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Das Phänomen „Facebook Rape“ und wie man sich davor schützen kann

04.12.2013

Beleidigende Kommentare, die man selbst nie verfasst hat, Statusmeldungen mit peinlichen Behauptungen, ein wie von Geisterhand abgeändertes Profilfoto – was sich wie ein Krimi anhört, heißt „Facebook Rape“.

(c) escapedtowisconsin -flickr.com

Cyber-Mobbing ist inzwischen allseits bekannt. Es bezeichnet das absichtliche und über einen längeren Zeitraum anhaltende Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen, Belästigen oder Ausgrenzen anderer mit und über digitale Medien. Viele Jugendliche kennen bereits den einen oder anderen Fall aus ihrer Umgebung. Eine Variante ist der sogenannte „Facebook Rape“, bei dem ein Facebook-Konto von jemand anderem missbraucht wird. Doch das Phänomen reicht weit über Facebook hinaus!

Das eigene Facebook-Profil unter fremder Kontrolle

Das Phänomen hat viele Namen: „Facebook Rape“, „Face Rape“ oder beide Wörter zusammen gezogen zu „Frape“. Hierbei verschafft sich jemand Zugriff zu einem anderen Facebook-Konto und postet im Namen des unwissenden Opfers erniedrigende Kommentare und/oder peinliche Fotos. Es werden eigenartige Nachrichten an Freund/innen geschickt oder die Profilinformationen und das Profilfoto verändert. Oft passiert ein „Face Rape“ unter Freund/innen oder Mitschüler/innen, und zwar am häufigsten in Gruppensituationen, bei denen mehrere Kinder oder Jugendliche zusammen sind. Vergisst jemand sich von seinem Konto abzumelden oder schützt sein Smartphone nicht durch eine Passwortsperre, wird das schnell als „Aufforderung“ verstanden.

Beliebte „Facebook Rapes“ sind zum Beispiel eine neue sexuelle Orientierung in der Profilinformation anzulegen oder ein Posting zu einer erfundenen Geschlechtskrankheit des/der Betroffenen zu veröffentlichen. Häufig werden die übernommenen Profile auch dazu genutzt, um Dritte im Namen der „Facebook-gerapten“ Person fertig zu machen.

„Facebook Rapes“ werden als lächerlich angesehen

Viele Jugendliche sind bereits in irgendeiner Form mit „Facebook Rape“ in Berührung gekommen, meistens als Zuseher/innen und nicht als Opfer. Fatal an „Facebook Rape“ ist, dass es von vielen Jugendlichen als harmloser Streich angesehen wird. Opfer, die sich dagegen wehren und die Rape-Kommentare löschen oder rückgängig machen, gelten als uncool oder als Spielverderber/innen.

Dass dies schon in der Vergangenheit so war, zeigen die Erfahrungen von Saferinternet.at: Jugendliche hatten schon in der Zeit vor Facebook in anderen Sozialen Netzwerken (z.B. netlog) mehrere Profile. Eines davon war meist ein Profil, das jemand anderer übernommen hatte, und darum musste ein neues angelegt werden.

Unterschiedliche Spielregeln und hoher sozialer Druck

Sich mit „gefacerapeten“ Accounts der Freund/innen, Mitschüler/innen oder Kolleg/innen Scherze zu erlauben, ist nichts Neues. Erschreckend ist jedoch, welche Ausmaße dieser Negativtrend bereits annimmt: In England wurde ein besonders schlimmer Fall dokumentiert. Eine Schülerin berichtete, dass „Facebook Rape“ in ihrer Klasse so intensiv betrieben wird, dass sie pro Tag mitunter bis zu zwei- bis dreimal „gefraped“ wird. Zudem stellten die Mitschüler/innen weitere „Regeln“ auf, an die sich alle halten müssen. So dürfen die Opfer die peinlichen Statusmeldungen oder Profilfotos 24 Stunden lang nicht verändern. Wird diese „Sperrfrist“ nicht eingehalten, gibt es zusätzlich Strafen – zum Beispiel muss das Frape-Opfer am nächsten Tag einen Kuchen für die gesamte Klasse mitbringen.

Auch berichtete die Schülerin, dass es nicht gerne gesehen wird, wenn sich die Mitschüler/innen gegen Frape-Attacken wehren und ihre Handys, Tablets oder Laptops durch ein Passwort sperren. Hier werden solange ungültige Passwörter von den Mitschüler/innen eingegeben, bis die Endgeräte ganz gesperrt sind. Da sich viele vor dieser Alternative fürchten, heben sie Passwortsperren ganz auf und machen es den Täter/innen leicht.

Und genau hier können Organisationen, wie Schulen oder Jugendeinrichtungen, ansetzen: diesen sozialen Druck transparent machen und gemeinsam mit den Jugendlichen neue Spielregeln für einen fairen und kollegialen Umgang im Internet entwickeln!

„Facebook Rape“ ist mehr als ein dummer Streich

Viele Jugendliche sehen „Facebook Rape“ als harmlosen Streich unter Gleichaltrigen. „Facebook Rape“ kann jedoch, sofern er dauernd betrieben und für die Opfer als belastend empfunden wird, in die Kategorie von Cyber-Mobbing fallen. Die beharrliche Verfolgung einer Person (auch online) ist in Österreich strafbar (§ 107a StGB). „Facebook Rape“ ist für die Betroffenen kein Scherz, sondern eine ernste Angelegenheit! Die beleidigenden Postings oder Bilder stehen im Netz und werden von vielen gesehen und/oder gelesen. Die Verbreitung ist dann praktisch nicht mehr zu kontrollieren.

Tipps zur Vorbeugung von „Facerape“

  • Nach der Nutzung von Facebook & Co. immer ausloggen!
  • Keine Passwörter speichern!
  • Passwörter verwenden, die von jemand anderem nicht zu erraten sind!
  • Passwörter nicht an andere weitergeben!
  • Passwortsperren für Computer, Smartphone, Tablet und andere mobile Geräte einrichten! Nach dem Ende der Nutzung die Geräte im passwortgeschützten Ruhezustand hinterlassen.
  • Wenn der Account doch „gefraped“ wird: die erniedrigenden Kommentare oder peinlichen Fotos gleich löschen – auch wenn es als uncool gilt!
  • Freund/innen darüber informieren, dass der eigene Account missbraucht wurde!
  • Eine Vertrauensperson suchen, der man sich anvertrauen kann. Gerade in Klassenverbänden unbedingt mit einem Lehrer/einer Lehrerin sprechen!
  • Wenn man merkt, dass jemand anderer „gefraped“ wurde: unbedingt darauf aufmerksam machen und nicht wegschauen!

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