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Warum Kettenbriefe in WhatsApp Kindern Angst machen

18.12.2014

Meist werden in WhatsApp nur harmlose Scherze massenhaft geteilt – manchmal beinhalten Kettenbriefe aber auch Todesdrohungen oder andere Gruselgeschichten. Wir geben Tipps, wie Eltern ihre Kinder bei Ängsten unterstützen können.

In einer verstörenden WhatsApp-Audionachricht droht eine Computerstimme: „Wenn du es nicht weiterschickst, wirst du morgen nicht mehr leben!” Bild: Saferinternet.at

Kettenbriefe waren schon ein Übel, als sie noch mit der Post kamen. Als E-Mail-Version waren und sind sie genauso lästig und teilweise sogar gefährlich (Viren). Immer häufiger werden Kettenbriefe auch über den Messenger-Dienst WhatsApp versendet. Durch die einfache Art des Teilens verbreiten sich die Kettenbriefe innerhalb des Netzwerks wie ein Lauffeuer.

Das „ungeschriebene Gesetz“ hinter diesen Massensendungen: Wer einen Kettenbrief erhält, muss diesen binnen kurzer Zeit an eine gewisse Anzahl an Personen weiterleiten. Die Kette darf nie abreißen, denn sonst droht angeblich großes Unheil. Kettenbriefe sind jedoch grundsätzlich immer Hoaxes. Ein Hoax ist eine Falschnachricht im Internet, die absichtlich als solche in Umlauf gebracht wurde.

Todesdrohungen sorgen für Angst und Schrecken

Manche Kettenbriefe sind ganz lustig oder originell, zunehmend wird darüber aber auch Angst und Schrecken verbreitet. Zum Beispiel wird in einer verstörenden WhatsApp-Audionachricht von einer Computerstimme behauptet, dass der/die Empfänger/in stirbt, wenn er/sie die Nachricht nicht sofort an 20 Kontakte weiterschickt. „Wenn du es nicht weiterschickst, wirst du morgen nicht mehr leben”, heißt es in der Audionachricht. Angeblich sei schon eine Person umgebracht worden, welche die Nachricht nicht weitergeleitet hat, sie „schrie um ihr Leben“, so die Computerstimme weiter. Schließlich wird auch mit Mord an der Mutter gedroht, auch hier sei bereits eine Person ermordet worden, die die Warnung ignoriert hat.

Während Erwachsene diese Drohung vermutlich als üblen Scherz erkennen, können viele Kinder und Jugendliche diese Nachricht nicht immer als Fake einordnen. Sie ängstigen sich wirklich davor und wissen nicht, wie sie reagieren sollen.

Weitere aktuelle Kettenbrief-Beispiele

  • Der „Clarissa-Kettenbrief“:

WARNUNG! Weiterlesen! Oder du wirst sterben, selbst wenn du nur das Wort Warnung betrachtest. Es war einmal, ein kleines Mädchen namens Clarissa. Sie war zehn Jahre alt als sie in eine Psychiatrie eingewiesen wurde. Sie hatte ihre Eltern getötet. Doch nichts konnte sie aufhalten. Sie brachte alle Mitarbeiter in der Psychiatrie um, sodass die Regierung beschloss sie nunmehr loszuwerden. In einem speziell eingerichtetem Raum versuchten sie sie zu töten, so menschlich es ging. Aber es ging schief. Irgendwas war mit der Maschine nicht in Ordnung. Und so saß sie dort in Agonie, stundenlang. Bis sie starb. Wer diesen Brief liest wird am Montag um 12:00 von ihr besucht. Sie kriecht in dein Zimmer und schneidet deine Kehle durch. Du wirst schmerzhaft verbluten. Wie sie selbst. Sende diesen Text an 10 andere Bilder auf dieser Webseite, und sie wird dich nicht verfolgen. Das wird nicht deine schlechteste Entscheidung sein. Wenn du es innerhalb von 10min 10x kopierst und unter anderen Bildern einfügst, dann wird morgen der beste Tag deines Lebens. Du wirst entweder geküsst oder einfach nur glücklich sein. Wenn du diese Kette unterbrichst, wirst du heute Abend in deinem Zimmer ein kleines totes Mädchen sehen.BEEIL DICHL

  • Der „Gehäutete Eltern”-Kettenbrief:



(Danke an Mimikama für den Screenshot.)

  • Der „WhatsApp wird kostenpflichtig”-Kettenbrief:

Kettenbriefe, die vor WhatsApp-Gebühren warnen, tauchen immer wieder in neuen Variationen auf – der Wahrheitsgehalt ist bei allen Null.


Echt oder Fake?

Ist man unsicher, ob eine Nachricht echt ist oder nicht, hilft es, Auszüge aus der Nachricht in Suchmaschinen einzugeben – meist lässt sich ein Schwindel so sehr schnell entlarven. Empfehlenswert ist es auch, die News von z.B. Watchlist Internet oder Mimikama zu abonnieren, um über aktuelle Internet-Fälschungen auf dem Laufenden zu sein. Das Saferinternet.at-Unterrichtsmaterial „Wahr oder falsch im Internet?" hilft Kindern und Jugendlichen beim Erlernen und Üben von Informationskompetenz im Netz. Die Broschüre gibt u.a. auch hilfreiche Tipps, wie Falschnachrichten im Internet entlarvt werden können.

Tipps, wie Eltern mit ihren Kindern über Kettenbriefe reden können

  • Sprechen Sie das Thema von sich aus an und erklären Sie, was Kettenbriefe sind. Kindern ist oft nicht bewusst, was hinter Kettenbriefen steckt und dass die darin beschriebenen „Gefahren“ nichts mit der Realität zu tun haben.

  • Nehmen Sie die Ängste Ihres Kindes ernst! Wenn ein Kind sich Sorgen macht, dass es selbst oder eine nahestehende Person sterben könnte, weil es eine Nachricht nicht weitergeschickt hat, dann sind diese Sorgen ganz real und oft auch sehr mächtig. Nicht immer ist es einfach, diese irrationalen Ängste mit vernüftigen Argumenten zu entkräften. Vielleicht hilft es aber, Geschichten aus der eigenen Vergangenheit zu erzählen, schließlich war jede/r von uns in der eigenen Kindheit/Jugend mit Kettenbriefen (wenn auch über andere Medien) konfrontiert. Auch wenn wir diese Briefe nicht weitergeschickt haben, ist uns deshalb kein Unglück widerfahren.

  • Diskutieren Sie mit Ihrem Kind, welche Kettenbriefe weitergeschickt werden können – und welche nicht. Nicht alle Kettenbriefe sind bedrohlich bzw. bedenklich, manche sind einfach auch nur nett! Gehen Sie gemeinsam die Kettenbriefe durch, die Ihr Kind in WhatsApp sicherlich zahlreich versammelt hat. Besprechen Sie unter Umständen jeden einzelnen Kettenbrief miteinander. Üben Sie mit Ihrem Kind, „gruselige“ Kettenbriefe nicht weiterzuschicken, um nicht noch weitere Kinder unnötig zu ängstigen. Kettenbriefe mit unangenehmen Inhalten einfach gleich löschen!

  • Machen Sie Ihrem Kind immer wieder klar, das nichts Schlimmes passiert, wenn man einen Kettenbrief nicht weiterschickt. Wenn Sie Ihr Kind begleiten, wird es im Laufe der Zeit die Sicherheit gewinnen, dass die in Kettenbriefen angedrohten Gefahren nicht real sind.

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