Nach drei Jahren aktiver Umsetzung der BIK+-Strategie folgt die erste Bilanz. Quelle: BIK+
BIK+ unter der Lupe
Mit der europäischen Strategie für ein besseres Internet für Kinder (BIK+-Strategie) setzt sich die Europäische Union für die Gestaltung eines digitalen Umfelds ein, in dem Kinder und Jugendliche online geschützt, gestärkt und respektiert werden. Die im Mai 2022 verabschiedete Strategie baut auf den EU-Maßnahmen von zwei Jahrzehnten auf, die darauf abzielen, sichere und altersgerechte Online-Erfahrungen zu fördern.
Nun wurde eine erste Untersuchung der BIK+-Strategie durchgeführt: Der Bericht gibt wichtige Einblicke in die Fortschritte und Erfolge der Strategie, zeigt verbesserungswürdige Bereiche auf und beleuchtet aufkommende Herausforderungen. Als Grundlage dienten Interviews mit 759 Kindern und Jugendlichen sowie Beiträge von 59 Expert:innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik in ganz Europa. Die Stimmen von Kindern und Jugendlichen, einschließlich derer aus sozial benachteiligten Verhältnissen, waren für die Auswertung von besonders großem Interesse. Auch das österreichische Saferinternet.at-Youth Panel hat sich mit einer Fokusgruppe in die Diskussion eingebracht. Weitere Erkenntnisse wurden durch Gespräche mit 170 Lehrkräften und Erzieher:innen sowie 133 Eltern aus ganz Europa gewonnen.
Junge Menschen beteiligen und auf ihre Bedürfnisse eingehen
Im Rahmen der Interviews begrüßten Kinder und Jugendliche die Bemühungen, sicherere Onlineräume zu schaffen. Sie wiesen aber auch auf anhaltende Probleme hin, wie zum Beispiel die Gefährdung durch schädliche Inhalte, Onlinebetrug und Verletzungen der Privatsphäre. Viele forderten klare, leichter zugängliche Meldemöglichkeiten und einfache Datenschutzrichtlinien, insbesondere für jüngere Nutzer:innen und Menschen mit Behinderung. Die Untersuchung ergab auch, dass junge Menschen sehr daran interessiert sind, stärker in die Gestaltung des digitalen Umfelds einbezogen zu werden – etwa bei der Gestaltung der Plattformen oder bei politischen Entscheidungen auf nationaler und EU-Ebene.
Als eine der wichtigsten Aufgaben wurden digitale Kompetenzen genannt. Die jungen Teilnehmenden, auch jene unseres Youthpanels, sprachen sich für mehr praktische, altersgerechte Bildung aus – etwa, indem Themen aus den Bereichen Medienkompetenz, Datenschutz und der verantwortungsvolle Umgang mit neuen Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) in den Unterricht integriert werden. Ihr Wunsch ist es, KI und digitale Tools besser nutzen zu können und den Umgang damit auch gezielt zu erlernen.
Mehr Unterstützung für Bezugspersonen
Die befragten Lehrkräfte und Eltern wiederholten viele Bedenken der Kinder. Sie räumten aber auch ein, dass sie selbst mehr Unterstützung bei der Bewältigung digitaler Risiken bräuchten. Viele von ihnen äußerten den Wunsch nach einer intensiveren Vermittlung von Medienkompetenz, mehr Orientierungshilfen zu neuen Technologien wie KI und besseren Hilfsmitteln zur Unterstützung ihrer Rolle als Bezugspersonen.
Die Expert:innen wiesen auf bestehende Schwachstellen hin, die behoben werden müssten. Dazu gehöre die Notwendigkeit von Längsschnittuntersuchungen zu den Online-Erfahrungen von Kindern, eine einheitlichere Regulierung in den europäischen Mitgliedstaaten und stärkere bereichsübergreifende Zusammenarbeit.
Empfehlungen für weitere Schritte
Der Bericht nennt weitere Maßnahmen, die die EU-Kommission, die Mitgliedstaaten und die Industrie ergreifen können. Unser Youth Panel hat den Bericht um eigene Forderungen ergänzt. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen:
- Vereinfachung der Meldemöglichkeiten: Ein erster Schritt wäre, eine kinder- und elternfreundliche Gestaltung der Meldefunktionen auf allen Plattformen mit klaren Anweisungen und Informationen zur Weiterverfolgung einzurichten. Ergänzend fordert das Youth Panel, dass das Melden so einfach sein sollte wie das Posten von Inhalten und Kommentaren.
- Verbesserung der Medienbildung: Medienkompetenz, KI-Erziehung und digitale Resilienz sollten nicht nur in den Lehrplänen aller Schulstufen verankert, sondern auch tatsächlich umgesetzt werden. Damit dies gewährleistet ist, sind entsprechende Aus- und Weiterbildungen für Lehrpersonen nötig.
- Förderung der Jugendbeteiligung: Kinder und Jugendliche müssen die Möglichkeit haben, bei Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Die Partizipation kann ausgehend von Firmen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen organisiert werden. Ein Beispiel für solch eine Teilhabe ist unser Youth Panel, dessen zentrale Forderung es ist, gehört und ernst genommen zu werden.
- Unterstützung von Familien und Erziehenden: Das Youth Panel schlägt einen Ansatz des Voneinander- und Miteinanderlernens vor. Entsprechende Maßnahmen wären die Förderung von Peer-to-Peer-Projekten und generationsübergreifenden Lernmodellen sowie vermehrte Unterstützung und Aufklärung durch Angebote aus dem europaweiten Safer-Internet-Netzwerk.
- Brückenschlag zwischen Politik und Praxis: Die Strategien und Gesetzgebungen auf nationaler und EU-Ebene sollten besser aufeinander abgestimmt werden, um mehr bereichsübergreifende Verantwortlichkeit zu ermöglichen. Ergänzend dazu fordert unser Youth Panel, auch die Plattformen in die Verantwortung zu nehmen.
Blick in die Zukunft
Insgesamt zeigt die Untersuchung, dass die BIK+-Strategie bereits eine spürbare Wirkung erzielt hat. Durch die schnellen technischen Weiterentwicklungen braucht es allerdings nachhaltige Maßnahmen. Der Bericht unterstreicht, dass die Schaffung eines besseren Internets nicht nur eine Frage des Kinderschutzes ist, sondern auch eine Frage der Beteiligung, der Bildung und der gemeinsamen Verantwortung.
Weiterhin sollen die Stimmen von Kindern, Familien und Erziehenden bei der Gestaltung der Politik und der Plattformen von morgen im Mittelpunkt stehen. Die in der Auswertung vorgestellten Empfehlungen bieten einen wichtigen Fahrplan für die Stärkung der BIK+-Strategie, um weiterhin den Bedürfnissen der jüngsten digitalen Bürger:innen Europas gerecht zu werden.
Dieser Beitrag wurde ursprünglich auf klicksafe veröffentlicht und für Saferinternet.at adaptiert.