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Filterblasen im Internet – Mythos, Realitätscheck und wie man sie umgehen kann

07.04.2017

Das Thema der Filterblase hat mit dem US-amerikanischen Wahlkampf 2016 endgültig den öffentlichen Diskurs erreicht. Auf einmal werden Algorithmen im Netz hinterfragt und es wird vermehrt über Filterblasen oder auch die „Bubble“ diskutiert. Wir erklären was hinter dem Begriff steckt und geben Tipps wie man eine Filterblase platzen lassen kann.

Die Algorithmen, welche im Hintergrund die Filter für uns einstellen, bedienen sich unterschiedlichster Faktoren, um zu erkennen, was für uns relevant ist oder nicht. Bild: CC0 Public Domain


Was ist eine Filterblase?

​Viele Seiten im Internet resp. vor allem Soziale Netzwerke setzen heutzutage sogenannte Algorithmen ein. Diese entscheiden im Hintergrund, wie und welche Informationen für bestimmte Nutzer/innen eingeblendet werden oder eben auch nicht. Vor allem Seiten, die viele unterschiedliche Inhalte anbieten, versuchen so, dem/r Nutzer/in einen Überblick über die (vermeintlich) relevantesten Themen zu geben.

Diese Algorithmen funktionieren somit wie Filter. Als Nutzer/in befinde ich mich in Sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook also in einer Filterblase. Es werden nur mehr gefilterte Informationen angezeigt, bei dem der Algorithmus denkt, dass diese relevant für mich sind.

Der Begriff Filterblase wurde übrigens das erste Mal von Elli Pariser (Autor von „The Filter Bubble“) in einer Präsentation von 2011 beschrieben.

Wie funktioniert eine Filterblase?

Die Algorithmen, welche im Hintergrund die Filter für uns einstellen, bedienen sich unterschiedlichster Faktoren, um zu erkennen, was für uns relevant ist oder nicht. Dazu zählen:

  • Informationen über das Computersystem (Betriebssystem, Browser, etc.)
  • das eigene Surfverhalten (Wie oft kommt jemand auf eine bestimmte Seite, wo kauft er ein im Internet? Auf welche Werbungen klickt er?, etc.)
  • oder die eigenen Vorlieben (Welche Seiten werden zum Beispiel auf Facebook oft geliked/kommentiert?).

Dadurch, dass diese Algorithmen verstärkt darstellen, womit wir uns öfters befassen, entsteht langsam eine personalisierte Filterblase.

Realitätscheck Filterblase

Die Filterblase ist jedoch kein Phänomen, das alleine durch die Digitalisierung hervorgerufen wurde. Filter, die bestimmt haben, welche Informationen wir sehen, gab es schon immer. In Zeitungen sind das Journalisten und im Fernsehen die Moderationsteams, welche wir überlegt oder zufällig als unsere primären Informationsquellen wählen. Im persönlichen Umfeld sind es Freund/innen und Bekannte, mit denen regelmäßig Informationen, Lebenseinstellungen und Erfahrungen ausgetauscht werden.

In Sozialen Netzwerken übernimmt diese Rolle des Filters nun kein Mensch mehr, sondern ein Programm, welches im Hintergrund bestimmt, was wir wie oft sehen. Durch diese Automatisierung treffen wir vermehrt auf Menschen, welche derselben oder ähnlicher Meinung sind wie wir. So wird die eigene Meinung in die eine oder andere Richtung verstärkt.

Ausbruch aus der Filterblase

Die meisten Nutzer/innen befinden sich in einer Form der Filterblase, manchmal ist sie schwächer, manchmal ist sie stärker. Jedoch ist es übertrieben zu sagen, dass diese gänzlich abgeschottet sind von gewissen Informationen. Dadurch, dass nach wie vor viele News-Seiten mit Hilfe eines Direkt-Links angesurft werden, können automatisierte Filter von Sozialen Netzwerke oder Suchmaschinen ein Stück weit umgangen werden.

Wer nun jedoch gerne bewusst aus seiner eigenen Filterblase ausbrechen möchte, kann dies mit Hilfe dieser 4 Tipps ausprobieren:

  • Anderen Inhalten/Personen folgen. Gerade in Sozialen Netzwerken ist es wichtig, auch Inhalten und Personen zu folgen/zu liken, mit denen man sich sonst eher nicht beschäftigt. Das können politische Parteien sein, die man nicht wählen würde oder aber auch Personen, deren Meinung man nicht unbedingt teilt.
  • Tools oder alternative Suchmaschinen nutzen. Die Nutzung von alternativen Suchmaschinen wie Duckduckgo oder Unbubble ermöglichen es ganz ohne Personalisierung, Informationen im Internet zu suchen. Alternativ lassen sich auch Add-ons wie Ghostery (auch als App verfügbar) installieren, welche das Tracking durch Facebook oder Google stark einschränken.
  • Quellen- und Medienkritik. Die Informationen, welche in den eigenen Sozialen Netzwerken dargestellt werden, sollten regelmäßig überprüft und hinterfragt werden. Gerade bei hoch emotionalen Themen ist man schnell verleitet, auch sogenannten Fake-News zu glauben.
  • Andere (analoge) Medien nutzen. Nicht alleine auf digitale Informationen vertrauen. Andere Medien wie Print, TV oder Radio ermöglichen es, einen anderen Blick auf gewisse Dinge zu werfen und sich damit auseinanderzusetzen.

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