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Aktuelle Studie: Sexting in der Lebenswelt von Jugendlichen

05.02.2015

Erstmals in Österreich präsentiert Saferinternet.at eine Studie zum Thema „Sexting“. Bei einer repräsentativen Online-Umfrage wurden 500 Jugendliche von 14-18 Jahren zu Erfahrungen und Motiven rund um das Thema „Sexting“ befragt.

Grafik: Saferinternet.at


Bereits ein Drittel der Jugendlichen hat Erfahrung mit Sexting

Die Studienergebnisse zeigen sehr deutlich, dass Sexting eine häufige Facette des Beziehungs- und Sexuallebens von Jugendlichen geworden ist: 51 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren kennen jemanden, der oder die schon einmal Nacktaufnahmen von sich selbst an andere geschickt hat. Ein Drittel (33%) hat selbst schon Fotos oder Videos erhalten, auf denen die oder der Abgebildete fast nackt oder nackt zu sehen ist. 16 Prozent der Jugendlichen gaben an, schon einmal Nacktaufnahmen von sich selbst erstellt und diese dann meistens auch verschickt zu haben. 

Die weite Verbreitung von Sexting im Alltag zeigt sich auch daran, dass es 31 Prozent als „normal“ empfinden, ihren Partner/innen Nacktaufnahmen zu schicken. Jeder Zehnte (9%) sagt auch, dass es „normal“ sei, von der besten Freundin oder vom besten Freund Nacktaufnahmen zu kennen.

Jugendliche erhalten erotische Fotos und Videos vor allem von Freunden (31%), Personen, die flirten möchten (27%), dem Partner bzw. der Partnerin (24%), unbekannten Personen (24%), Ex-Partnern bzw. Ex-Partnerinnen (23%) sowie Personen, mit denen sie ein Verhältnis hatten (14%).

Trotz Risiken: Nacktaufnahmen als Liebesbeweis

Die Motive für Sexting sind vielfältig. Einerseits geht es um Beziehungspflege und das Zuschicken von Nacktaufnahmen als Liebesbeweis. Andererseits ist Sexting auch Teil des Flirtens, des Kennenlernens und dient natürlich dem sexuellen Anregen. Außerdem ist Sexting häufig auch ein Mittel zur Selbstdarstellung im sozialen Umfeld.

Mit Abstand die wichtigste Anwendung für Sexting ist derzeit die mobile Messenger-App „WhatsApp“. Auch Facebook, Skype, Snapchat, E-Mail oder Kik spielen bei der Verbreitung von Nacktaufnahmen eine wichtige Rolle.

Auffällig ist, dass die Jugendlichen in der Befragung ein großes Bewusstsein für die Risiken von Sexting gezeigt haben. 81 Prozent schätzen die Gefahr negativer Folgen als hoch oder sehr hoch ein. In der konkreten Situation, wenn man zum Beispiel um ein Nacktfoto gebeten wird, ist es für Jugendliche aber oft schwierig, riskantes Verhalten zu vermeiden.

Probleme mit Sexting können für Betroffene äußerst unangenehm sein

Mit der Zunahme von Sexting im Leben von Jugendlichen steigt auch die Anzahl der Probleme. Knapp die Hälfte aller Jugendlichen (46%) kennt jemanden, die oder der schon einmal Probleme mit Sexting hatte. Sexting geht zwar in den meisten Fällen gut, wenn aber etwas passiert, dann ist das oft mit sehr unangenehmen Erfahrungen für die Betroffenen verbunden. Die häufigsten Folgen im Bekanntenkreis der Befragten: Die Aufnahmen wurden im Freundeskreis verbreitet (81 %), die Abgebildeten wurden verspottet (55%), die Aufnahmen wurden öffentlich gemacht (49 %), die Aufnahmen wurden Eltern oder Lehrenden gezeigt (21%) sowie Erpressung (14 %).

Die Krux bei der Sache: Safer Sexting gibt es nicht! Gleichzeitig ist Sexting Teil einer selbstbestimmten Sexualität geworden. Deshalb ist es umso wichtiger, über die Risiken aufzuklären und Tipps zur Minimierung von Risiken zu geben.

Aufklärungsbedarf sehen auch die Jugendlichen selbst: 79 Prozent der Befragten finden es wichtig, dass junge Menschen über Sexting ausreichend informiert werden. Dafür sehen sie vor allem die Schule und die Eltern in der Pflicht. Bei konkreten Schwierigkeiten sind Beratungsstellen (57%), Freunde (55%) und Eltern (54%) die ersten Ansprechpartner.

Kriminalisierung von privatem Sexting verhindern

Die aktuelle Rechtslage führt dazu, dass Sexting von Jugendlichen in vielen Fällen strafbar ist (zum Beispiel dann, wenn pornografische Aufnahmen weitergegeben werden). Es gelangen Bestimmungen zum Kampf gegen Kinderpornographie (§ 207a StGB) zur Anwendung. Problematisch ist, dass zum Beispiel beim Sexting damit – als unerwünschter Nebeneffekt – das Recht auf selbstbestimmte Sexualität von Jugendlichen eingeschränkt wird. Konkretes Beispiel: 17-Jährige dürfen miteinander Geschlechtsverkehr haben, es ist ihnen jedoch nicht erlaubt, pornografische Nacktfotos von sich selbst zu tauschen. Hier gibt es nach Ansicht von Kinder- und Jugendorganisationen einen Änderungsbedarf
zur Entkriminalisierung von Sexting, wenn niemand zu Schaden kommt.


Video: Zusammenfassung der Studienergebnisse


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