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Mädchen im Netz: Ein Leitfaden für Eltern und Mädchen

07.03.2017

Mädchen müssen manchmal schlechte Erfahrungen im Internet machen – einfach nur, weil sie Mädchen sind. Ein Leitfaden von der Frauenabteilung der Stadt Wien richtet sich speziell an Mädchen und gibt hilfreiche Tipps.

Verbale Gewalt im Internet folgt eigenen Mechanismen, speziell auch bei Mädchen. Bild: von pixabay, lizenziert unter CC0 Public Domain

Die Versuchung zu anderen gemein zu sein, ist im Internet und vor allem in den Sozialen Medien viel größer als im direkten, persönlichen Kontakt. Durch die Anonymität sinkt die Hemmschwelle, andere grundlos und absichtlich zu beleidigen oder gar zu attackieren. Viele der Betroffenen von Cyber-Mobbing oder Hass im Netz sind weiblich, während die Täter/innen nicht selten männlich sind.

Die Autor/innen der Broschüre „Mädchen im Netz“- Ein Leitfaden zum Umgang in (a)sozialen Medien der Frauenabteilung der Stadt Wien erklären die wichtigsten Begriffe in Zusammenhang mit Themen, welchen Mädchen im Netz begegnen können:

Sexismus
Sexismus ist die Diskriminierung (Abwertung bzw. Denken in Vorurteilen) aufgrund des Geschlechts und betrifft Mädchen und Frauen sehr viel häufiger als Männer. Beispiele von sexistischer Diskriminierung sind, dass Frauen für gleiche Arbeit oft schlechter bezahlt werden oder Politikerinnen in den Medien wegen ihres Aussehens kritisiert werden. Ein Beispiel für Online-Sexismus ist, dass weibliche Gamer beschimpft werden, besonders wenn sie gut sind.

Bodyshaming/Beleidigung
Bodyshaming bedeutet, eine andere Person aufgrund ihres Körpers abzuwerten, also übergriffige und online gemeine Kommentare über Größe, Gewicht und Aussehen einer Person zu machen. Mädchen sind davon im Internet wesentlich häufiger betroffen als Burschen.

Slutshaming
Slutshaming ist eine sexistische Taktik, um Frauen und Mädchen im realen oder digitalen Umfeld zu erniedrigen und zu verunsichern. Ihnen wird aufgrund ihres Kleidungs- oder Lebensstils (vor allem Sexualleben) unterstellt eine „slut“ (abwertender Ausdruck für eine sexuell freizügige Frau) zu sein.

Sexting
Sexting ist das Verschicken von intimen und erotischen Selfies mit dem Handy. Viele Mädchen werden von ihrem Schwarm oder auch festen Freund dazu aufgefordert, Selfies zu verschicken. Es gibt keine wirklich sichere Form des Sextings. Eine Möglichkeit ist es, die Bilder so zu gestalten, dass das Gesicht nicht erkennbar ist, also zum Beispiel das Fotografieren der Silhouette.

Nötigung
Nötigung bedeutet, eine andere Person mit Gewalt oder durch eine gefährliche Drohung zu einem bestimmten Verhalten zu zwingen. Zum Beispiel: „Wenn du dich von mir trennst, stelle ich Nacktfotos von dir ins Internet.“

Stalking
Stalking ist das beharrliche Verfolgen und Nachstellen einer Person (persönlich, telefonisch, im Internet) gegen ihren Willen und über einen längeren Zeitraum. Zum Beispiel: Wenn jemand seine Ex-Freundin über einen längeren Zeitraum sehr oft anruft, sie mit WhatsApp-Nachrichten überhäuft oder auch Aktivitäten auf Instagram oder Facebook übertrieben oft und vor allem negativ kommentiert.

Kinderpornografie
Bilder, Filme oder Ähnliches von geschlechtlichen (sexuellen) Handlungen, in die Minderjährige involviert sind, oder die den Fokus auf die Geschlechtsteile von Minderjährigen haben, fallen rechtlich gesehen unter Kinderpornografie (§ 207a StGB „Pornografische Darstellung Minderjähriger“). Die Verbreitung und der Besitz solcher Bilder sind strafbar. Handys, Tablets etc., auf denen pornografische Darstellungen von Kindern und Jugendlichen gespeichert sind, müssen zerstört werden. In Österreich ist der Besitz kinderpornografischer Darstellungen ebenso wie der wissentliche Zugriff auf kinderpornografische Darstellungen im Internet strafbar.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Viele Jugendliche wissen noch nicht, dass auch Fehlverhalten im Netz rechtliche Konsequenzen haben kann. Anwendung findet das Strafgesetzbuch (StGB) und das Medien- und Urheberrecht (UrhG). Cyber-Mobbing ist nach Paragraf 107c (StGB) ein eigener Straftatbestand. Bei Verurteilung reicht der Strafrahmen von gemeinnütziger Arbeit über Geldstrafen bis hin zu Gefängnisstrafen (max. 1 Jahr). Um Anzeige zu erstatten, ist es notwendig, Beweise zu sichern und zu sammeln. Als Beweise zählen Fotos, Kommentare, Videos und E-Mails, die durch Downloads, Fotos oder Screenshots gespeichert werden. Die Beweise sollten mit Datum, Zeit und wo möglich mit Name bzw. Pseudonym beschriftet werden. 

Kreative Gegenbewegungen und Unterstützung

Das Internet hat natürlich auch sehr viele gute Seiten. Frauen und Mädchen sollen davon und von den neuen Formen der Kommunikation profitieren und die Freiheiten des digitalen Raumes genießen. Unter bekannten Hashtags in Instagram wie beispielsweise #shorthairdontcare wehren sich Mädchen auf kreative Art und Weise gegen Sexismus im Internet. Der Leitfaden "Mädchen im Netz" richtet sich speziell an Mädchen, da sich verbale Gewalt im Internet ganz eigener Mechanismen speziell gegen Frauen bedient. Er bietet Unterstützung, indem die Reflexionsfähigkeit zum eigenen Onlineverhalten gestärkt wird und hilfreiche Informationen bereitgestellt werden.


Kostenloser Download der Broschüre „Mädchen im Netz“- Ein Leitfaden zum Umgang in (a)sozialen Medien (pdf 774 KB)


Tipps für Mädchen:

  • Privatsphäre schützen. Gib in Sozialen Netzwerken nur wenige persönliche Dinge über dich bekannt und sei sparsam mit freizügigen Fotos. Verwende sichere Passwörter und halte diese geheim. Unter Kontaktinfos nicht deine echte Adresse, Telefonnummer oder Schule angeben.
  • Nicht persönlich nehmen. Wenn du online fertig gemacht wirst, nur weil du ein Mädchen bist: Versuch es nicht zu persönlich zu nehmen. Die Beleidigungen haben höchstwahrscheinlich weniger mit deiner Person, als mit der Person/des Haters zu tun.
  • Online Zivilcourage zeigen. Diese ist sehr wichtig, um die Diskussionskultur in eine positive Richtung zu verändern.
  • Aufmerksam. Mach dir bewusst, wo du surfst und „beobachte“ dein Umfeld genau: Wo und in welcher Form findet die Diskussion statt? Wer nimmt daran teil und in welche Richtung entwickelt sich das Gespräch?
  • Grenzen erkennen. Wann ist ein Spaß tatsächlich lustig und wann ist es eigentlich nur eine Beleidigung? Erkenne deine Grenzen und die von anderen. War das gerade unter der Gürtellinie? Macht jemand nur einen dummen Scherz oder ist das schon ein Hasskommentar? Im Zweifelsfall kann auch nachgefragt werden.
  • Nicht mitmachen. Mobbing funktioniert nur vor einem Publikum. Alle, die mitlesen sind Teil davon, auch wenn sie nicht aktiv mitmachen.
  • Solidarität zeigen. Widersprich gemeinen Kommentaren oder sprich über die Hater und nicht mit ihnen. Gut kann auch sein, andere Nutzer/innen auf das schlechte Verhalten Dritter hinzuweisen und den Betroffenen Mut zu machen.
  • Hilfe holen. Die Gratis-Hotline 147 Rat auf Draht kann dir weiter helfen. Du kannst aber auch Anzeige zu erstatten. Im Vorfeld einer Anzeige bei der Polizei sollte eine rechtliche Beratung in Anspruch genommen werden.
  • Beweise sichern. Als Beweise für eine Anzeige bei der Polizei zählen Fotos, Kommentare, Videos und E-Mails, die durch Downloads, Fotos oder Screenshots gespeichert werden.


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