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Gesetzesänderung: Einvernehmliches Sexting zwischen Jugendlichen ist erlaubt

27.01.2016

Bislang galt Sexting zwischen Minderjährigen als Kinderpornografie und war verboten. Seit 1.1.2016 ist das einvernehmliche Tauschen von eigenen pornografischen Fotos oder Videos zwischen zwei Jugendlichen ab 14 Jahren straffrei.

Bild: Pro Juventute lizenziert unter CC BY 2.0

Der Paragraf 207a des Strafgesetzbuches („Pornografische Darstellungen Minderjähriger“) hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre zu schützen. Foto- oder Videoaufnahmen von geschlechtlichen Handlungen, in die Minderjährige involviert sind, gelten demnach als Kinderpornografie. Jede Handlung im Zusammenhang mit Kinderpornografie ist verboten, darunter das Herstellen, das Anbieten, der Besitz oder das Überlassen.


Entkriminalisierung von Jugendlichen

Bislang waren die Bestimmungen im Gesetz allerdings so formuliert, dass sich auch Jugendliche selbst strafbar gemacht haben, wenn sie freizügige Fotos oder Videos von sich an Gleichaltrige gesendet haben, z.B. an die Partnerin oder den Partner. „Sexting“ – also das Verschicken und Tauschen von eigenen Nacktaufnahmen über Internet und Handy – ist bei Jugendlichen mittlerweile sehr populär und Teil einer selbstbestimmten Sexualität geworden. Freizügige Fotos oder Videos werden meist innerhalb einer Beziehung, zum Flirten oder als Vertrauensbeweis an Freund/innen verschickt.

Mit 1.1.2016 trat eine Strafgesetzbuch-Novelle in Kraft, mit der Sexting zwischen mündigen Minderjährigen entkriminalisiert wurde. Demnach ist ab sofort das einvernehmliche Tauschen von eigenen pornografischen Fotos oder Videos zwischen zwei Jugendlichen ab 14 Jahren straffrei. Das bedeutet z.B., dass ein 16-jähriges Mädchen ihrem 17-jährigen Freund ein Nacktfoto von sich schicken darf. Weder das Versenden zwischen den beiden, noch der Besitz des Fotos ist in diesem Fall für die Jugendlichen strafbar.


Weiterhin strafbar: Weiterleitung und Zwang

Wichtig: Es bleibt weiterhin verboten, solche Aufnahmen an Dritte weiterzuleiten oder diesen auf andere Art zugänglich zu machen! Der 17-jährige Freund darf das intime Foto seiner Freundin weder im Freundeskreis herzeigen, noch über WhatsApp bzw. E-Mail verschicken oder auf Facebook posten.

Die Straffreiheit gilt darüber hinaus nur für freiwillig entstandene bzw. gesendete Aufnahmen. Nach wie vor strafbar sind demnach freizügige Fotos oder Videos von Minderjährigen, die erzwungen oder erpresst wurden.

Die gesetzlichen Neuerungen im Wortlaut (§207a StGB Absatz 5): 

(5) Nach Abs. 1 und Abs. 3 ist nicht zu bestrafen, wer

 1. eine pornographische Darstellung einer mündigen minderjährigen Person
mit deren Einwilligung und zu deren oder seinem eigenen Gebrauch herstellt oder besitzt,

1a. eine pornographische Darstellung einer mündigen minderjährigen Person
von sich selbst herstellt, besitzt, oder einem anderen zu dessen eigenen Gebrauch anbietet, verschafft, überlässt, vorführt oder sonst zugänglich macht.

 

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