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Studie: Kommerzielle digitale Überwachung im Alltag

20.11.2014

Eine neue Studie im Auftrag der AK beschäftigt sich mit kommerzieller digitaler Überwachung im Alltag. Großzügige Einblicke in persönliche Daten bieten Nährboden für Datenmissbrauch und Cyber-Kriminalität.

Eine aktuelle Studie zeigt die Risiken von kommerzieller digitaler Überwachung auf. (cc) Neerav Bhatt/Flickr.com

Moderne Technologien ermöglichen es, dass Informationen über jeden Einzelnen digital gespeichert und verwertet werden. Dabei wird das Datenschutzgesetz außer Acht gelassen, denn „(g)emacht wird, was technisch möglich ist“, heißt es in der aktuellen Studie zur kommerziellen Überwachung im Alltag von Cracked Labs.  


Preisgegebene Informationen durch Facebook-Likes

Alleine durch das Klicken des „Gefällt mir“-Buttons auf Facebook ist es möglich, auf persönliche Eigenschaften und Interessen von Nutzer/innen zu schließen. So zum Beispiel auf das Alter, die politische Einstellung oder den Beziehungsstatus. Vergleichbares geschieht bereits durch das Analysieren von unbekannten Website-Besucher/-innen. Selbst zukünftiges Verhalten wird vorhersehbar: „Aus einer Analyse der Verbindungen auf Sozialen Netzwerken lässt sich nicht nur abschätzen, wer davon in einer romantischen Beziehung ist. Es lässt sich sogar die Wahrscheinlichkeit einer Trennung innerhalb der nächsten zwei Monate vorhersagen.“


Unterschiedliche Nutzer/innen, unterschiedliche Preise

Online-Shops werten persönliche Informationen aus, um ihren Kund/innen unterschiedliche Preise zu verrechnen. Dabei wird auf das Verhalten im Internet geachtet, Hinweise über das verwendete Endgerät, den verwendeten Web-Browser eingeholt und der Standort abgefragt. Die Auswertung dieser Merkmale kann bereits zu einem Preisunterschied in Höhe von 166 Prozent führen.  


Datensammlung durch Smartphones

Die Alleskönner unter den mobilen Endgeräten lassen größtmögliche Einblicke in den Alltag ihrer Benutzer/innen zu: „71 Prozent der kostenlosen Android-Apps und 32 Prozent der kostenlosen iOS-Apps übertragen persönliche Daten an Werbenetzwerke, mehr als die Hälfte greift auf sensible Informationen wie Standort-Daten zu.“ Das geschieht oftmals ohne konkreten Nutzen für die Anwendung. Aus diesem Grund darf es nicht weiter verwundern, dass 59 Prozent aller Apps als kritisch einzustufen sind und den/die Endkunden/in nur in unzureichendem Ausmaß über ihre Sammelwut informieren.


Überall Überwachung

Nach den hier geschilderten Beispielen verwundert es nicht, dass Daten gesammelt und verwertet werden, wo es technisch möglich ist. Das reicht von der Bonitätsbewertung mit Online-Daten bis zu Personalentscheidungen bei Bewerbungen und dem Handel mit persönlichen Informationen. Jeder einzelne Klick führt dazu, dass Unternehmen mehr über den/die Einzelne/n erfahren und versuchen, aus diesen Kenntnissen Kapital zu schlagen. Die Datengewinnung von Personen lässt sich nur sehr schwer nachvollziehen und wird in viel zu geringem Ausmaß nach außen hin kommuniziert. Dabei kommt es zu einer Verwertung persönlicher Informationen in Bereichen, die dafür niemals vorgesehen waren.


Nährboden für Verbrechen

Überall dort, wo der/die Einzelne Informationen von sich preisgibt, ist es für Verbrecher/innen attraktiv, zu versuchen, an diese Daten heranzukommen. Diese können es ihnen ermöglichen, die Identität ihrer Opfer zu stehlen oder die vorgefundenen Hinweise über diese zu nutzen, um betrügerische Attacken zu starten und sich zu bereichern.


Die vollständige Studie finden Sie hier: 
Kommerzielle digitale Überwachung im Alltag. Studie im Auftrag der Bundesarbeitskammer von Wolfie Christl – Cracked Labs – Institut für Kritische Digitale Kultur (pdf, 1.53 MB)


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