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Digitale Medien in der Schule: Nutzen statt verbieten!

30.10.2014

Für Kinder und Jugendliche sind digitale Medien fest im Alltag verankert – das sorgt in der Schule oft für Konflikte. Doch anstatt Handy & Co. aus dem Unterricht zu verbannen, können diese auch aktiv eingebunden werden.

Beschäftigung zu den Chancen und Risiken digitaler Medien in der Schule fördert den Kompetenzerwerb. (c) Safer Internet-Aktionstag Europagymnasium Baumgartenberg

Für viele Kinder und Jugendliche ist der Umgang mit digitalen Medien fixer Bestandteil ihres Alltags. Die Nutzung von Smartphones, Apps oder Sozialen Netzwerken ist für die meisten Schüler/innen selbstverständlich. Weniger ausgeprägt sind hingegen das Risikobewusstsein sowie das Wissen um die selbstbestimmte, verantwortungsvolle Nutzung von Handy, Internet & Co. Umso wichtiger ist es daher, Kinder schon früh für die sichere Internet- und Handynutzung zu sensibilisieren und sie auch in der Schule aktiv beim Kompetenzerwerb zu unterstützen.

Immer öfter wird von Schüler/innen oder Eltern eine kompetente Aufklärung und Beschäftigung zu den Chancen und Risiken digitaler Medien in der Schule gefordert. In vielen Fällen fehlt Lehrenden aber die entsprechende Erfahrung, um ihre „Schützlinge“ in diesem Bereich kompetent zu unterstützen, sehen gleichzeitig aber Handlungsbedarf in Bezug auf den ständigen Begleiter „Handy“. Smartphone & Co. sind kaum mehr aus dem Schulumfeld wegzudenken und sorgen hier natürlich für Konflikte und Diskussionen. Schulleiter/innen und Lehrkräfte sehen sich dann häufig mit Situationen konfrontiert, in denen die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten aufeinanderprallen. 


Störfaktor Handy: Verbot ist keine Lösung

Das Konfliktpotenzial von Mobiltelefonen in der Schule reicht von eingeschalteten Handys, die den Unterricht stören, über Schummeln per Handy bis hin zum Erstellen bzw. Austauschen problematischer Fotos und Videos. In vielen Schulen ist daher in der Hausordnung geregelt, dass Handys während des Unterrichts (und manchmal auch während der Pausen) im Spind weggesperrt sein müssen. Beachtet man aber den großen Stellenwert, den Handys im Alltag von Kindern und Jugendlichen haben, kann das generelle Wegsperren oder Verbieten von Handys keine Lösung sein (viele Schüler/innen haben auch Zweithandys). Ein Handyverbot kann zwar als kurzfristige Maßnahme dienen, um eine konkrete, schwierige Situation in der Schule zu entschärfen. Letztendlich ist es aber sinnvoller und nachhaltiger, die Handynutzung in ein medienpädagogisches Konzept zu integrieren.


Verhaltensregeln für die Handynutzung vereinbaren

Ein erster Schritt könnte z.B. eine gemeinsam erarbeitete Verhaltensvereinbarung zum Umgang mit digitalen Medien in der Schule sein. Transparente und von allen Schulpartner/innen akzeptierte Regeln, deren Einhaltung auch kontrolliert wird, sind eine wichtige Voraussetzung, um Missbrauch zu verhindern. Idealerweise erhalten alle Schüler/innen aller Schulstufen die Möglichkeit, sich an der Erarbeitung der Regeln zu beteiligen (z.B. Kleingruppenarbeit in der Klasse). Wurde die gemeinsam entwickelte Vereinbarung verbindlich festgelegt, sollte sie von der Direktion, den Lehrenden, den Erziehungsberechtigten sowie den Schüler/innen unterschrieben werden. Die erarbeiteten Inhalte können auch in die Hausordnung aufgenommen werden. 


Digitale Medien aktiv in den Unterricht einbauen

Anstatt Smartphone, Tablet & Co. aus der Schule zu verbannen, können diese auch aktiv in den Unterricht eingebaut werden und auf diese Weise gleichzeitig auch die sichere Internet- und Handynutzung thematisiert werden – das motiviert und fördert das Vertrauensverhältnis zwischen Schüler/innen und Lehrenden. „Safer Internet“-Themen passen aber nicht nur in die Informatik-Stunde, auch für viele andere Fächer lassen sich einzelne Aspekte spannend aufbereiten. Zahlreiche Ideen und Anregungen hierzu finden Sie in den Saferinternet.at-Unterrichtsmaterialien.


Lehrende als Vorbilder

Natürlich hat auch die Art und Weise, wie Lehrende selbst mit digitalen Medien umgehen, großen Einfluss auf das Verhalten von Schüler/innen. So sollte etwa das Handy im Unterricht auf lautlos gestellt oder bei der Gestaltung von Unterrichtsmaterialien auf Urheberrechte geachtet werden – verwenden Sie nach Möglichkeit Fotos und Grafiken mit einer Creative Commons-Lizenz (www.creative-commons.org). Lehrkräfte haben es außerdem leichter, wenn sie versuchen, sich selbst fachlich und technologisch einigermaßen auf dem Laufenden zu halten. Ein guter Ausgangspunkt für die eigene Weiterbildung ist z.B. die Plattform www.virtuelle-ph.at/digikomp. Wichtig sind hier aber auch die Vernetzung mit Kolleg/innen und der Austausch mit den Schüler/innen selbst: Lassen Sie sich z.B. Apps oder Soziale Netzwerke erklären und geben Sie Ihr eigenes Wissen und Ihre Erfahrungen weiter.


In der Schule Cyber-Mobbing vorbeugen

Digitale Medien verlagern Mobbing teilweise in den virtuellen Raum: Der Begriff „Cyber-Mobbing“ bezeichnet das bewusste Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen via Handy oder im Internet, meist über einen längeren Zeitraum hinweg. Vor allem Soziale Netzwerke (z.B. Facebook, WhatsApp, YouTube, ...) werden für diese Angriffe missbraucht. Besonders schmerzvoll für die Opfer: Cyber-Mobbing ist ständig präsent, zudem verbreiten sich über Online-Plattformen Gerüchte, Beschimpfungen oder peinliche Fotos sehr schnell. Cyber-Mobbing unter Jugendlichen spielt sich fast ausschließlich in der unmittelbaren Alltagsumgebung der Opfer ab, weshalb Schulleiter/innen und Lehrende oft Vermittlungsarbeit leisten müssen. Eine konstruktive Konfliktkultur in den einzelnen Klassen und ein generell wertschätzender Umgang miteinander helfen dabei, Cyber-Mobbing in Schulen aktiv vorzubeugen. Eine wichtige Präventionsmaßnahme ist auch der bewusste Umgang mit persönlichen Daten im Web.


Schutz der Privatsphäre großschreiben

Kinder und Jugendliche gehen mit dem Schutz der eigenen Privatsphäre im Internet oft nicht sehr aufmerksam um. Es herrscht ein mangelndes Bewusstsein, dass die Privatsphäre ein schützenswertes Gut ist – persönliche Daten wie Name, Wohnadresse, Telefonnummer oder private Fotos werden oft sehr leichtfertig veröffentlicht. Dies kann sexuelle Belästigungen oder Cyber-Mobbing zur Folge haben. Für Kinder und Jugendliche ist es häufig auch noch schwer, vorgetäuschte Identitäten im Netz zu durchschauen – eine entsprechende Sensibilisierung beugt riskanten Situationen vor und kann auch in der Schule erfolgen.


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