Internet-Hype Chatroulette
Chatten und Online-Daten als Glücksspiel – Tipps für Eltern und Kinder
Chatten im Internet ist seit Jahren in den unterschiedlichsten Formen sehr beliebt: Über 70 Prozent der jugendlichen InternetnutzerInnen zwischen 14 und 19 Jahren in Deutschland verwenden mehrmals wöchentlich Online-Chats oder Instant Messenger (JIM-Studie 2009). Doch Chatten bleibt nicht immer ganz ohne Risiko: Beschimpfungen und Beleidigungen sind oft an der Tagesordnung, oder aber auch sexuelle Belästigungen, die sogar bis zur Anbahnung von sexuellen Missbrauch führen können, kommen vor.
Eine neue Art des Chattens sorgt seit Herbst 2009 für Furore: Ein 17-jähriger Gymnasiast aus Moskau entwickelte das Video-Chatportal Chatroulette, bei dem die NutzerInnen per Zufall mit anderen per Videochat verbunden werden. Eine Registrierung ist nicht notwendig. Eine Webcam und ein Browser reichen aus und schon kann in die Welt des Chatroulettes eingestiegen werden.
Die teilnehmenden Personen sehen sich gegenseitig über die Webcam, können per Text chatten oder aber auch per Kopfhörer und Mikrofon miteinander in Kontakt treten. Der Chat kann von beiden jederzeit einfach unterbrochen werden: Das Chatroulette wird durch den Klick auf den „Leave“-Button angeworfen und eine neue Fremde oder ein neuer Fremder erscheint auf dem Bildschirm.
Prinzipiell ist die Idee, es dem Zufall zu überlassen, mit wem gechattet wird, originell. In der Praxis hat diese Möglichkeit aber leider auch negative Seiten: Da keine Registrierung notwendig ist, wiegen sich viele TeilnehmerInnen in der Sicherheit der Anonymität. 89 Prozent der User sind männlich, nur 11 Prozent sind weiblich – testet man den Videochat, bemerkt man sehr schnell, dass die meisten vor allem männlichen Nutzer wenig bis gar nicht bekleidet vor dem Bildschirm sitzen. Laut einer Analyse von RJMetrics sind 13 Prozent der Chatroulette-NutzerInnen als „pervers“ einzustufen.
Bei Volljährigkeit ist das nicht weiter ein großes Problem, schließlich kann man sein Gegenüber schnell wieder wegklicken. Geraten jedoch Kinder oder Jugendliche vor die Kamera, sieht die Lage anders aus, da die Inhalte bei Chatroulette definitiv nicht für Personen unter 18 Jahren geeignet sind.
Unsere Tipps für Eltern:
- Ist auf Ihrem Computer ein Filter installiert, können Sie Chatroulette auf die Liste der zu blockierenden Seiten hinzufügen. Links zu geeigneten Filterprogrammen finden Sie hier.
- Ist Ihr Kind in einem Alter, in dem ein Filter nicht mehr ausreichend ist, suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind einen Chat, der sowohl von den NutzerInnen als auch von den Inhalten dem Alter des Kindes angepasst ist. Hilfe dazu finden Sie zum Beispiel im Chat-Atlas oder in der Broschüre Chatten ohne Risiko? von jugenschutz.net.
- Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Kind über das Chatten und versuchen Sie, erste Anlaufstelle zu sein, sollte Ihr Kind mit Inhalten nicht zurechtkommen. Bemühen Sie sich um ein Vertrauensverhältnis und bleiben Sie ruhig, sollte Ihr Kind etwas falsch gemacht haben: Nur durch Fehler wird es auch lernen, sich in Zukunft sicher im Internet zu bewegen! Was Kinder und Jugendliche ganz allgemein beim Chatten beachten sollten, haben wir Ihnen hier zusammengestellt.
Weiterführende Links:
- Wie Chatroulette funktioniert: Video auf YouTube
- Saferinternet.at: Mehr zum sicheren Chatten & Messengen
- jugendschutz.net: Website Chatten ohne Risiko? mit zahlreichen Tipps für Kinder, Eltern und Lehrende









