Wenn Computerspielen süchtig macht

Neue Studie aus Österreich: Jeder zehnte befragte Jugendliche ist betroffen.

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Computerspielsucht ist ein ernst zu nehmendes Problem: Eine neue Studie der Sigmund Freud Privat Universität Wien (SFU) ergab, dass über 12 Prozent der 14- bis 15-jährigen Befragten ein suchtartiges bzw. krankhaftes Computerspielverhalten zeigen. Unter den Betroffenen befinden sich doppelt so viele Burschen wie Mädchen. Insgesamt wurden für die Untersuchung 1.061 Wiener SchülerInnen im Alter von 13 bis 18 Jahren befragt. Die Studie wurde in Kooperation mit der Ambulanz für Spielsucht der Johaness Gutenberg-Universität Mainz durchgeführt.

Mehr als fünf Stunden täglich sind krankhaft

Während nicht-krankhafte Spieler durchschnittlich etwas mehr als zwei Stunden täglich mit Computerspielen verbringen, sind pathologische Spieler mehr als fünf Stunden, abhängige fast acht Stunden pro Tag damit beschäftigt. 

„Oft zeigt sich, dass Kinder mit krankhaftem Spielverhalten mit ihrer Lebenssituation überfordert sind und über weniger Strategien zur Bewältigung ihres Alltags verfügen als unauffällige Nutzer und Nichtspieler. Für viele Abhängige stellt das Spielen eine Art Bewältigungsstrategie oder eine Fluchtmöglichkeit von Problemen in ihrem wirklichen Leben dar“, so Projektleiter Dr. Dominik Batthyány von der der Sigmund Freud Privat Universität Wien. Die Betroffenen würden auch häufiger als andere Jugendliche unter Schulangst und Konzentrationsschwächen im Unterricht leiden, oft kämen sie aus zerrütteten Familien sowie aus Familien mit generell hohem Spielverhalten.

Typische Merkmale für eine Sucht

Häufiges und langes Spielen allein bedeutet jedoch noch keine Spielsucht. Kritisch werde es laut Batthyány erst, wenn gleichzeitig mehrere Merkmale süchtigen Verhaltens auftreten – z.B. wenn die Betroffenen nach und nach ihr Freizeitverhalten ändern, Schule, Freunde und andere Interessen vernachlässigen, bei Entzug unter Nervosität, Unruhe, Verstimmung und Aggressionen leiden oder einen regelrechten „Spielzwang“ verspüren. Typisch für die Sucht sei auch, dass man sich bei negativen Situationen in die Sucht flüchte, weil man Entlastung erwartet, oder sich häufig am Tag gedanklich mit dem Computerspielen beschäftige.

Online-Rollenspiele weisen besonders hohes Suchtpotenzial auf

Kritik übt die Studie an den bestehenden Altersempfehlungen für Computerspiele. Diese würden sich zwar beispielsweise am Gewaltgehalt eines Spiels, nicht aber an dessen Abhängigkeitspotenzial orientieren. Ein besonderes Problem seien Online-Rollenspiele wie „World of Warcraft“, die durch z.B. eingebaute Belohnungssysteme, das pausenlose Weiterlaufen des Spiels unabhängig vom eigenen Online-Sein, das Gruppenerlebnis etc. besonders hohes Suchtpotenzial hätten. Eine Anhebung der Altersbeschränkungen von 12 auf 18 Jahre für bestimmte Spiele wäre nach Batthyány daher wünschenswert.

Eltern sollen Computerspiele allerdings nicht grundsätzlich verteufeln – Computerspiele können und dürfen auch einfach jede Menge Spaß machen. Besser sei es, die Computernutzung der Kinder genau zu beobachten, zu verstehen lernen und mit ihnen darüber zu sprechen sowie alternative Freizeitaktivitäten zu fördern.

Website: Sigmund Freud Privat Universität Wien

(Quelle: APA OTS)

Informieren Sie sich über empfehlenswerte Computerspiele

Die BuPP (Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen) testet Spiele und gibt Empfehlungen über gute Computerspiele ab. Auf der Homepage der BuPP finden Sie eine laufend aktualisierte Liste empfehlenswerter Computerspiele.

Über Altersbeschränkungen von Spielen informieren PEGI- oder USK-Kennzeichnungen.

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