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Gewaltvideos ins Netz stellen – warum machen das Jugendliche?

16.11.2016

Früher war es „Happy Slapping“, jetzt heißt es „Smack Cam“: Jugendliche filmen sich dabei, wie sie andere schlagen. Teilweise mit der bloßen Hand, teilweise mit Hilfsmitteln. Die Videos werden anschließend ins Netz gestellt.

Gewaltvideos drehen und ins Netz stellen: Jugendliche filmen sich dabei, wie sie andere schlagen und teilen die Videos in Sozialen Netzwerken. Bild lizenziert unter CC0 Public Domain

Manche „Trends“ kommen immer wieder. Machte noch vor ein paar Jahren „Happy Slapping“ die Runde, ist nun „Smack Cam“ groß angesagt. Zwei Begriffe, die ein und dasselbe Phänomen beschreiben: Jugendliche filmen sich dabei, wie sie andere schlagen. Teilweise mit der bloßen Hand, teilweise mit Hilfsmitteln. Manche der Szenen sind gestellt und mit den Opfern abgesprochen, manche zeigen aber auch reale Gewalttaten. Die Aufnahmen werden auf Videoportalen wie YouTube oder Vine hochgeladen und verbreiten sich von dort rasant in Sozialen Netzwerken. Unter Jugendlichen sind solche Videos beliebtes Tauschgut und sie überbieten sich darin, wer die ärgeren Szenen auf seinem Handy hat.


Wo liegt die Grenze zwischen Spaß und Ernst?

Die „Macher/innen“ der Videos erwarten sich vor allem eines: möglichst viel Anerkennung zu ernten. Doch die Grenze zwischen Spaß und Ernst bzw. Erlaubtem und Verbotenen ist hier mehr als fließend und wird von den Jugendlichen teilweise sicher unterschätzt. Eine vielleicht als „Scherz“ verstandene Aktion seitens der Täter/innen, kann für die Opfer ganz und gar unlustig sein und aus dem Ruder laufen – bis hin zum Begehen schwerwiegender Straftaten wie z.B. Körperverletzung oder Nötigung.

Was viele Jugendliche außerdem nicht wissen: Auch das Versenden von gewaltverherrlichenden Bildern oder Videos an andere Minderjährige kann bereits strafbar sein, ebenso das öffentliche Zugänglichmachen z.B. auf einer Website! Mehr dazu: Welche Inhalte sind für Kinder und Jugendliche gesetzlich verboten?


Das „Recht am eigenen Bild“

Werden Personen auf Fotos oder in Videos nachteilig dargestellt, verletzt dies ihr „Recht am eigenen Bild“ – das trifft wohl auf die allermeisten „Smack Cam“-Videos zu. Bildmaterial und/oder dessen Begleittext, das die „berechtigten Interessen“ der abgebildeten Person/en verletzen, dürfen also nicht veröffentlicht werden. Betroffene haben ein Recht auf Löschung des Inhaltes und bei Missachtung können sie gerichtlich gegen den/die Veröffentlicher vorgehen.


Mit den Jugendlichen über Gewaltvideos sprechen

Gewaltvideos haben für Kinder und Jugendliche einen besonderen Reiz. Für die Nutzung dieser Inhalte gibt es unterschiedliche Motive (z.B. emotionaler Kick, Protest und Abgrenzung, Mitreden können, Gruppendruck, ...). Gewalt wird außerdem noch immer recht häufig als „gutes“ Mittel zur Konfliktlösung gesehen. Nicht die digitalen Medien sind hier also die problematische Gefahrenquelle, sondern die Bereitschaft der Täter/innen zu Gewalttaten! Deshalb ist es wichtig, mit den eigenen Kindern und Schüler/innen ein gewaltfreies Miteinander zu thematisieren – Trends wie „Smack Cam“ können dabei gut als Anknüpfungspunkt genutzt werden!

Was Sie konkret tun können:

 

Aus unserem Leitfaden Aktiv gegen Hasspostings“:

  • Beiträge melden. In Sozialen Netzwerken gibt es dafür meist einen eigenen Melde-Button.
  • Beiträge nicht teilen. Unerwünschte Inhalte sollten so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erhalten.
  • Dagegen argumentieren. Gegenrede kann in erster Linie dabei helfen, stille Mitlesende zu erreichen. machen Sie auch klar, dass solche Inhalte unerwünscht sind. Bleiben Sie dabei sachlich!
  • Anzeige erstatten. Sind die Inhalte eines (Hass- oder Gewalt-) Postings strafrechtlich relevant, können Sie diese bei jeder Polizeistelle zur Anzeige bringen.

Weiters:

  • das „Recht am eigenen Bild“ thematisieren
  • den Umgang miteinander reflektieren – was ist witzig, was nicht?
  • aus dem Unterrichtsmaterial „Medien und Gewalt“ (pdf, 1 MB): Übung 9: „Happy Slapping: Was darf man – was nicht?“, Seite 56
  • aus dem Unterrichtsmaterial „Medien und Gewalt“ (pdf, 1 MB): Übung 4: „Was darf sein? Wo sind die Grenzen?“, Seite 47

Weiterführende Links: