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Kinderfotos im Internet – was dürfen Eltern?

Eltern Selbstdarstellung Urheberrechte

Für viele Eltern gehört es längst zum Alltag, lustige, schöne und emotionale Momente mit dem Nachwuchs auf Facebook, Instagram und Co. zu veröffentlichen. Kindern ist das aber oft peinlich. Wir geben Tipps zum richtigen Umgang.

Gemeinsame Kochsessions, ein Tag am Neusiedlersee, Mama und Tochter im Partnerlook: Die Gelegenheiten für Schnappschüsse mit dem Nachwuchs sind zahlreich. Hier schnell ein Selfie, da ein kurzes Plantschvideo – viele Eltern wollen auch Freund/innen auf Facebook, Instagram & Co. am Familienleben teilhaben lassen.


„Mama, ich will das nicht!“

Zu kurz kommen dabei oft die Meinungen und Wünsche der Kinder selbst: Viele wollen gar nicht, dass ihre Bilder online zu sehensind; schon gar nicht solche, die sie nackt als Baby oder am Töpfchen sitzend zeigen. Nicht zuletzt wird damit auch das „Recht am eigenen Bild“ der Kinder verletzt. Das heißt aber nicht, dass gar keine Bilder gepostet werden dürfen. 


Für Eltern süß, für Kinder peinlich

Da Kinder oft eine andere Meinung zu Dingen haben, sollten Eltern mit ihnen besprechen, ob und in welcher Form ein Bild von oder mit ihnen gepostet werden darf. Was Eltern als lustig oder ästhetisch empfinden, ist in den Augen des Kindes oft das genaue Gegenteil. Besonders in den ersten Schuljahren entwickelt jedes Kind eine eigene Identität und will mitentscheiden, wie es von anderen wahrgenommen wird. Deshalb gilt hier: Unbedingt mit dem Kind abklären, ob es in Ordnung ist, das lustige Strandfoto mit Enten-Grimasse im Internet zu posten – oder ob es nicht doch zu peinlich ist.

 Bei einer aktuellen Saferinternet.at-Umfrageunter österreichischen Kindern und Jugendlichen sagten 71 Prozent: „Ich will gefragt werden, bevor jemand ein Foto von mir online stellt.“ Rund 65 Prozent ärgern sich darüber, wenn Eltern Bilder von ihnen posten, ohne sie vorher zu fragen.


Das Internet vergisst nicht!

Die Krux mit Bildern im Internet: Kursieren sie einmal online, fällt die Kontrolle über die Verbreitung meist schwer. So können die „süßen“ Babyfotos auch Jahre später wieder auftauchen – etwa wenn Mitschüler/innen die Facebook-Alben der Eltern entdecken – und für Spott und Häme sorgen. Im Extremfall kann das Kind zur Zielscheibe von (Cyber-)Mobbing werden.

Werden Kinderfotos in Sozialen Netzwerken verbreitet, ist der Kreis derer, die sie zu sehen bekommen, doch weit größer als beim guten alten Fotoalbum. Nur allzu oft speichern begeisterte Familienmitglieder einzelne Fotos ab und posten sie in ihren eigenen Profilen

 

Namen der Kinder sind tabu

Doch sollen Eltern überhaupt Fotos ihrer Sprösslinge ins Netz stellen? Es macht einen großen Unterschied, ob man nach der Geburt lediglich ein Foto des Neugeborenen im Internet zeigt, oder ob sich das gesamte Leben des Kindes auf den Online-Profilen der Eltern wiederfindet. Auf jeden Fall gilt: Werden Kinderfotos geteilt, sollten Eltern unbedingt auf die Wahrung von Anonymität achten – Bilder sollten keinesfalls mit dem richtigen Namen des Kindes, der Wohnadresse oder der Schule bzw. dem Kindergarten verknüpft sein.

Damit verhindert man, dass bei einer einfachen Google-Suche nach einer Person peinliche Bilder aus Kindheitstagen auftauchen. Gleichzeitig wird das Kind vor Gefahren wie Entführung, Cyber-Grooming oder dem pornografischen Missbrauch von Bildern geschützt.


Facebook & Co:  Privatsphäre-Einstellungen prüfen

Ein kritischer Blick auf die Privatsphäre-Einstellungen im Sozialen Netzwerk ist auch für Eltern unerlässlich. Wer etwa viele Facebook-Freunde hat, sollte kleinere Listen mit engen Freund/innen und Verwandten anlegen. So können Fotos der eigenen Kinder mit ausgewählten Personenkreisen geteilt werden. Wer mit dem Handy Fotos hochlädt, sollte auf jeden Fall  die Ortserkennung deaktivieren und diese Einstellung nicht auf öffentlich stellen. Aufpassen bei Profilbildern, diese sind immer öffentlich! Außerdem sollten Facebook-Inhalte nicht für öffentliche Suchmaschinen freigegeben werden.

Wie das genau funktioniert, können Sie in unseren Privatsphäre-Leitfaden für Soziale Netzwerke nachlesen.


Eltern sind Vorbilder!

Kinder lernen von Erwachsenen – deshalb sollten Eltern auch aktiv vorleben, wie man sich in Sozialen Netzwerken oder Diensten wie WhatsApp richtig bewegt. Dazu gehört auch, dass man andere Personen fragt, bevor ein Bild von ihnen gepostet oder verschickt wird.

Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man andere indirekt von hinten, seitlich, künstlerisch verfremdet oder mit unkenntlich gemachtem Gesicht fotografieren kann – und nutzen Sie diese Möglichkeiten auch selbst! 


Kinder können ihre Eltern klagen

Im Extremfall haben Kinder die Möglichkeit, ihre Eltern wegen Verletzung des „Rechts am eigenen Bild“ oder des Datenschutzgesetzes vor Gericht zu bringen. Das „Recht am eigenen Bild“ ist im österreichischen Urheberrechtsgesetz verankert und besagt, dass Aufnahmen, die die „berechtigten Interessen“ der Personen auf dem Bild verletzen, nicht veröffentlicht werden dürfen. In Frankreich drohen Eltern, die Fotos von ihren Kindern im Internet posten, hohe Geldstrafen bis zu 45.000 Euro.

Derartige Maßnahmen sind natürlich sehr drastisch und in der Praxis für die meisten Familien wohl nicht wünschenswert. Viel sinnvoller ist es, eine Meinungsverschiedenheit über Fotos im Internet erst gar nicht so weit eskalierenzu lassen. Reden Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Fotos es nicht online sehen will – und akzeptieren Sie es, wenn es bestimmte Bilder ablehnt.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind auch generell über das „Recht am eigenen Bild“ – nur so kann es lernen, dass die Bilder anderer mit Respekt und Sorgfalt zu behandeln sind. Besondere Vorsicht gilt auch bei Aufnahmen, auf denen noch andere Kinder zu sehen sind, z.B. auf einem Kindergeburtstag. Fragen Sie vor dem Veröffentlichen unbedingt auch deren Eltern um Erlaubnis.  


Tipps für Eltern

  • Erlaubnis einholen. Fragen Sie Ihr Kind VOR dem Veröffentlichen eines Fotos, ob ihm das auch recht ist. Auch Kinder haben ein „Recht am eigenen Bild“!
     
  • Kinder ernstnehmen. Wenn Ihr Kind nicht möchte, dass bestimmte Bilder von ihm auf Facebook & Co. zu finden sind, sollten Sie das unbedingt beachten und eventuell schon gepostete Bilder wieder löschen.
     
  • Sich in die Lage des Kindes versetzen. Denken Sie an Ihre eigene Kindheit bzw. Jugend zurück: Könnte das Foto unter Kindern als peinlich aufgenommen werden?
     
  • Im Zweifelsfall. Entscheiden Sie sich besser gegen die Veröffentlichung eines Bildes, wenn Sie Ihr Kind gerade nicht fragen können.
     
  • Kreativ sein. Fotografieren Sie Ihr Kind so, dass es nicht zu erkennen ist, z.B. am Strand gegen die Sonne – dann kann sein Gesicht nicht erkannt werden und Sie haben trotzdem ein schönes Urlaubsfoto.


Viele Tipps zum Thema „Familienfotos im Internet“ gibt es auch in unserem Eltern-Videoratgeber „Frag Barbara!“:


Weiterführende Links: