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Mein Kind erhält Kettenbriefe in WhatsApp – wie soll ich reagieren?

21.10.2016

Kettenbriefe über WhatsApp sind bei Kindern sehr verbreitet – je jünger die Kinder sind, desto weniger können sie einschätzen, ob sie wahr sind. Wir geben Tipps, wie Eltern und Lehrende ihre Kinder unterstützen können.

Kettenbriefe verbreiten sich auf WhatsApp wie Lauffeuer und können bei Kindern großen Ängste hervorrufen. Bild: Saferinternet.at

Ein Volksschulkind kommt jede Woche mit bis zu 10 Kettenbriefen in Berührung, von denen es die Inhalte es zum Teil überhaupt nicht einschätzen kann – „vorsorglich“ wird daher alles weitergeschickt. Meist werden in WhatsApp nur harmlose Scherze massenhaft geteilt – manchmal beinhalten Kettenbriefe aber auch Todesdrohungen, Gruselgeschichten oder Nachrichten, welche einen großen sozialen Druck auslösen weil sie die Beliebtheit eines Kindes messen.

Wir haben die wichtigsten Spielarten von WhatsApp-Kettenbriefen zusammengestellt. Es ist für Erwachsene wie auch für Kinder wichtig, dass inhaltlich zwischen „Spassigem“, „Sozialem“ und ernsteren Inhalten wie Morddrohungen/Einschüchterungen oder Betrug unterschieden werden kann. Durch die einfache Art des Teilens verbreiten sich die Kettenbriefe innerhalb des Netzwerks wie ein Lauffeuer und können bei Kindern großen Ängste hervorrufen.


Echt oder Fake?

Kettenbriefe waren schon ein Übel, als sie noch mit der Post kamen. Als E-Mail-Version waren und sind sie genauso lästig und teilweise sogar gefährlich (Viren). Heute werde  Kettenbriefe vor allem über WhatsApp versendet.
Das „ungeschriebene Gesetz“ hinter diesen Massensendungen: Wer einen Kettenbrief erhält, muss diesen binnen kurzer Zeit an eine gewisse Anzahl an Personen weiterleiten. Die Kette darf nie abreißen, denn sonst droht angeblich großes Unheil. Kettenbriefe sind jedoch grundsätzlich immer Hoaxes. Ein Hoax ist eine Falschnachricht im Internet, die absichtlich als solche in Umlauf gebracht wurde. Ist man unsicher, ob eine Nachricht echt ist oder nicht, hilft es, Auszüge aus der Nachricht in Suchmaschinen einzugeben – meist lässt sich ein Schwindel so sehr schnell entlarven.

Tipps, wie Eltern und Lehrende mit Kindern über Kettenbriefe reden können:

  • Sprechen Sie das Thema von sich aus an/fragen Sie in der Klasse nach, welche Kettenbriefe gerade im Umlauf sind und erklären Sie, was Kettenbriefe sind. Kindern ist oft nicht bewusst, was hinter Kettenbriefen steckt und dass die darin beschriebenen „Gefahren“ nichts mit der Realität zu tun haben.
  • Nehmen Sie die Ängste Ihres Kindes bzw. Schüler/innen ernst! Wenn ein Kind sich Sorgen macht, dass es selbst oder eine nahestehende Person sterben könnte, oder dass es in der Klasse unbeliebt wird, weil es eine Nachricht nicht weitergeschickt hat, dann sind diese Sorgen ganz real und oft auch sehr mächtig. Nicht immer ist es einfach, diese irrationalen Ängste mit vernünftigen Argumenten zu entkräften. Vielleicht hilft es aber, Geschichten aus der eigenen Vergangenheit zu erzählen, schließlich war jede/r von uns in der eigenen Kindheit/Jugend mit Kettenbriefen (über andere Medien) konfrontiert und uns ist kein Unglück widerfahren.
  • Diskutieren Sie mit Ihrem Kind bzw. ihren Schüler/innen, welche Kettenbriefe weitergeschickt werden können – und welche nicht, legen Sie klare Regeln fest. Nicht alle Kettenbriefe sind bedrohlich bzw. bedenklich, manche sind einfach auch nur nett! Gehen Sie gemeinsam die Kettenbriefe durch, und üben Sie gemeinsam, „gruselige“ Kettenbriefe nicht weiterzuschicken, um nicht noch weitere Kinder unnötig zu ängstigen. Kettenbriefe mit unangenehmen Inhalten einfach gleich löschen!
  • Machen Sie Ihrem Kind immer wieder klar, dass nichts Schlimmes passiert, wenn man einen Kettenbrief nicht weiterschickt. Wenn Sie Ihr Kind begleiten, wird es im Laufe der Zeit die Sicherheit gewinnen, dass die in Kettenbriefen angedrohten Gefahren nicht real sind.


Übung für den Unterricht: Lassen Sie Ihre Schüler/innen als „Kampfansage“ gegen Kettenbriefe im Chor schreien: „Kettenbriefe sind Lügen! Kettenbriefe sind Lügen!“ Das macht den Kindern Spaß und nimmt ihnen ein wenig die Angst vor derartigen Nachrichten.

Kettenbriefe - Von lieb über betrügerisch zu bedrohlich

Wir erläutern die wichtigsten Spielarten und deren Hintergründe – hier die wichtigsten Kategorien im Überblick:

  • Der Klassiker: Die Warnung vor Gefahren
  • Die Empörung: Zwischen Gerücht und Hass Posting
  • Die Eventorganisation: „Am 23.9 ziehen alle pinke Oberteile an!“
  • Der Angstmacher: Von Angst bis hin zur Panik
  • Der Klick-Köder: Clickbaiting – Der Drang draufzuklicken
  • Der Sozialbarometer: „Du bist nur beliebt, wenn du viele Herzchen bekommst“
  • Der Gebühren-Schreck: Erhöhung der Gebühren/Löschung des Accounts bei WhatsApp


Das Kettenbrief-Handy von Saferinternet.at: Wir zählen mehr als 20!

Seit kurzem bietet Saferinternet.at die Möglichkeit, empfangene Kettenbriefe rund um die Uhr an ein eigenes Kettenbrief-Handy weiterzuleiten. Auf diese Weise kann Kindern die Angst vor möglichen Konsequenzen genommen werden, falls sie einen Kettenbrief nicht an ihre Freund/innen weiterschicken wollen. Der Clou: Bei Saferinternet.at lesen den Kettenbrief mehr als 20 Personen ;-) Auch uns ist damit geholfen – wir dokumentieren die Fälle und binden sie in unsere Aufklärungsarbeit mit ein.

So funktioniert’s: Einfach den Kettenbrief via WhatsApp an die Nummer 0660/ 213 54 23 weiterleiten (die Handynummer vorher in den eigenen Kontakten unter „Kettenbrief“ einspeichern). 


Weiterführende Links: