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Tipps für Lehrende: Mit WhatsApp in der Schule kompetent umgehen

08.09.2016

WhatsApp ist für die Kommunikation unter Kindern und Jugendlichen unglaublich wichtig geworden. Das führt auch in der Schule oft zu Konflikten. Wir geben Tipps für den kompetenten Umgang mit WhatsApp im Schulalltag.

WhatsApp in der Schule muss nicht unbedingt Störfaktor sein, sondern kann auch als Chance begrifffen werden.

WhatsApp in der Schule muss nicht unbedingt Störfaktor sein, sondern kann auch als Chance begrifffen werden. Bild lizenziert unter CC0 Public Domain

Keine Frage – WhatsApp steht bei Kindern und Jugendlichen ganz hoch im Kurs: Laut Jugend-Internet-Monitor nutzen in Österreich bereits 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen regelmäßig den Platzhirsch unter den Messengern. Junge Nutzer/innen bekommen oft mehrere hundert WhatsApp-Nachrichten pro Tag – das sorgt auch in der Schule für Konflikte.

Wir zeigen, wie  Lehrende mit dem „WhatsApp-Wahnsinn“ in der Schule kompetent umgehen können.


Warum spielt WhatsApp so eine große Rolle?

Auch wenn Erwachsene es nicht immer nachvollziehen können: WhatsApp ist für die Kommunikation unter Kindern und Jugendlichen unglaublich wichtig geworden. Die Nachrichten sind fester Bestandteil des Alltags und begleiten Teenager oft von früh bis spät. Der Messenger dient Kindern nicht nur zum Austausch von Informationen, sondern spielt auch für die Gruppendynamik in der Klasse eine fundamentale Rolle


Gruppenbildungsprozesse über WhatsApp

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Wer WhatsApp nicht nutzt oder kein Mitglied in der Klassengruppe ist, bleibt schnell außen vor. Das gilt vor allem in neuen Situationen, wenn Kinder erst ihren Platz im Gruppengefüge finden müssen – etwa zu Schulbeginn oder in einer neuen Klasse. Die Storming-Phase der Klassenbildung findet sich somit auch in WhatsApp wieder. Vor allem in den ersten Klassen werden dabei unzählige Gruppen angelegt. Eine Anregung für den Unterricht: Geben Sie Ihren Schüler/innen als Hausaufgabe, nicht mehr genutzte WhatsApp-Gruppen zu löschen.


Bald stellt sich „Sättigung“ ein

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Die gute Nachricht: Diese erste Phase geht schnell vorüber, denn: Auch die Kinder selbst sind mit hunderten Nachrichten in dutzenden Gruppen. überfordert. Es beginnt der Prozess der Konsolidierung. Bald sind die Schüler/innen nur noch in wenigen Gruppen aktiv. Übrig bleiben meist eine Klassengruppe zum Austausch über Hausaufgaben und Teststoff sowie eine „Spaßgruppe”, die bei Langeweile genutzt wird. Je nach Interessen der Kinder gesellen sich manchmal noch Spezialgruppen dazu, z.B. für Minecraft-Spieler/innen oder reine Mädchengruppen.


Ist WhatsApp sicher?

WhatsApp steht immer wieder wegen Sicherheitslücken in der Kritik, hat aber im April 2016 beim Datenschutz ordentlich nachgebessert: Seitdem werden standardmäßig alle über WhatsApp verschickten Inhalte (Nachrichten, Fotos, Videos, Dateien, ...) mit einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung übertragen. Das bedeutet, dass nur der/die Sender/in sowie der/die Empfänger/in diese Inhalte lesen können. Voraussetzung: Alle Kommunikationspartner/innen (z.B. in einer WhatsApp-Gruppe) verwenden eine aktuelle Version. Allerdings wirft die Anpassung der Nutzungsbedingungen im August 2016 wieder neue Fragen und Unsicherheiten auf – erstmals teilt WhatsApp gewisse Nutzer/innen-Daten mit dem Mutterkonzern Facebook. Allerdings: Es muss ja nicht immer WhatsApp sein – mittlerweile gibt es schon einige empfehlenswerte Alternativen zu WhatsApp.


Ab welchem Alter darf WhatsApp genutzt werden?

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In den neuen Nutzungsbedingungen wurde das Mindestalter von 16 auf 13 Jahre gesenkt – wobei WhatsApp klarmacht, dass je nach Herkunftsland auch andere Altersbeschränkungen gelten können. Welches Mindestalter damit in Österreich gilt ist rechtlich nicht ganz eindeutig – vermutlich müssen Jugendliche zumindest 14 Jahre alt sein. Diese Regelung ist aber in der Praxis nicht relevant, wenn die Eltern jüngerer Kinder der Nutzung zustimmen. Umso wichtiger ist es daher für den Einsatz von WhatsApp im Schulkontext, das Einverständnis der Erziehungsberechtigten einzuholen (siehe weiter unten).


Tipps für Lehrende

  • Unterstützen statt verteufeln. Lehrende können Ihre Schützlinge in diesen ersten „WhatsApp-Phasen” aktiv unterstützen. Machen Sie sich bewusst: Ob mit Unterstützung oder ohne – WhatsApp wird auf jeden Fall genutzt!

  • Nutzung reflektieren und Regeln aufstellen. Es macht sicherlich Sinn, die Nutzung einer Klassengruppe mit den Schüler/innen zu diskutieren und entsprechende Regeln aufzustellen: 

    - Welche Gruppen haben wir?
    - Warum werden welche Gruppen gegründet?
    - Wer ist für welche Gruppen verantwortlich?
    - Welche Regeln haben wir? Welche sollten wir darüber hinaus haben?
    - Was tun, wenn ich bemerke, dass jemand in der Gruppe fertiggemacht wird?

    Halten Sie die besprochenen Punkte in einer schriftlichen Vereinbarung fest, die die Schüler/innen unterzeichnen. Legen Sie diese Vereinbarung am besten auch den Eltern vor. Erklären Sie darin, wie die WhatsApp-Gruppe(n) genutzt werden sollen und welcher pädagogische Nutzen dahintersteht.

  • Moderator/innen bestimmen. Legen Sie gemeinsam fest, welche Schüler/innen die Rolle des Moderators/der Moderatorin übernehmen und wie diese sich im „Krisenfall” verhalten sollen. Wenn sich Gruppenmitglieder im Ton vergreifen, stören oder auf andere losgehen, müssen die Moderator/innen sie eingreifen und im äußersten Fall die Person aus der Gruppe entfernen.

  • Bei Cyber-Mobbing reagieren. Wird ein Cyber-Mobbing-Vorfall bekannt, so muss die Schule – die Schulleitung oder der Klassenvorstand/die Klassenvorständin – sofort Stellung beziehen! Machen Sie den Schüler/innen unmissverständlich klar, dass Derartiges in dieser Schule nicht geduldet wird. Hier finden Sie weitere Tipps zu Cyber-Mobbing in der Schule

  • Gemeinsame WhatsApp-Gruppe mit Schüler/innen? Besonders Klassenvorstände überlegen oft, eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe mit ihren Schüler/innen zu starten. Solche Gruppen haben viele Vorteile, so lässt etwa die Kommunikation in der Gruppe einen Rückschluss auf das Klassenklima zu. Achten Sie darauf, keine Schüler/innen auszuschließen, z.B. weil diese WhatsApp gar nicht nutzen. Bedenken Sie auch, dass Ihre Schüler/innen durch die WhatsApp-Gruppe ihre (private) Handynummer kennen – das kann manchmal grenzüberschreitend sein. Hier finden Sie viele Ideen für den Einsatz von WhatsApp im Unterricht.

  • Gemeinsame WhatsApp-Gruppe mit Eltern? Auch gemeinsame WhatsApp-Gruppen mit Lehrenden und Eltern sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Machen Sie sich auch hier bei allen Vorteilen bewusst, dass Eltern ihre diese Kommunikationsmöglichkeit zu intensiv nutzen könntent und Sie z.B. am Handy anrufen.


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