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„Sextortion“: Auch Mädchen werden immer häufiger erpresst

03.06.2015

Fälle von Erpressung mit intimen Bildmaterial nach Video-Chats häufen sich auch bei Mädchen und Frauen. Und: Auch wer sich nicht nackt zeigt, kann Opfer werden. Wir geben Tipps, wie man Betrugsversuche erkennen kann.

Auch Mädchen und Frauen sind immer häufiger von Sextortion betroffen. Bild: Miss Cartoon Voyeurism von Surlan Soosay lizenziert unter CC BY 2.0

Das Phänomen „Sextortion“ ist kein neues: Schon seit einiger Zeit häufen sich Fälle, in denen ahnungsloser Nutzer/innen mit pikanten Aufnahmen aus Video-Chats oder in falschem Vertrauen gesendeten Nacktfotos erpresst werden.  Auch bei der Polizei gehen immer mehr einschlägige Anzeigen ein. Bislang konzentrierten sich die Betrugsversuche in erster Linie auf männliche User. Zunehmend berichten nun auch Mädchen und Frauen von (versuchten) Erpressungen durch Unbekannte im Internet.


Wie läuft Sextortion ab?

Nutzer/innen werden in Sozialen Netzwerken, wie z.B. Facebook oder WhatsApp, von attraktiven Unbekannten angeflirtet. Nach einem kurzen Chat folgt bald die Einladung, in einen Video-Chat wie z.B. Skype zu wechseln. Dort angekommen beginnt das mysteriöse Gegenüber in der Regel sofort, sich auszuziehen und lasziv zu posieren. Die ahnungslosen User/innen werden aufgefordert, sich ebenfalls nackt zu zeigen und/oder sexuellen Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Kommen sie dieser Aufforderung nach, folgt bald die Ernüchterung: der oder die Chatpartner/in nimmt kurz nach dem Chat wieder Kontakt auf und teilt dem Opfer mit, dass das delikate Video mitgeschnitten wurde bzw. Screenshots angefertigt wurden. Nun verlangen die Betrüger/innen Geldzahlungen und drohen, andernfalls die Aufnahmen zu veröffentlichen.

Manchmal erfolgt die Kommunikation auch ausschließlich in Messenger-Apps wie WhatsApp; die Betroffenen werden von den Chatpartner/innen aufgefordert, Nacktfotos zu schicken. Die Erpressung läuft auch in diesen Fällen nach dem oben beschriebenen Schema ab.

 

Erpressung auch ohne Nackaufnahmen

Seit Kurzem kommt immer wieder eine verschärfte Spielart von Sextortion zur Anwendung: Auch wenn die Opfer den Betrugsversuch rechtzeitig erkennen und auf die Forderung, sich vor laufender Webcam auszuziehen oder freizügige Foto zu schicken, nicht eingehen, kommt es zur Erpressung. Die Täter/innen verwenden dann harmlose Videoaufnahmen aus dem bisherigen Chat,  in denen das Gesicht der Betroffenen erkennbar ist, und schneiden diese mit Aufnahmen sexueller Handlungen zusammen. Danach drohen die Betrüger/innen nach bekanntem Muster mit der Veröffentlichung des gefälschten Materials. Manchmal werden auch die öffentlich einsehbaren Facebook-Bilder der Nutzer/innen bearbeitet, um den Eindruck zu erwecken, es handle sich um pornografische Aufnahmen.


Wie kann ich mich vor einem Betrugsversuch schützen?

Angesichts der neuen Sextortion-Masche, bei der auch mit harmlosen Bilder bzw. Videos Erpressungsversuche stattfinden, gilt Folgendes umso mehr:

  • Um nicht in die Opferrolle zu kommen, ist eine gesunde Portion Misstrauen im Internet niemals verkehrt.

  • Seien Sie besonders skeptisch, wenn wildfremde Personen Sie in Facebook oder anderen Sozialen Netzwerken anflirten und rasch zu einem Video-Chat überreden möchten. Schenken Sie auch scheinbar sympathischen Online-Bekanntschaften nicht vorschnell Ihr Vertrauen – Sie können nie wissen, wer sich wirklich hinter einer Online-Identität verbirgt! Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und brechen Sie sofort den Kontakt ab, sobald Sie das Verhalten Ihres Gegenübers als unstimmig oder seltsam empfinden.

  • Schalten Sie die Webcam später ein als Ihr Chatpartner/Ihre Chatpartnerin:  Damit Ihr Gegenüber Sie nicht sofort sieht, können Sie die Webcam zunächst auch verdecken bzw. zukleben oder sich neben die Webcam stellen. Zeigen Sie sich erst, wenn auch der/die andere eindeutig zu erkennen ist. So können Sie etwa überprüfen, ob Ihr Chatpartner/Ihre Chatpartnerin auch wirklich die Person auf eventuell zuvor übermittelten Bildern ist.

  • Keine Nacktaufnahmen im Netz: Senden Sie in Sozialen Netzwerken, Chats oder Messenger-Apps niemals private Fotos oder Videos an Unbekannte, vor allem keine sexuell aufreizenden Aufnahmen.

  • Schützen Sie Ihre Privatsphäre: Setzen Sie in Sozialen Netzwerken die Privatsphäre-Einstellungen so,  dass Fotos und Alben nur für befreundete Kontakte sichtbar sind. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, wählen Sie bewusst ein Profilbild, auf dem Sie nicht eindeutig zu erkennen sind (z.B. nur ein Teil des Gesichts, Hinterkopf, Landschaftsaufnahme etc.). Achten Sie auch darauf, dass persönliche Informationen, Kontaktdaten und Ihre Freundeslisten nicht öffentlich sichtbar sind. Auf diese Weise bieten Sie etwaigen Betrüger/innen weniger Angriffsfläche. Detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die beliebtesten Soziale Netzwerke finden Sie in unseren Privatsphäre-Leitfäden.

  • Achten Sie auf generelle Warnsignale: Die Betrüger/innen geben sich in den Fake-Accounts in der Regel als junge, außergewöhnlich attraktive Personen aus. Außer gut in Szene gesetzten Fotos finden sich kaum persönliche Informationen im Profil. Häufig sind die Betrüger/innen Mitglied in vielen einschlägigen Gruppen rund um die Themen Flirten, Dating, Erotik, Partner/innensuche etc. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Ihre neue Bekanntschaft nach kurzer Zeit auf alternative Kanäle, wie z.B. Skype oder WhatsApp, wechseln möchte.

In die Falle getappt – was kann ich tun?

  • Bewahren Sie Ruhe! Brechen Sie sofort jeglichen Kontakt mit den Betrüger/innen ab. Entfernen Sie die Person aus Ihrer Freundesliste und blockieren Sie diese, wenn möglich, im Sozialen Netzwerk. Melden Sie die Fake-Accounts der Erpresser/innen an die Seitenbetreiber/innen.

  • Gehen Sie nicht auf die Forderungen ein und überweisen Sie kein Geld! Das Bezahlen schützt nicht vor einer Veröffentlichung – oft fordern die Täter/innen nach der ersten Überweisung noch mehr Geld. Lassen Sie sich auch nicht zu weiteren sexuellen Handlungen vor der Kamera erpressen!

  • Sichern Sie Beweise! Sichern Sie relevante Beweismittel, die den Betrug belegen: Screenshots der betrügerischen Accounts, das Chatprotokoll, den E-Mail-Verkehr.

  • Schalten Sie die Polizei ein. Erstatten Sie Anzeige bei der nächsten Polizeidienststelle. Nur so kann die Polizei aktiv werden und auch anderen potenziellen Opfern helfen.

  • Legen Sie einen Google Alert an. Richten Sie für Ihren Namen einen Google Alert ein. Auf diese Weise werden Sie über neue Videos, Fotos oder andere Inhalte, die mit Ihrem Namen versehen sind, informiert.

  • Falls Ihre Fotos und/oder Videos im Internet auftauchen: Nehmen Sie Kontakt mit den Seitenbetreiber/innen auf – Soziale Netzwerke wie z.B. Facebook oder YouTube löschen sexuelle Inhalte in der Regel sehr schnell. Auch der Internet Ombudsmann kann Ihnen bei der Entfernung der Inhalte helfen.

  • Kennen Sie Ihre Rechte! Niemand darf im Internet unerlaubt Bilder und Videos von anderen in Internet stellen, die diese bloßstellen oder herabsetzen. Damit wird das „Recht am eigenen Bild“ verletzt. Pornografische Aufnahmen von unter 18-Jährigen gelten nach dem Gesetz (§207a StGB) als Kinderpornografie – die Anfertigung, der Besitz und die Veröffentlichung sind daher verboten und strafbar.

  • Holen Sie sich Hilfe! Für Jugendliche und deren Bezugspersonen bietet 147 Rat auf Draht professionelle Hilfe und Beratung – rund um die Uhr, kostenlos und anonym.


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