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Cloud-Speicherdienste nutzen – ja oder nein?

11.09.2014

Dropbox, iCloud & Co: Cloud-Speicherdienste machen es einfach, von überall aus auf Dateien zuzugreifen und diese mit anderen zu teilen. Doch wie sicher sind Cloud-Speicherdienste wirklich? Wir haben Antworten auf aktuelle Fragen!

Cloud-Speicherdienste machen es einfach. von überall aus auf Daten zuzugreifen. (cc) George Thomas_flickr.com, Tom Woodward_flickr.com, Saferinternet.at

Keine Frage, Online-Speicherdienste wie Dropbox, Google Drive und iCloud sind total praktisch: Sie ermöglichen es, Fotos und andere Dateien automatisch zu sichern, bieten von fast überall aus Zugriff auf die eigenen Daten und unterstützen das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten. Oft kommt jedoch beim eifrigen Datenaustausch die Sicherheit zu kurz. Spätestens, seit kürzlich Hacker gezielt Angriffe auf Apples Dienst iCloud starteten, um intime Fotos von Hollywood-Stars zu erbeuten, stellen sich viele User/innen die Frage: Soll ich Cloud-Speicherdienste überhaupt noch nutzen?

Wir haben Antworten auf aktuelle Fragen rund um das Thema Cloud-Speicherdienste zusammengestellt.

1. Was ist eigentlich eine „Cloud“?

Von „Cloud Computing“ wird dann gesprochen, wenn sich Daten (Dokumente, Fotos, Musikdateien, …) bzw. Anwendungen nicht lokal am eigenen Computer befinden, sondern auf fremden Rechnern gespeichert werden. Dieser externe Speicherplatz wird auch als „Datenwolke“ bezeichnet – oder eben kurz als „Cloud“ (engl. „Wolke“). Verschiedene Cloud-Speicherdienste ermöglichen Nutzer/innen über das Internet den Zugriff auf Daten, die in dieser Cloud abgelegt wurden. Wie viel Speicherplatz die Nutzer/innen erhalten und welche Kosten dafür anfallen, hängt vom gewählten Modell bzw. Anbieter ab. Kleinere Datenkontingente (von ca. 7-15 MB) können meist kostenlos genutzt werden, für mehr Speicherplatz müssen die Nutzer/innen dann bezahlen. Das Magazin PC-Welt bietet einen guten Überblick über verschiedene Cloud-Speicherdienste.


Inhalte, Daten und Anwendungen liegen nicht lokal am Computer, sondern in der Cloud. (cc) sa Dynamicwork


2. Welche Vorteile bieten Cloud-Speicherdienste?

Cloud-Speicherdienste bieten sowohl für die berufliche als auch für die private Nutzung viele Vorteile:

  • Datenzugriff von überall. Es ist egal, wo der/die User/in sich gerade befindet und mit welchem internetfähigen Gerät auf die Cloud zugegriffen wird – alles, was zur Nutzung gebraucht wird, ist eine Internetverbindung.

  • Schutz vor Datenverlust. Über Cloud-Speicherdienste lassen sich rasch und einfach Datensicherungen, sogenannte „Backups“, erstellen. Geht ein Gerät kaputt oder verloren, sind die Daten im Cloud-Speicher immer noch vorhanden und können online abgerufen bzw. von dort wieder heruntergeladen werden. Achtung: Auch Cloud-Speicher sind nicht hundertprozentig zuverlässig!

  • Synchronisation von Daten. Arbeitet man an verschiedenen Orten, z.B. im Büro und zuhause, an ein und demselben Dokument, sorgen Cloud-Speicherdienste automatisch für den Abgleich und die Sicherung der bearbeiteten Inhalte.

  • Gemeinsames Arbeiten leicht gemacht. Dateien, die in der Cloud gespeichert wurden, können auch mit anderen geteilt werden. Das vereinfacht die gemeinsame Arbeit an Dokumenten und fördert den Ideenaustausch – auch wenn die anderen Teammitglieder nicht am selben Ort sind. Verschiedene Dienste, wie z.B. Google Drive , ermöglichen es, mit anderen Personen gleichzeitig etwa an Textdokumenten, Tabellen oder Präsentationen zu arbeiten.


3. Welche Risiken bergen Cloud-Speicherdienste?

Wer Cloud-Speicherdienste nutzt, sollte sich grundsätzlich bewusst sein, dass die eigenen Daten in fremden Rechenzentren meist großer, internationaler Unternehmen abgespeichert werden. In anderen Worten: Man gibt die Kontrolle über die eigenen Daten zumindest ein Stück weit aus der Hand. Kein Cloud-System ist gänzlich sicher – Hackangriffe und Datenlecks können immer passieren!

Ein wichtiger Sicherheitsaspekt ist die Verschlüsselung der Daten. Doch Achtung – der Begriff „Verschlüsselung“ betrifft zwei unterschiedliche Dinge: Zunächst geht es darum, ob die Daten vom eigenen Computer zu den Servern des Cloud-Dienstes bzw. umgekehrt (Up- und Download) verschlüsselt übertragen werden. Die zweite Frage ist, ob die Daten auf den Cloud-Servern verschlüsselt oder unverschlüsselt gespeichert werden. Verschaffen sich Kriminelle tatsächlich Zugang zu den Inhalten eines Cloud-Speichers, können sie unverschlüsselte Daten einfach auslesen.

Wichtig ist, dass Sie „Ihrem“ Cloud-Speicherdienst vertrauen – denn dieser hat auf jeden Fall immer Zugang zu Ihren Daten. Hier spielt auch der Serverstandort des Dienstes eine nicht unwesentliche Rolle. Wird der Server im Ausland (z.B. in den USA) betrieben, gilt auch die dortige Gesetzgebung für die übergebenen Daten, was wiederum Auswirkungen auf die Datensicherheit haben kann. So gehen etwa US-Gesetze viel lockerer mit dem Datenschutz um als das etwa in Europa der Fall ist.

Viele Cloud-Speicherdienste verwenden die ihnen anvertrauten Daten auch für Werbezwecke – ein Blick in die AGB oder Nutzungsbedingungen des Anbieters schafft hier Klarheit. 


4. Soll ich Cloud-Speicherdienste nutzen oder nicht?

Eines vorweg: Die Vorteile von Cloud-Speicherdiensten überwiegen die Nachteile. Aber natürlich auch nur dann, wenn die Dienste mit Bedacht genutzt werden: Technische Systeme sind ebenso wenig vor Fehlern gefeit wie die Menschen, die hinter dem System stehen. Paranoia oder Panik sind im Hinblick auf Cloud-Speicher allerdings nicht angebracht.

Wir haben einige Tipps zusammengestellt, wie Ihr eigenes Verhalten die Sicherheit Ihrer Daten in Cloud-Speichern erhöhen kann: 

  • Notwendigkeit überdenken. Auf welche Daten muss ich wirklich jederzeit zugreifen können? Welche sind in der Cloud überflüssig? Mit welchen Personen will ich wirklich Dokumente teilen? Gibt es vielleicht Alternativen zur Cloud?

  • Sensible Daten gehören nicht in die Cloud. Informationen über die ethnische Herkunft, politische Meinung, religiöse Überzeugungen, den Gesundheitszustand oder das Sexualleben von Personen gelten als besonders schutzwürdig und sollten daher nicht in Cloud-Speichern abgelegt werden. Das kann z.B. persönliche Dokumente, Briefe, E-Mails, Urkunden, ärztliche Befunde oder auch Fotos betreffen.

  • Keine Nacktbilder in der Cloud speichern. Die jüngsten Angriffe auf die iCloud-Konten von Prominenten haben wieder gezeigt: Nacktfotos haben in Cloud-Diensten nichts verloren! Solche Bilder sollten Sie besser nur lokal am eigenen Computer speichern oder zur Sicherung eine externe Festplatte oder einen USB-Stick verwenden. Hier finden Sie weitere Informationen zu Nacktfotos im Netz.

  • Sichere Passwörter verwenden. Auch bei Cloud-Speicherdiensten gilt: Starke Passwörter sind schwieriger zu knacken! Wie sieht ein sicheres Passwort aus? Passwörter sollten nie an Dritte weitergegeben werden – auch nicht an Freund/innen, Familienmitglieder oder Arbeitskolleg/innen.

  • Daten nicht nur in der Cloud sichern. Wer Cloud-Speicherdienste vor allem dazu nutzt, um Daten abzusichern, sollte zusätzlich auch andere Vorkehrungen treffen, wie z.B. Backups auf einer externen Festplatte. Auf diese Weise ist man mehrfach vor einem etwaigen Datenverlust geschützt.

