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Wunschtraum: Facebook-Star!

10.06.2014

Einmal berühmt sein, und sei es nur für einen kurzen Moment – das wünschen sich viele. Soziale Netzwerke bieten hier vermeintlich tolle Möglichkeiten. Welche Folgen das ganze haben kann, ist manchen jedoch nicht bewusst.

Einmal Facebook-Star sein – das wünschen sich viele Jugendliche. Die erhoffte Berühmtheit gibt es nicht, dafür möglicherweise allerhand Probleme.

Nicht erst seit Andy Warhol ist es den Menschen ein Anliegen, zumindest für eine kurze Zeitspanne berühmt zu werden. Soziale Netzwerke machen die Sache unbestritten ein wenig leichter. Mit ein paar Klicks findet sich die richtige Gruppe, ein auffälliges Foto ist schnell gepostet und schon ist man in vieler Munde. „Du bist Hübsch? Zeig dich! und werde ein Facebookstar“ heißt da zum Beispiel eine Gruppe, dessen Name es schon auf den Punkt bringt. Dass sich viele dieser „Mutprobe“ stellen und ein sorgfältig erschaffenes Foto einstellen, liegt auf der Hand. Nun kommt es auf die Gunst der User/innen an: Wie viele „Gefällt mir“ staubt das Foto ab? Was steht in den Kommentaren? Ob positiv oder negativ ist dabei nebensächlich – Hauptsache man ist im Gespräch!

Likes als Glücksmotor

Die „Facebook-Show“ läuft in der Regel öffentlich – den meisten Teilnehmer/innen ist das auch bewusst. Sie nehmen es einfach in Kauf, im Tausch gegen möglichst viele Likes und ein klein wenig Ruhm. Und die Kommentare werden schon nicht so schlimm sein ... Echte Berühmtheit oder auch nur halbwegs die Chance auf eine Modelkarriere, wie auf den Seiten manchmal versprochen wird, gibt es freilich nicht. Und trotzdem fühlen sich vor allem (jüngere) Teenies magisch davon angezogen, sich im Netz selbst zu vermarkten. Mädchen genauso wie Burschen.

Pädophile, Neider, Lästermäuler

Ein Problem, das die minderjährigen „Selbstvermarkter“ jedoch nicht bedenken: Nur in den seltensten Fällen bleiben die eingestellten Fotos in den ursprünglichen Facebook-Gruppen! Für Menschen, die etwa auf der Suche nach kinderpornografischem Material sind, gleichen solche Gruppen einem Eldorado. Binnen weniger Tage kann es ein Foto einer halbnackten 13-Jährigen so zwar um die Welt „schaffen“, jedoch in einem kaum erwünschten Kontext. Auch Cyber-Grooming (= die Anbahnung eines sexuellen Missbrauchs über das Internet) oder Cyber-Mobbing durch z.B. Mitschüler/innen können unangenehme und teilweise auch gefährliche Nebeneffekte sein.

Die Mutprobe ist wichtiger als alle Bedenken

Auch wenn Jugendliche prinzipiell ihr Online-Verhalten reflektieren und die Risiken kennen, überwiegt oft dann doch die „Mutprobe“. „Privacy Paradox“ nennt man dieses Phänomen, bei dem Jugendliche sich selbstgefährdend verhalten, obwohl sie es eigentlich besser wissen (müssten).

ZDDK hat zu diesem Thema einen ausführlichen Artikel verfasst: Wenn Minderjährige sich selbst zu Models ernennen – Facebooks problematische Teenseiten

Was tun, wenn das eigene Kind auf solchen Seiten postet?

  • Flippen Sie nicht sofort aus! Besprechen Sie mit ihrem Kind einigermaßen gelassen, welche unangenehmen Folgen die öffentliche Selbstinszenierung im Internet haben könnte. Bedenken Sie, es KANN so eintreten, es MUSS  aber nicht sein.

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind das Bild löscht! Sollte Ihr Kind bereits von einem anderen User getaggt worden sein, wirkt sich die Löschung u.U. nur auf die eigene Timeline aus. Testen Sie also, ob das Bild auch in anderen Accounts verschwunden ist. Können Sie das Bild nicht löschen, wenden Sie sich an 147 Rat auf Draht. Die Kolleg/innen können eventuell helfen, dass das Foto von Facebook verschwindet.

  • Beprechen Sie mit ihrem Kind die Kommentare, die unter dem Bild gepostet wurden! Welche Postings würde Sie verletzen, welche verletzen ihr Kind tatsächlich? Bedenken Sie bei solchen Gesprächen, dass Ihr Kind wohl nicht alles zugeben wird, denn vor Eltern will man sich keine Blöße geben. Bedenken Sie auch, dass Kinder und Erwachsene hier oft ganz andere Reizschwellen haben. Sollte Ihr Kind selbst untergriffige Kommentare gepostet haben, so machen Sie ihm klar, dass es sich dabei um ein strafrechtliches Vergehen handeln könnte.

  • Geben Sie Ihrem Kind Zeit! Lassen Sie ein wenig Gras über die Sache wachsen und thematisieren Sie zu einem späteren Zeitpunkt, wie man sich gelungen im Internet präsentieren kann. Zum Beispiel mit besonderen Leistungen.


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