung, Wertschätzung in der Familie
  • Wissen um die physischen und psychischen Veränderungen in der Pubertät
  • Rollenvielfalt für beide Geschlechter vermitteln, positive weibliche und männliche Vorbilder
  • Freude an Bewegung und Körperlichkeit fördern
  • Kommunikations- und Streitkultur in der Familie entwickeln
  • Kritisch mit der Wirksamkeit von Medieninhalten auseinandersetzen, Schönheitsideale hinterfragen
  • Über die Risiken von Diäten aufklären

(Quelle: In Anlehnung an die Empfehlungen zur Prävention von Essstörungen der Hessischen Landesanstalt für Suchtfragen (HLS) und dem Unterrichtsmaterial  x.act Essstörungen vom Institut Suchtprävention – pro mente OÖ).

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Wie können Lehrende das Thema „Essstörungen“ im Unterricht behandeln?

Wenn Sie als LehrerIn oder als SchulärztIn das Thema „Essstörungen“ präventiv behandeln möchten, können Sie bei der Essstörungshotline der Stadt Wien speziell geschulte Personen für Workshops für die verschiedenen Zielgruppen (Eltern/SchülerInnen/Lehrende) buchen. Unter Wo finde ich persönliche Unterstützung und Beratung?  finden Sie Kontaktadressen von weiteren professionellen Beratungsstellen in Österreich.

Auf der deutschen Selbsthilfeplattform Hungrig-Online finden Sie einen eigenen Bereich für Lehrende sowie ein Unterrichtsmaterial mit Arbeitsblättern, Checklisten und Wissens-Check.

Weiterführende Links:

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Wo finde ich persönliche Unterstützung und Beratung?

147 - Rat auf Draht:

  • Kostenlose, anonyme, österreichweite 24h-Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche sowie deren Bezugspersonen unter der Nummer 147 (ohne Vorwahl)
  • Online-Beratung auf www.rataufdraht.at

Essstörungs-Hotline des Fonds Soziales Wien:

Familienberatung:

In ganz Österreich gibt es Familienberatungsstellen, die Ihnen bei Fragen der Erziehung zur Seite stehen. Informationen und Adressen der Beratungsstellen in Ihrer Nähe und passend zu Ihrem Thema finden Sie unter der Rubrik Beratungsstellen.

Weitere Einrichtungen:

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Weitere Materialien

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