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Self-Tracking: Die Vermessung der (eigenen) Welt

04.12.2014

Von Höhlenmalerei über Tagebücher bis hin zu Blogs – schon immer haben Menschen gerne ihr Leben dokumentiert. Apps und Gadgets helfen heute dabei, sogar Körperdaten wie Schlafrhythmen oder verbrannte Kalorien aufzuzeichnen. Ob das gut ist?

Wearables, Fitness-Apps und Gadgets zeichnen persönliche Körperdaten wie Schlafrhythmus, Kalorienzufuhr oder gelaufene Kilomenter auf. (cc) designed by Freepik.com: www.freepik.com/free-photos-vectors/design

Der Begriff „Self-Tracking“ bezeichnet die Erfassung von Daten, die die eigene Person betreffen („self“ engl. für „selbst“; „to track“ engl. „verfolgen, überwachen“) – alternativ wird dafür auch die Bezeichnung „Lifelogging“ gebraucht („to log“ engl. „protokollieren“). Die Aufzeichnungsmöglichkeiten reichen dabei vom einfachen Notieren der Daten bis zum Fotografieren von körperlichen Veränderungen – doch das ist natürlich nicht neu.

Immer mehr lösen nun aber Apps und Fitness-Gadgets diese althergebrachten Methoden ab und machen das Messen von Körperdaten kinderleicht. Self-Tracking-Gadgets erfreuen sich schon seit geraumer Weile steigender Beliebtheit – so ist etwa der deutsche Markt innerhalb eines Jahres um rund 700 Prozent gewachsen. Fakt ist: Nicht nur Profisportler/innen schmücken ihre Handgelenke mit bunten Armbändern, die Gesundheits- und Fitnesszustand dokumentieren, sondern auch Gesundheitsbewusste und Sportbegeisterte aus allen Bevölkerungsschichten.


„Wearables“ als Fitnessmesser

Die Bandbreite der Aufzeichnungsmöglichkeiten reicht dabei von digitalen Waagen mit Körperfettanteil–Messung über Schrittzähler bis hin zu Pulsuhren. Selbst kleinste Geräte sind mit Sensoren ausgestattet und mit dem Internet verbunden. Diese sogenannten „Wearables“ („wearable“ engl. „tragbar“) sind kleine Computersysteme, die während der Anwendung am Körper getragen werden oder direkt als Sensoren in die Kleidung integriert sind. Sie dienen der Erfassung von Daten und ermöglichen Sportbegeisterten auch eine spätere Analyse ihrer Leistungen. Die visuelle Aufbereitung der Daten ermöglicht selbst Laien eine rasche Auswertung.


Den Datenanalysen nicht blind vertrauen

Viele User/innen lassen sich nur allzu gerne per Handy-Nachricht oder Pop-ups an die tägliche Sporteinheit oder Obstportion erinnern. Self-Tracking-Apps und Gadgets dienen in vielen Fällen der (Selbst)Motivation: Leicht erreichbare Zwischenziele sowie die Darstellung von bisherigen Erfolgen spornen Trainierende regelmäßig zu noch besseren Leistungen an. Jedoch sollten Nutzer/innen vorsichtig sein – nicht jede Self-Tracking-App arbeitet korrekt. Vor allem Dienste, die eher „Unterhaltungscharakter“ haben, sind keine verlässlichen Quellen – den errechneten Daten und Analysen sollte daher nicht blind vertraut werden. Vor sportlichen oder gesundheitlichen Entscheidungen sollte unbedingt eine ärztliche Meinung eingeholt werden.


Die Quantified-Self-Bewegung: amerikanischer Export

Den Ursprung der Selbstvermessung bzw. deren Verbreitung liegt in den USA, wo im Jahr 2007 die Website www.quantifiedself.com von zwei Journalisten und begeisterten „Selbstvermessern“ ins Leben gerufen wurde. Dabei handelt es sich um (lose) organisierte Netzwerke von Anwender/innen und Entwickler/innen, die an technischen Neuerungen und dem Austausch mit Gleichgesinnten interessiert sind. Die „Quantified Self“-Bewegung erreicht nun langsam auch den deutschsprachigen Raum, selbst wenn in Österreich noch keine derartige Gemeinschaft existiert.


Datenschutz wird vernachlässigt

Damit die Geräte und Apps jedoch ihren Dienst verrichten können, müssen sie vorher mit Informationen gefüttert werden. Zu Beginn müssen Nutzer/innen persönliche Daten, wie z.B. Alter, Gewicht, Geschlecht oder individuelle Ernährungsgewohnheiten eingeben. Wer auf den Schutz der eigenen Privatsphäre bedacht ist, kommt bei den neugierigen Gadgets nicht sehr weit.

Bei der elektronischen Selbstvermessung fließen Daten in Strömen und werden „nach Hause telefoniert“, also an die App-Anbieter übermittelt. Das ist aus Datenschutzsicht nicht immer unproblematisch. Besonders schwierig ist in diesem Zusammenhang, dass viele dieser Dienste an Soziale Netzwerke gekoppelt sind. Für viele Nutzer/innen ist es mittlerweile Routine geworden, ihre absolvierten Laufkilometer auf Facebook zu teilen. Derartige Daten sind von Herstellern und der Werbeindustrie heiß begehrt – schließlich sagen sie viel über Trainierende, deren Gesundheitszustand und Gewohnheiten aus. Nutzer/innen sollten weiters bedanken, dass GPS-fähige Geräte zusätzlich Positions- und Standortdaten sammeln.


Unternehmen schlagen Kapital aus Lebensdaten

Das Teilen von Daten sowie deren wechselseitiger Austausch sind zentrale Aspekte der Self-Tracking-Bewegung. Dennoch sollten sich Nutzer/innen bewusst machen, dass sie mit der Verwendung von Fitness-Armbändern & Co. eine große Menge an persönlichen Daten von sich preisgeben. Unklar ist oft, wie gut diese sensiblen Informationen von den Anbietern geschützt werden und wer tatsächlich Einblick in persönliche Fitness- und Gesundheitsdaten hat. Die Gefahr von Missbrauch ist jedenfalls gegeben, die möglichen Folgen sind derzeit noch schwer abschätzbar.

Während die Nutzung von Fitnessdaten für personalisierte Werbung noch harmlos erscheint, integrieren manche US-Unternehmen Fitness-Armbändern schon seit Längerem in die betriebliche Gesundheitsvorsorge für ihre Mitarbeiter/innen. Das Ziel: Verringerung der Krankenstände und Senkung der Gesundheitskosten. Wearables und Self-Tracking-Apps spielen aber auch in den Programmen amerikanischer Versicherungsunternehmen eine immer wichtigere Rolle: So erhalten teilnehmende Kund/innen etwa beim Erreichen von bestimmten Fitness-Zielen Belohnungen und Vergünstigungen. Vor Kurzem verlangte auch das erste europäische Versicherungsunternehmen Einsicht in den „getrackten“ Gesundheitszustand seiner Kund/innen.


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