Leben wir noch in derselben Welt wie unsere Eltern?
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Jad (erste Person von links im Bild) gibt einen Rückblick auf unsere Fachtagung aus der Sicht des Youth Panels. Bild: Saferinternet.at
Ein Rückblick aus Sicht des Youth Panels zur Safer-Internet-Fachtagung
Monatelange Vorbereitung, intensive Diskussionen und ein ehrlicher Dialog auf Augenhöhe: Bei der Fachtagung zum Safer Internet Day 2026 gestalteten wir als Youth Panel nicht nur Workshops für Erwachsene, sondern schufen auch Räume für einen echten Austausch. Das ist ein persönlicher Rückblick auf einen besonderen Tag.
Von der Idee bis zum großen Tag
„Leben wir noch in derselben Welt wie unsere Eltern?“ Diese Frage begleitete uns durch die gesamte Vorbereitung auf die Fachtagung zum Safer Internet Day 2026.
Was für viele Besucher:innen nur ein einzelner Veranstaltungstag war, bedeutete für uns Monate intensiver Arbeit: zahlreiche Online-Meetings, Konzeptentwicklungen, Diskussionen und Feinabstimmungen. Die Vorbereitungen waren teilweise lang und anstrengend, aber sie haben sich am Ende definitiv ausgezahlt.
Auch am Tag davor waren wir noch einmal im Einsatz. Und obwohl die Nervosität spürbar war, überwog die Vorfreude.
Zwischen Diskussion, Planung und Vorfreude: Das Youth Panel in der heißen Phase der Vorbereitung. Bild: Saferinternet.at
Austausch mit Staatssekretär Pröll
Am Veranstaltungstag selbst waren wir, um ehrlich zu sein, alle ziemlich nervös. Würde alles funktionieren? Würden unsere Workshops gut ankommen? Hatten wir an alles gedacht?
Nach der Eröffnung durch Staatssekretär Alexander Pröll ergab sich für uns die Gelegenheit, mit ihm über Altersbeschränkungen für Social Media in Österreich und weitere jugendpolitische Themen im digitalen Raum zu sprechen. Auch wenn wir nicht in allen Punkten einer Meinung waren, wurde eines deutlich: Die Themen sind komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheinen, und die Perspektiven darauf sind vielfältig.
Gerade dieser offene Austausch zeigte, wie wichtig Jugendbeteiligung ist.
Das Youth Panel im Gespräch mit Staatssekretär Alexander Pröll über das geplante Social-Media-Verbot für Jugendliche in Österreich. Bild: Saferinternet.at
Linke oder rechte Pille?
Nach der offiziellen Einführung und den Inputs der Expert:innen starteten unsere Workshops. In Tischgruppen diskutierten wir jeweils 15 Minuten lang intensiv mit Erwachsenen zu folgenden Themen:
- Darstellungen von Kindern im Netz & Cybergrooming
- Love Scam
- „ChatBF“ – Wenn die KI zum Freund wird
- Kindheit in der Matrix – linke oder rechte Pille?
- Datenschutz
Nutzung von KI in Schule & Alltag
Besonders auffällig war für uns, dass sich die Lebensrealitäten von Jugendlichen und Erwachsenen teilweise stark unterscheiden. Während wir viele digitale Entwicklungen als selbstverständlich erleben, wirken sie auf ältere Generationen oft neu oder schwer greifbar.
Doch genau das machte die Gespräche so wertvoll. Die unterschiedlichen Perspektiven führten nicht zu Distanz, sondern zu einem echten Dialog. Und dieser wurde von beiden Seiten sehr positiv angenommen.
Nach der ersten Runde wechselten die Gruppen, sodass wir insgesamt zwei Tischgruppen pro Person betreuten. Die Zeit war knapp, doch die Gespräche waren intensiv und offen.
Intensive Diskussionen in den Tischgruppen: Jugendliche und Erwachsene im Austausch zu digitalen Themen. Bild: Saferinternet.at
Unser „UNO-Reverse“ – ein Perspektivenwechsel
Im Anschluss an die Tischrunden folgte eine moderierte Phase, in der einige Gruppen ihre Erkenntnisse mit allen Teilnehmer:innen teilten. Besonders spannend war dabei unser kleines „UNO-Reverse“ (Anmerkung der Redaktion: eine Anspielung auf die Richtungswechsel-Karte aus dem Spiel UNO): Dieses Mal waren die Erwachsenen an der Reihe: Sie mussten berichten, was sie gelernt hatten, während wir Jugendlichen die Fragen stellten.
Dieser Perspektivenwechsel war ein starkes Zeichen dafür, dass Jugendbeteiligung nicht nur bedeutet, gehört zu werden, sondern auch, andere zum Nachdenken zu bringen.
Nicht befragt, sondern befragend: Jugendliche übernehmen die Moderation. Bild: Saferinternet.at
Das Bonbon-Experiment
Zum Abschluss durfte ich ein kleines Experiment auflösen: Zu Beginn der Fachtagung hatten wir Bonbons an die Erwachsenen verteilt, ohne weitere Erklärungen. Die meisten nahmen sie einfach an, ohne einen Blick auf die Zutatenliste oder den Beipackzettel zu werfen.
Genau das war unsere Metapher für das Internet.
Wir geben Jugendlichen täglich digitale Inhalte und erwarten gleichzeitig, dass sie selbstständig erkennen, welche Inhalte problematisch sind, welche Risiken sie bergen und welche sie besser „aussortieren“ sollten. Doch ohne ausreichende Informationen, Begleitung und Medienbildung ist das kaum möglich.
Das Experiment machte sichtbar, wie selbstverständlich wir Inhalte online wie offline konsumieren.
Am Ende wurde klar: Wenn wir wollen, dass Kinder verantwortungsvoll durch das Netz navigieren, müssen wir erst einmal Verantwortung übernehmen – und das funktioniert nur durch Erklären.
„Diese Tüte Zuckerl ist wie Social Media“ – eine anschauliche Metapher für digitale Verantwortung. Bild: Saferitnernet.at
Was Jugendbeteiligung für mich bedeutet
Für mich bedeutet Jugendbeteiligung, nicht nur eingeladen zu werden, sondern auch ernst genommen zu werden. Es bedeutet, eigene Perspektiven einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv mitzugestalten.
Die Fachtagung zum Safer Internet Day 2026 hat gezeigt: Wenn junge Menschen Raum bekommen, entstehen neue Blickwinkel, ehrliche Gespräche und gegenseitiges Verständnis.
Leben wir also noch in derselben Welt wie unsere Eltern?
Vielleicht nicht ganz.
Aber genau deshalb ist es so wichtig, miteinander darüber zu sprechen.
Wir danken Aley Jad Assi für seine persönliche Perspektive auf die diesjährige Fachtagung „Safer Internet – Aufwachsen in der digitalen Welt“.