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Ständig on: Wenn es ohne Smartphone nicht mehr geht

11.12.2014

WhatsApp, Facebook, E-Mails: Der Dauerblick auf das Handy ist bei Jugendlichen wie Erwachsenen weit verbreitet. Ständige Erreichbarkeit kann aber schnell aus dem Ruder laufen. Wir klären auf, ab wann man sich Sorgen machen sollte.

Die ständige Beschäftigung mit dem Smartphone ist für viele Jugendliche und Erwachsene selbstverständlich. (CC) Jürg Stuker_Flickr.com

Für viele Smartphone-Nutzer/innen ist er ganz normal geworden: der ständige Griff nach dem Handy. Für viele beginnt der Tag mit einem Blick auf Facebook, WhatsApp, E-Mail & Co, um zu checken, was es Neues gibt – oft noch bevor das Bett verlassen wird. Den Tag über geht es oft so weiter, bis der letzte Blick vor dem Einschlafen auch wieder dem Smartphone gilt. Nicht von ungefähr wird immer häufiger die Frage diskutiert, wo verantwortungsvolle Handynutzung aufhört und Sucht beginnt. Kurz: Was ist noch „normal?“ Eine eindeutige Antwort kann jedenfalls nicht so einfach gegeben werden.


Handy-Check alle siebeneinhalb Minuten

Einer aktuellen Studie der Universität Bonn zufolge nutzen Menschen ihr Smartphone durchschnittlich drei Stunden pro Tag. Davon werden 35 Minuten mit dem Messenger-Dienst WhatsApp verbracht, 15 Minuten im Sozialen Netzwerk Facebook, weitere 5 Minuten entfallen auf die Foto-App Instagram und eine halbe Stunde wird für Spiele genutzt. Lediglich zehn Minuten pro Tag wird das Smartphone zum Telefonieren verwendet, auch das Schreiben von SMS nimmt kaum noch Zeit in Anspruch. Das Handy wird im Durchschnitt täglich 135 Mal gezückt – das bedeutet, dass alle siebeneinhalb Minuten das Handy „gecheckt“ wird (bei einer Schlafphase von acht Stunden)! Gemessen wurden Häufigkeit und Dauer der Handynutzung von den Bonner Forscher/innen mithilfe einer eigens entwickelten App, die die Aktivitäten am Gerät im Hintergrund protokolliert.


Exzessive Nutzung ist nicht gleich Sucht

Die gute Nachricht vorweg: Auch wenn das Smartphone exzessiv genutzt wird, sind nur die wenigsten Menschen krankhaft süchtig. Sucht ist eine Krankheit, keine schlechte Angewohnheit oder Inkonsequenz im eigenen Verhalten. Ausschlaggebend für eine Sucht sind weniger Häufigkeit und Dauer der Nutzung, als die eigentlichen Beweggründe für die ständige Beschäftigung mit dem Mobiltelefon. Unter Jugendlichen hat sich etwa für das Bedürfnis, ständig online sein zu müssen und sich auf dem Laufenden zu halten, der Begriff „FOMO - Fear of Missing Out“etabliert (in etwa: „Angst, etwas zu verpassen“). Diese Angst wird durch Smartphones und Soziale Netzwerke verstärkt, stellt aber kein Krankheitsbild dar.


Mögliche Symptome für Handysucht

Berechtigt sind die Sorgen um eine etwaige Handysucht jedenfalls, wenn bei einem selbst bzw. bei Freund/innen oder Familienmitgliedern folgende Symptome beobachtet werden können:

  • Nichts anderes geht mehr: Der Großteil des Tages wird mit dem Handy verbracht, die Gedanken kreisen ständig darum. Freund/innen, Familie, Schule oder Arbeit kommen zu kurz.

  • Kontrollverlust: Süchtige haben schon öfters versucht, weniger Zeit im Internet bzw. mit dem Handy zu verbringen, aber es gelingt einfach nicht. Die Betroffenen sind sich durchaus bewusst ist, dass es eigentlich zu viel ist.

  • Toleranzentwicklung: Die „Dosis“ muss gesteigert werden, das bedeutet die Beschäftigung mit Handy und Internet muss entweder ausgeweitet oder – wenn das nicht mehr möglich ist – intensiviert werden.

  • Entzugserscheinungen: Befindet sich das Handy einmal nicht in Reichweite, darf an einem bestimmten Ort nicht benutzt werden oder hat keinen Empfang, treten klassische Entzugserscheinungen wie Unruhe, Nervosität, Unzufriedenheit, Gereiztheit, Aggressivität und psychisches Verlangen (Craving) auf.

  • Negative soziale Folgen: Die Handysucht führt zu Konflikten in der Familie, Schule, beim Arbeitgeber etc. In diesen Fällen sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.


Einfach mal abschalten

Auch wenn keine „richtige“ Sucht vorliegt, kann die ständige Handynutzung negative Auswirkungen auf das Sozialleben oder die beruflichen bzw. schulischen Leistungen haben. Manchmal nervt die dauernde Nachrichtenflut aber auch einfach nur. Es ist okay, nicht ständig „on“ zu sein – machen Sie bei Gelegenheit den Selbsttest und versuchen Sie, in bestimmten Situationen bewusst auf den Griff zum Smartphone zu verzichten:

  • Besorgen Sie sich einen Wecker. Dann ist das Handy nicht das Erste, das Sie nach dem Aufwachen in der Hand halten.

  • Tragen Sie eine Armbanduhr. Falls Sie die Uhrzeit wissen wollen, entfällt in diesem Fall Ihr Blick auf das Handgelenk statt auf das Mobiltelefon.

  • Treffen mit Freund/innen handyfrei gestalten. Bei Restaurantbesuchen kann zu diesem Zweck der sogenannte „Handyturm“ hilfreich sein: Vereinbaren sie, dass alle ihr Smartphone auf lautlos stellen und in einem Stapel übereinander legen. Wer als Erstes nach seinem Smartphone greift, muss die nächste Runde bezahlen.

  • Stellen Sie sich selbst kleine Aufgaben. Belohnen Sie sich, wenn Sie es schaffen, z.B. WhatsApp einen halben Tag nicht zu öffnen oder Ihre E-Mails erst zu einem bestimmten Zeitpunkt abzurufen.

  • Deaktivieren Sie Push-Nachrichten. Stellen Sie z.B. Ihre E-Mail-App so ein, dass neue Nachrichten nicht automatisch in der Statusleiste angezeigt werden.


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