  • Nicht mehr aktuelle Inhalte löschen. Sind Dokumente oder Fotos veraltet bzw. werden nicht mehr benötigt, sollten diese wieder aus dem Cloud-Speicher entfernt werden. Grundsätzlich gilt für Dateien in der Cloud: Weniger ist mehr!

  • Finanzierungsmodell des Cloud-Anbieters beachten. Die meisten Cloud-Dienste bieten ihre Basisleistungen sowie ein paar Megabyte Speicherplatz kostenlos an. Möchte man den Dienst aber umfangreicher nutzen, muss dafür bezahlt werden. Dieses Finanzierungsmodell wird „Freemium“ genannt, eine Kombination aus „Free“ für das Gratis-Paket und „Premium“ für die jeweils kostenpflichtigen Zusatzleistungen. Daher: Unbedingt Angebote vergleichen, bevor Sie sich für einen bestimmten Cloud-Anbieter entscheiden.

  • Der Königsweg: Daten selbst verschlüsseln. Wer auf Nummer sicher gehen will und ein wenig IT-Wissen mitbringt, kann seine Daten selbst verschlüsseln, bevor diese an den Cloud-Anbieter übertragen werden. Zum Verschlüsseln sollte dabei Software genutzt werden, die von unabhängigen Programmierer/innen geschrieben wurde, wie z.B. Boxcryptor.

  • Nutzung im Unterricht abwägen. Wir empfehlen Lehrenden, die Cloud-Speicherdienste im Unterricht einsetzen möchten, im Vorfeld die Eltern zu informieren und eine Einverständniserklärung unterschreiben zu lassen. Hier finden Sie ein Beispiel für eine solche Einverständniserklärung.


5. Wie kann ich iCloud, Dropbox & Co. sicherer nutzen?

Auch auf technischer Ebene können Nutzer/innen selbst einige Maßnahmen setzen, um ihre Daten in der Cloud besser zu schützen. Hier finden Sie Tipps für drei der beliebtesten Cloud-Speicherdienste:


Dropbox

Dropbox empfiehlt User/innen neben der Verwendung eines sicheren Passworts auch die Nutzung der Zwei-Faktor-Authentifizierung. Dabei muss zusätzlich zum Passwort auch noch ein PIN eingegeben werden. Dieser wird vom System jedes Mal neu erstellt und z.B. per SMS auf das Handy des/der Nutzer/in gesendet. Eine genaue Anleitung zur Einrichtung der Zweifach-Authentifizierung bei Dropbox  gibt es beim Magazin PC-Welt. Dropbox ist deshalb besonders praktisch, weil Fotos oder Dokumente mit einem Klick mit anderen Nutzer/innen geteilt werden können. Die Ordner-Freigabe erfolgt dabei über einen speziellen Link, der per E-Mail an Dritte verschickt wird. Diese können dann ohne weitere Identifizierung auf die Inhalte des freigegebenen Ordners zugreifen. Daher sollte man besonders darauf achten, dass wirklich nur die E-Mail-Adressen von erwünschten Personen eingegeben werden bzw. diese keine Tippfehler enthalten. Hier gibt es noch weitere Tipps zur sicheren Nutzung von Dropbox.


Google Drive

Wer Google Drive als Cloud-Speicher verwendet und seinen Computer gemeinsam mit anderen benutzt (z.B. im Büro oder in der Schule) sollte stets darauf achten, sich aus dem eigenen Google-Konto abzumelden, bevor der Arbeitsplatz verlassen wird. Sonst haben nachfolgende PC-Nutzer/innen nicht nur Zugriff auf E-Mails, sondern auch auf alle in Google Drive gespeicherten Dateien. Darüber hinaus bietet auch Google eine Zwei-Faktor-Authentifizierung für Accounts an. Hier gibt es eine Anleitung zur Einrichtung der Bestätigung in zwei Schritten bei Google sowie weitere Hinweise zur Sicherheit des Google-Kontos.


iCloud

Auch Apple bietet den Nutzer/innen der iCloud die Zwei-Faktor-Authentifizierung als Erweiterung des Passwort-Schutzes zur Verfügung. Um diese Funktion zu aktivieren, muss eine sogenannte Apple-ID erstellt werden. Wichtig: Standardmäßig werden alle Fotos vom iPhone automatisch in der iCloud gesichert. Wer das vermeiden möchte, muss im iCloud-Menü des iPhones die Backup-Funktion deaktivieren. Weitere nützliche Tipps zur iCloud-Sicherheit hat das Magazin t3n zusammengestellt.


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