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Kleinkinder und digitale Medien – Tipps für Eltern

12.08.2015

Kinder kommen heute bereits im Kindergartenalter mit Smartphone, Tablet & Co. in Berührung. Viele Eltern fragen sich, in welchem Ausmaß Kleinkinder digitale Medien nutzen sollten – wir geben Tipps.

Ab welchem Alter und in welchem Ausmaß sollen kleine Kinder digitale Medien nutzen? Bild: Devon Christopher Adams lizenziert unter CC BY 2.0


Kinder ahmen nach – auch bei Handy & Smartphone

Eines vorweg: Es gibt keine allgemeinen Richtlinien, ab welchem Alter bzw. in welchem Ausmaß die Nutzung digitaler Medien durch kleine Kinder „richtig“ ist. Das hängt nicht nur vom Kind selbst ab, sondern ist auch von Familie zu Familie unterschiedlich. In Familien, in der die Eltern oder ältere Geschwister häufig zum Smartphone oder Tablet greifen, womöglich mehrere Geräte besitzen und oft online sind, werden auch die Kleinen früh mit der Nutzung beginnen. Für diese Kinder ist das schließlich alltägliche Normalität – im Gegensatz zu Familien, in der digitale Medien für die erwachsenen Mitglieder weniger wichtig sind.

Tipp: Gehören digitale Medien fix zu Ihrem Familienalltag, dann nimmt auch Ihr Kind diese als normalen Bestandteil des Familienlebens wahr. Smartphone, Tablet & Co. sind in so einem Fall nichts Besonders – sondern werden neben Puppe, Ball und Brettspiel als weitere „Spielmöglichkeit“ angesehen. Genau diese Vielfalt an Beschäftigungsangeboten ist aber entscheidend: Die Nutzung digitaler Medien sollte stets eine Aktivität unter vielen sein.


Allein auf YouTube? Niemals ohne Eltern!

Eltern sollten digitalen Medien prinzipiell entspannt und offen gegenüberstehen, sich gleichzeitig aber bewusst machen, dass die Nutzung von Apps oder Sozialen Netzwerken auch unangenehme Erfahrungen mit sich bringen kann. Ein Beispiel hierfür ist YouTube: Selbst wenn das Video-Portal grundsätzlich auch für kleine Kinder ein tolles Angebot bereithält, stößt man immer wieder unverhofft auf Inhalte, die für die Jüngsten denkbar ungeeignet sind. Oft lässt sich auf den ersten Blick nur schwer einschätzen, ob wirklich alle Videos in einer Playlist für Kinder unbedenklich sind. Selbst scheinbar harmlose Cartoons sind manchmal mit Schimpfwörtern oder Gewaltdarstellungen gespickt. Jugendliche machen sich gerne einen Spaß daraus, Zeichentrickserien aus ihrer eigenen Kindheit zu verunglimpfen und mit nicht jugendfreien Inhalten zu „garnieren“. Aus diesem Grund können selbst erfahrene YouTube-Nutzer/innen nie sicher sein, ob die nächste Folge von „Peppa Pig“ nicht plötzlich mit obszönen Ausdrücken oder gewalttätigen Inhalten durchsetzt ist.

Tipp: Kleine Kinder sollten niemals Videos auf YouTube ohne Begleitung durch Erwachsene ansehen! Bleiben Sie in der Nähe des Bildschirms und werfen Sie immer wieder einen Blick auf den aktuellen Clip.

Möchte Ihr Kind doch einmal alleine ein Video anschauen, gibt es zahlreiche Alternativen zu YouTube . Viele bei Kindern beliebte Formate sind auch bei Streaming-Portalen, wie z.B. Netflix, Maxdome oder Sky Snap, verfügbar. Voraussetzung ist natürlich, dass diese (kostenpflichtigen) Dienste bereits im Haushalt genutzt werden. Eine weitere sichere Variante stellen Videos auf kindgerechten Online-Plattformen dar: Hier können sich Eltern sicher sein, dass nicht plötzlich mitten im Clip ungeeignete Inhalte auftauchen, z.B. „Die Sendung mit dem Elefanten“. Hier finden Sie weitere empfehlenswerte Kinderseiten.


Kinder müssen ihre Grenzen kennenlernen

Immer wieder werden wir um eine Einschätzung zu technischen Schutzmaßnahmen gebeten. Spezielle Filterprogramme und –apps, die die Nutzungszeit von Smartphones und Tablets automatisch begrenzen oder den Zugang zu bestimmten Apps sperren, können bei kleinen Kindern durchaus eine sinnvolle Ergänzung sein.

Diese Kinderschutz-Apps können und sollen aber immer nur ein kleiner Teil der Medienerziehung sein – diese kann nicht zur Gänze an Technologien delegiert werden! Kinder müssen vor der Pubertät lernen, wo die eigenen Grenzen liegen, um auf diese entsprechend reagieren zu können. Einmal in der Pubertät angelangt, ist es hierfür zu spät – in dieser Phase tendieren Kinder bzw. Jugendliche generell zu einem Verhalten, das Grenzen überschreitet. Außerdem: Je älter Kinder werden und je gezielter sie nach entsprechenden Inhalten suchen, desto wirkungsloser werden Filter und Schutz-Apps.

Je früher ein Kind die eigenen Grenzen einschätzen kann, desto besser. Aber auch wenn das Kind weiß, wann es genug bzw. zu viel ist, muss es zusätzlich in der Lage sein, Konsequenzen aus dem eigenen Verhalten zu ziehen – und dann z.B. etwas anders zu machen, sich zu bewegen, hinauszugehen.

Tipp: Bleiben Sie entspannt! Stößt Ihr Kind an seine Grenzen, sollte es von sich aus sein Verhalten ändern  ohne ein „Ich hab’s dir doch gesagt“ von Mama und Papa zu hören. Auf diese Weise fällt es Ihrem Kind leichter, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Bestärken Sie also Ihr Kind, mal etwas anderes tun kann, wenn beispielsweise schon die Augen oder der Kopf wehtun oder das Kind merkt, dass seine Laune in den Keller rutscht. Für Eltern bedeutet das aber auch, sich in solchen Situationen selbst an der Nase zu nehmen und auch wirklich mit dem Kind auf den Spielplatz oder hinaus in den Garten zu gehen – auch wenn Sie selbst lieber etwas anderes tun würden.


Begleitung durch die Eltern ist wichtig

Egal was Kinder gerade beschäftigt – die Eltern sind in allen Dingen die ersten Ansprechpersonen. Das trifft natürlich auch auf digitale Medien zu! Kinder müssen das Gefühl haben, sich auch in problematischen Situationen an die Eltern wenden zu können, ohne dass diese gleich die Nerven verlieren. Merken Kinder, dass ihre Eltern überfordert sind und in bestimmten Situationen panisch reagieren, dann kommen sie mit ihren Fragen und Problemen auch nur ungern zu Mama und Papa.

Tipp: Bleiben Sie als Elternteil am Ball! Beschäftigen Sie sich mit den Tools und Inhalten, die Ihr Kind nutzt und faszinierend findet – auch wenn diese vielleicht nicht ganz Ihrem Geschmack entsprechen. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck können Sie problematische Situationen besser einschätzen – und Ihr Kind wird sich bei unangenehmen Erlebnissen in der digitalen Welt gerne an Sie wenden.


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