News

News

Nacktaufnahmen im Internet – Tipps zur „Schadensbegrenzung“

14.07.2015

Sie haben freizügige Fotos verschickt und diese machen nun die Runde? Ihr Ex-Partner oder Ihre Ex-Partnerin hat erotische Videos von Ihnen online gestellt? Wir geben Tipps, wie Sie sich gegen Nacktaufnahmen im Netz wehren können.

Einmal im Internet verbreitete Bilder und Videos können kaum wieder gelöscht werden – dennoch lohnt es sich, aktiv zu werden!. Bild: Pixabay.com lizenziert unter CC0 Public Domain, Saferinternet.at

Sie haben freizügige Fotos per WhatsApp oder Snapchat verschickt und diese machen nun die Runde? Ihr Ex-Partner oder Ihre Ex-Partnerin hat erotische Videos von Ihnen ins Internet gestellt? Sie werden von Betrüger/innen nach einem Video-Chat mit dem intimen Bildmaterial erpresst?

Jetzt ist rasches Handeln gefragt! Wir haben hilfreiche Tipps zusammengestellt, wie Sie sich gegen die unerwünschte Veröffentlichung Ihrer erotischen Bilder oder Videos zur Wehr setzen können. Unsere Empfehlungen haben wir auch im Leitfaden „Aktiv gegen Nacktaufnahmen“ (pdf, 2.9 MB) zusammengefasst. 

Grundsätzlich gilt: Das Internet vergisst nicht! Fotos, die einmal hochgeladen wurden, verbreiten sich sehr schnell – dies lässt sich kaum beeinflussen oder kontrollieren. Manche Inhalte werden auch noch in 10, 20, 30, ... Jahren im Netz zu finden sein! Werden Sie daher aktiv! Auch wenn es schwierig ist, Nacktaufnahmen wieder aus dem Internet zu löschen – der Versuch lohnt sich auf alle Fälle!

Scheuen Sie sich nicht, in dieser unter Umständen schweren Zeit psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen! Kontaktadressen finden Sie in den Link-Tipps am Ende des Artikels.

 

Schritt 1: Verschaffen Sie sich einen Überblick!

Versuchen Sie sich einen möglichst umfassenden Überblick über die Situation zu verschaffen. Wo sind Ihre Aufnahmen überall verbreitet? Sind diese unter Ihrem Namen zu finden? Googeln Sie nach Ihrem Namen, setzen Sie diesen dazu in Anführungszeichen („Vorname Nachname“). So wird nur nach dieser exakten Wortfolge gesucht. 


Klicken Sie sich durch die Ergebnisliste – und bitte nicht nur auf die ersten zwei Seiten beschränken! Sammeln Sie die „Treffer“ (am besten mit Link und Screenshot, z.B. in einem Word-Dokument).  


Klicken Sie sich sowohl durch die Web-Suchergebnisse, als auch durch die Bild-, Video- und News-Ergebnisse!

 


Für den Fall, dass Ihr Bild/Video ohne Ihren Namen oder einer entsprechenden Namensverknüpfung im Internet veröffentlicht wurde, können Sie mit der Google-Bildersuche nach weiteren Treffern suchen. Dabei dient Ihr Bild als Grundlage für die Suche nach ähnlichen Bildern im Internet („Umgekehrte Bildersuche“). Achtung: Den Nutzungsbedingungen zufolge speichert Google alle hochgeladenen Bilder und eingegebenen Suchbegriffe – wer hier Sicherheitsbedenken hat, sollte diesen Schritt überspringen.


Schritt 2: Kennen Sie Ihre Rechte!

Nun wissen Sie Bescheid über die Verbreitung Ihrer intimen Aufnahmen – zumindest soweit das möglich ist. Nächster Schritt: Sofern Sie wissen, wer die Bilder/Videos verbreitet hat, sollten Sie die Person konfrontieren und darauf aufmerksam machen, dass das Onlinestellen des Bildmaterials ohne ihr Einverständnis illegal ist. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten:

(A) Sie sind unter 18 Jahre alt:
Das Veröffentlichen meiner intimen Bilder/Videos (dabei handelt es sich um Aufnahmen, die sexuelle Handlungen und/oder Genitalien zeigen) gilt als Verbreitung von pornographischen Darstellungen Minderjähriger und ist nach §207a StGB strafbar!

(B) Auf jeden Fall gilt:
Das Verbreiten meiner intimen Bilder/Videos kann unter bestimmten Umständen nach §111 StGB (Üble Nachrede) oder §115 StGB (Beleidigung) strafbar sein; im Zusammenhang mit „Sextortion“ auch nach §105 StGB (Nötigung).

Wichtig: Eine strafrechtliche Verfolgung ist nur dann möglich, wenn Sie Anzeige erstatten!

Unabhängig davon können Sie zivilrechtlich gegen die Person vorgehen und auf Schadenersatz und Unterlassung klagen – primär wegen der Verletzung des „Rechts am eigenen Bild“ nach § 78 UrhG. Demnach dürfen veröffentlichte Aufnahmen die Abgebildeten nicht bloßstellen oder herabsetzen.

Diese Forderungen können Sie auch gegen die Seitenbetreiber/innen bzw. Webmaster (dazu gleich mehr) erheben, wenn die Inhalte trotz Aufforderung nicht unverzüglich entfernt werden.


Schritt 3: Werden Sie aktiv!

Nachdem Sie den Täter bzw. die Täterin konfrontiert und/oder angezeigt haben – sofern Sie diese/n kennen – ist es nun am wichtigsten, Ihre Aufnahmen wieder aus dem Internet zu entfernen. Eines vorweg: Das wird nicht leicht! Und die Erfolgschancen sind nicht sehr groß. Dennoch ist es einen Versuch wert! Folgendes können Sie unternehmen:


Bilder/Videos in Sozialen Netzwerken

Wurden Ihre Bilder/Videos in einem Sozialen Netzwerk (z.B. Facebook, YouTube etc.) hochgeladen, dann melden Sie sowohl die Aufnahmen, als auch involvierte User/innen, Seiten oder Gruppen an die Seitenbetreiber/innen. Wie das in den einzelnen Netzwerken genau funktioniert, können Sie in unseren Privatsphäre-Leitfäden nachlesen. Sofern die Inhalte oder deren Veröffentlichung gegen das Gesetz oder die Nutzungsrichtlinien verstoßen, werden diese in der Regel von den Seitenbetreiber/innen rasch gelöscht. Falls die Betreiber/innen nicht reagieren, kann auch der Internet Ombudsmann versuchen, Ihnen bei der Löschung der Aufnahmen zu helfen.


Bilder/Videos 
auf anderen Websites & Blogs

Bei anderen Websites ist es schon schwieriger. In diesem Fall müssen Sie den Inhaber/die Inhaberin der Website (Webmaster) kontaktieren und zur Löschung der unerwünschten Aufnahmen auffordern.

  • Suchen Sie zunächst auf der Website nach Kontaktinformationen (z.B. im Impressum) und schreiben Sie an die angegebene E-Mail-Adresse.
  • Ist auch eine Postadresse angegeben, sollten Sie zusätzlich einen eingeschriebenen Brief mit der Aufforderung, das Bild/Video unverzüglich aus dem Netz zu nehmen, schicken. Als Formulierungshilfe haben wir für Sie einen Musterbrief (pdf, 20 KB) erstellt.

Wenn Sie keine Kontaktinformationen des Webmasters finden, haben Sie drei Möglichkeiten.

(1) Sie finden heraus, auf wen die Website registriert ist.
In der Regel können Sie über eine sogenannte „Whois“-Abfrage Informationen zum Webmaster einer Website finden. Schauen Sie sich zunächst die URL der Website an. Die Domain-Endung nach dem zweiten Punkt gibt Auskunft darüber, wo die Website verwaltet wird. Beispiel: Die Domain-Endung der URL „www.saferinternet.at“ ist „AT“ und steht für Österreich.

  • Um nach AT-Domains zu suchen, rufen Sie www.nic.at/domainsuche auf und geben die URL der Website an, auf der Sie Ihr Bild/Video gefunden haben.
  • Bei DE-Domains aus Deutschland verwenden Sie bitte die Suchmaschine auf www.denic.de/domains/whois-service/web-whois.
  • Bei COM-, ORG-, NET- und BIZ-Domains suchen Sie bitte hier: www.whois.com.
  • Führt Sie die Domain-Suche zu einer Kontaktadresse, senden Sie wie beschrieben eine E-Mail und/oder einen eingeschriebenen Brief an den Webmaster.
  • In der Whois-Abfrage finden Sie meist auch die Kontaktinformationen des Hostingsanbieters der Website. Erhalten Sie z.B. vom Webmaster keine Antwort, können Sie es über das Hostingunternehmen versuchen.

(2) Sie holen sich Hilfe beim Internet Ombudsmann.

(3) Sie beantragen die Löschung der Suchergebnisse einer Suchmaschine.
Nach einem EuGH-Urteil von Mai 2014 sind Suchmaschinenanbieter verpflichtet, Links zu Websites mit persönlichen Daten unter bestimmten Voraussetzungen auf Anfrage zu löschen („Recht auf Vergessen“).

Bevor Sie jedoch diesen Antrag stellen sollten Sie unbedingt versuchen, den Webmaster der jeweiligen Website ausfindig zu machen und zur Löschung der Bilder/Videos aufzufordern. Warum?

  • Der Suchmaschinenanbieter kann nur den Link zur Website bzw. zum Video/Video entfernen, nicht die Website oder die Inhalte selbst – das kann nur der Webmaster! Vor allem: Andere Suchmaschinen finden Ihre Bilder/Videos auch weiterhin!

  • Da viele Nutzer/innen Anträge stellen, kann es sehr lange dauern, bis diese vom Suchmaschinenanbieter bearbeitet werden

Nur wenn Sie keine Informationen zum Webmaster finden bzw. keine Antwort/Reaktion erhalten, sollten Sie einen Löschantrag beim Suchmaschinenanbieter in Erwägung ziehen!


Schritt 4:  Bleiben Sie auf dem Laufenden!

Und jetzt? Warten Sie ab und verfolgen Sie weiterhin, wo Ihre Bilder/Videos im Netz auftauchen

Um über weitere Veröffentlichungen sofort informiert zu werden, ist es ratsam, einen Google Alert für Ihren Namen („Vorname Nachname“) anzulegen. Damit bekommen Sie im Fall des Falles eine E-Mail mit dem Link zur neuen Veröffentlichung zugesendet:

Geben Sie als Suchanfrage Ihren eigenen Namen in der Form „Vorname Nachname“ ein. Wählen Sie folgende Alert-Einstellungen:

  • „Häufigkeit“ - Bei jeder Neuigkeit (unverzüglich)
  • „Quellen“- Automatisch
  • „Sprache“ - Beliebige Sprache
  • „Region“ - Beliebige Region
  • „Anzahl“- Alle Ergebnisse

Beachten Sie: Mit einem Google-Alert werden natürlich längst nicht alle Ergebnisse erfasst! Darum ist es empfehlenswert, regelmäßig die Google-Bildsuche zu wiederholen (siehe oben) – für den Fall, dass das Bildmaterial ohne Verknüpfung mit Ihrem Namen wieder im Internet gelandet ist. 


Weiterführende Links: