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Cyber-Mobbing – Wie kann ich mein Kind unterstützen?

13.05.2015

Beleidigungen, Bedrohungen und Belästigungen finden heute zunehmend im digitalen Raum statt. Viele Eltern fühlen sich zunächst überfordert, wenn das eigene Kind mit Cyber-Mobbing konfrontiert ist – wir geben Tipps.

Cyber-Mobbing ist für die Opfer sehr schmerzhaft – in solchen Situationen hilft das Gefühl, nicht alleine zu sein. Bild: Pro Juventute lizenziert unter CC BY 2.0

Mobbing unter Kindern und Jugendlichen ist kein reines Online-Phänomen, hat aber durch digitale Medien zweifelsohne eine neue Dimension hinzubekommen. Mit der Verbreitung von Internet und Handy finden Attacken zunehmend auch im digitalen Raum statt: beleidigende Kommentare und Hass-Gruppen in Sozialen Netzwerken, gemeine Fake-Profile, beschämende Videos auf YouTube – um nur einige Beispiele zu nennen. Besonders schmerzhaft für Betroffene: Cyber-Mobbing kann rund um die Uhr stattfinden, erreicht rasch ein großes Publikum und hinterlässt im Internet langfristig Spuren. Einmal im Internet verbreitete Inhalte können nur sehr schwer wieder gelöscht werden.


Was steckt hinter Cyber-Mobbing?

Den Täter/innen ist oft gar nicht bewusst, wie verletzend ihre Übergriffe für die Opfer eigentlich sind. Manchmal beginnen die Anfeindungen aus Langeweile oder „Spaß“, in anderen Fällen wird gemobbt, um eigenen Frust oder Ärger abzubauen. Eine neue Spielart von Cyber-Mobbing hat sich durch „Sexting“ – gemeint ist das Versenden von erotischen Aufnahmen via Handy – etabliert: Zerbrechen Freundschaften oder Beziehungen, rächen sich die Verlassenen manchmal, indem sie die intimen Fotos veröffentlichen oder weiterverbreiten


Gegen Cyber-Mobbing aktiv werden

Viele Eltern fühlen sich zunächst überfordert, wenn das eigene Kind Opfer von Cyber-Mobbing-Attacken ist und zu Hause um Unterstützung bittet. Das Wichtigste: Nehmen Sie die Sorgen Ihres Kindes unbedingt ernst und geben Sie ihm das Gefühl, nicht alleine zu sein. In einem nächsten Schritt können Sie gemeinsam Schritte gegen die Belästigungen setzen.

Aber auch die entgegengesetzte Situation ist für Familien schwierig: Was tun, wenn mein Kind online auf andere losgeht? Erfahren Eltern, dass Ihr Kind an (Cyber-)Mobbing aktiv beteiligt ist, sind viele zunächst geschockt. Doch auch hier sollte zeitnah und mit kühlem Kopf gehandelt werden.

In beiden Fällen sollte als erster Schritt die Situation abgeklärt werden. Nicht jeder (kleine) Konflikt zwischen Jugendlichen fällt gleich in die Kategorie Cyber-Mobbing!


Tipps für Eltern


Wie kann ich mein Kind unterstützen, wenn es belästigt wird?
 

  • Darüber reden. Nehmen Sie Ihr Kind ernst und geben Sie ihm nicht die Schuld für negative Online-Erfahrungen. Mobbing kann sehr belastend sein, besonders wenn sich Kinder niemandem anvertrauen können.

  • Verurteilen Sie Ihr Kind nicht, sondern zeigen Sie, wie man aus Fehlern gemeinsam lernen kann. Stoßen Sie Ihr Kind nicht vor den Kopf, indem Sie „besserwisserisch“ reagieren. Auch Handy- oder Internetverbote sind in einer solchen Situation eher kontraproduktiv.

  • Peinliche Bilder loswerden. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, diffamierende Inhalte aus dem Netz zu entfernen. Fordern Sie die Verantwortlichen zu Löschung auf oder wenden Sie sich direkt an die Seitenbetreiber. Wenn auch dann nichts passiert, hilft Ihnen der Internet Ombudsmann weiter.

  • Unterstützen Sie Ihr Kind mit konkreten Tipps. Es kann beispielsweise hilfreich sein, auf belästigende Nachrichten nicht zu reagieren, Beweise zu sichern (z. B. Screenshots) oder die Täter/innen in einem Sozialen Netzwerk zu blockieren. Weitere Tipps: www.saferinternet.at/cyber-mobbing/tipps

  • Versuchen Sie, den Täter/die Täterin zu identifizieren – niemand ist im Internet wirklich anonym! Wichtig: Kontaktieren Sie die Eltern des Täters/der Täterin niemals direkt, sondern nur über die Schule bzw. den Ausbildungsplatz.

  • Anzeige erstatten. In schlimmen Fällen, z.B. wenn die Belästigung das Ausmaß einer beharrlichen Verfolgung annimmt oder eine gefährliche Drohung vorliegt, sollten Sie die Polizei verständigen.

  • Cyber-Mobbing vorbeugen. Reden Sie mit Ihrem Kind über die Weitergabe persönlicher Daten im Internet. Eine allzu freizügige Darstellung der eigenen Person im Internet (z.B. auf Facebook) kann Angriffsfläche für Cyber-Mobbing bieten. Zeigen Sie generell Interesse an der Lebenswelt Ihres Kindes und informieren Sie sich über dessen Handy- und Internetnutzung, auch wenn keine Belästigung vorliegt.


Was kann ich tun, wenn mein Kind andere mobbt?

  • Cyber-Mobbing beenden. Machen Sie Ihrem Kind klar, wie verletzend sein Verhalten für den/die Betroffene sein kann. Fordern Sie Ihr Kind klar dazu auf, die belästigenden Aktivitäten einzustellen.

  • Beweggründe hinterfragen. Versuchen Sie, möglichst vorurteilsfrei mit Ihrem Kind die Hintergründe der Attacken zu klären. Üben andere Druck auf das Kind aus? Wurde oder wird es selbst gemobbt?

  • Perspektivenwechsel anregen. Fordern Sie Ihr Kind auf, sich in die Rolle des/der Gemobbten zu versetzen. Wie würde es Ihrem Kind in einer solchen Situation gehen?

  • Folgen aufzeigen. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, welche Konsequenzen problematische Postings haben können (z. B. Belästigung durch Dritte, selbst Opfer werden, Missbrauch der Fotos, sich strafbar machen etc.).

  • Zuerst denken, dann posten. Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, dass es immer nachfragen sollte, bevor es Bilder von anderen im Internet veröffentlicht („Recht am eigenen Bild“). Besprechen Sie mit Ihrem Kind, ab wann ein Foto als „peinlich“ empfunden werden könnte.

  • Situation auflösen. War Ihr Kind aktiv an Online-Anfeindungen beteiligt, sollte es sich beim Opfer entschuldigen. Überlegen Sie gemeinsam, wie eine angemessene Wiedergutmachung aussehen könnte.


Weiterführende Links: