News

News

Internet Ombudsmann Jahresbericht 2014: Bedarf an Streitschlichtung und Beratung steigt

16.04.2015

2014 bearbeitete Österreichs größte Online-Streitschlichtungsstelle 6.160 Fälle – 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die häufigsten Beschwerdegründe: Vertragsstreitigkeiten, vermeintliche „Gratis“-Angebote und Datenschutz-Fragen.

Der Internet Ombudsmann Jahresbericht 2014 zeigt: Der Bedarf an Streitschlichtung und Beratung steigt. Bild: Internet Ombudsmann

Das Einkaufen im Internet wird hierzulande immer beliebter: 53 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher haben im letzten Jahr online Waren bestellt. Standard-Warenkäufe gehen dabei in der Regel ohne Probleme über die Bühne. Dennoch brachte die steigende Beliebtheit des Online-Shoppings auch mehr Beschwerden mit sich. Im Jahr 2014 bearbeitete der Internet Ombudsmann (www.ombudsmann.at), Österreichs größter Streitschlichtungs- und Beratungsstelle im Internet,  6.160 Beschwerdefälle – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vertragsstreitigkeiten, vermeintliche „Gratis“-Angebote und Anfragen rund um das Thema Datenschutz sind dabei die häufigsten Beschwerdegründe. Fazit: Der Bedarf an Streitschlichtung und Beratung durch den Internet Ombudsmann steigt. Auch die Watchlist Internet (www.watchlist-internet.at) leistet seit Juli 2013 mit tagesaktuellen Infos und Tipps einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor Online-Betrug, -Fallen und Fälschungen.

Insgesamt wurden Konsument/innen 2014 durch die erfolgreiche Bearbeitung von Fällen Kosten bzw. Schäden in der Höhe von rund 740.000 Euro erspart – durchschnittlich 170 Euro pro Fall.

Jährlich werden die Erfahrungen aus Streitschlichtung und Beratung im Internet Ombudsmann Jahresbericht veröffentlicht. Der Jahresbericht 2014 kann hier heruntergeladen werden.


Top Beschwerdegründe 2014: Vertragsprobleme, vermeintliche „Gratis“-Angebote und Datenschutz

Die meisten Probleme (40,6 Prozent) betrafen diverse Vertragsstreitigkeiten. Vor allem Beschwerden zu Rücktrittsrecht und Rückabwicklung sowie ungewollte automatische Vertragsverlängerungen wurden vom Team des Internet Ombudsmann bearbeitet.  Besonders oft traten z.B. Streitigkeiten rund um das Rücktrittsrecht bei Selbstabholung der online bestellten Waren auf. Ungewollte Vertragsverlängerungen sind gerade bei Partnerbörsen und Erotikdiensten ein häufiges Beschwerdethema.

Auf Platz zwei der Beschwerdestatistik des Internet Ombudsmann liegen die vermeintlichen „Gratis“-Angebote (Abofallen) mit 23,4 Prozent. Dabei handelt es sich um eines der Internet-Konsumentenschutzprobleme mit der höchsten Anzahl an Betroffenen in den vergangenen Jahren.

Auf Rang drei folgen Probleme im Bereich des Datenschutzes. Hauptsächlich ging es dabei um gefälschte Profile in Sozialen Netzwerken und unerwünschte bzw. widerrechtliche Veröffentlichungen von Fotos der eigenen Person. Letzteres betrifft mitunter auch sehr belastende Fälle, wie z.B. Inhalte aus privaten E-Mails oder intime Fotos.

An vierter Stelle rangieren klassische Lieferprobleme (verspätete Lieferungen oder Lieferverweigerungen), die insgesamt 7,9 Prozent aller Beschwerdefälle ausmachten.


Urheberrechtsverletzung: Internet Ombudsmann hilft bei überzogenen Forderungen

Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten wenden sich mit Urheberrechtsfragen beim Internet Ombudsmann.  Vielen ist noch nicht bewusst, wie einfach im Internet die Urheberrechte Dritter verletzt werden können. Ein typisches Beispiel: Eine Person verkauft über eine Kleinanzeigenplattform im Internet bereits gebrauchtes Handwerkszeug. Dafür benutzt die Person in ihrem Inserat Produktfotos, die sie über eine Suchmaschine gefunden hat. Die angebotene Ware wird dann innerhalb kurzer Zeit um wenig Geld verkauft. Kurz darauf gerät die Person in das Visier eines deutschen Abmahnanwalts. Sie wird aufgefordert wegen der Urheberrechtsverletzung eine Unterlassungserklärung abzugeben sowie ca. 1.600 Euro als Schadenersatz zu bezahlen. Meist gelingt es dem Internet Ombudsmann in solchen Fällen, die – häufig zu hoch angesetzten – Forderungen deutlich zu reduzieren.


Watchlist Internet etabliert sich als Informationsplattform

Mit der Watchlist Internet hat sich ein zusätzliches, kostenfreies Serviceangebot des Internet Ombudsmann etabliert. Dank der Unterstützung der Internet Privatstiftung Austria, des Sozialministeriums, der Bundesarbeitskammer und von willhaben.at informiert der Internet Ombudsmann auf www.watchlist-internet.at zu aktuellen Betrugsfällen, unseriösen Online-Shops und Online-Fallen. Bislang wurden über 440 Warnungen veröffentlicht.

Auf der Watchlist Internet finden Konsumenten vor allem Antworten auf folgende Fragen:

  • Handelt es sich in einem konkreten Fall (z B. bei einer bestimmten Website oder bei einem E-Mail) um Betrug?
  • Was kann ich tun, wenn ich in eine Betrugsfalle getappt bin?
  • Wie kann ich mich vor Betrugsfallen schützen?

Seit Beginn der Watchlist Internet im Juli 2013 konnten bereits über eine Million Besucher/innen verzeichnet werden. Über ein Meldeformular können Betroffene Betrugsfälle oder Online-Fallen selbst melden und so die Aufklärungsarbeit aktiv unterstützen. Insgesamt sind bisher 8.500 Meldungen von Internet-Userinnen und Usern – das entspricht ca. 100 Meldungen pro Woche – eingegangen, die eine wichtige Grundlage für die fast täglich aktualisierten Warnungen auf der Watchlist sind.


Weiterführende Links: