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Mehr Schutz für Jugendliche bei sexueller Belästigung im Netz

Kinder und Jugendliche stoßen im Umgang mit sexueller Gewalt im Internet immer wieder auf Hürden und Unverständnis. Das belegt eine aktuelle Analyse von 600 Beratungsprotokollen der Helpline Rat auf Draht. SOS-Kinderdorf, Rat auf Draht und Saferinternet.at fordern konkrete Schutzmaßnahmen.

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TIPPS für Eltern und Bezugspersonen (PDF)


Bereits 2018 hat eine von SOS-Kinderdorf beauftragte Studie gezeigt, dass fast 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen von sexueller Gewalt im Internet betroffen sind. Im Rahmen des EU-Projekts #besafeonline wurden nun 600 anonyme Protokolle der Beratungsstelle Rat auf Draht ausgewertet, um die Herausforderungen für Kinder und Jugendliche im digitalen Alltag besser zu verstehen und sinnvolle Maßnahmen abzuleiten.

Sexuelle Gewalt sieht nicht immer gleich aus

„Sexuelle Belästigung im Internet kennt viele Formen“, sagt Marlena Koppendorfer, psychologische Beraterin bei Rat auf Draht. „Jugendliche, die sich bei uns melden, berichten von anzüglichen Fragen, Links zu Pornoseiten oder auch von sexuellen Beschimpfungen. In rund einem Drittel der Beratungen zum Thema digitale Medien haben Jugendliche Fragen zum Umgang mit Nacktfotos“, so Koppendorfer. Dabei sei wichtig festzuhalten, dass es häufig zu einer TäterInnen-Opfer-Umkehr kommt, also den Opfern anstatt den TäterInnen die Schuld zugeschrieben wird. Der einvernehmliche Austausch von intimen Fotos ist aber vom Gesetz klar erlaubt. Jugendliche haben ein Recht auf selbstbestimmte Sexualität. Nicht erlaubt ist es, Nacktfotos anderer weiterzugeben oder zu veröffentlichen.

Jugendliche stoßen auf immer gleiche Hürden

Matthias Jax von Saferinternet.at hat mit seinem Team rund 600 Beratungsprotokolle von Rat auf Draht ausgewertet. Das Ergebnis: Immer wieder sind es die gleichen Hürden, auf die Kinder und Jugendliche stoßen, die mit sexueller Belästigung im Netz konfrontiert werden. „Die Probleme sind teils technischer Natur, etwa wenn es sich als schwierig erweist, Fake-Konten, von denen Belästigung ausgeht, löschen zu lassen. Des Weiteren stehen Betroffene vor rechtlichen Hürden, wenn es darum geht, strafbares Verhalten zu verfolgen, und vor sozialen Hürden wie Gruppendruck und Schamgefühl“, erklärt Jax. Ein großes Problem sei auch, dass sich Jugendliche oft zu spät Hilfe suchen. „Supportgruppen wie Eltern, LehrerInnen und der Polizei fehlt es oft an notwendigem Wissen, um die jungen Menschen bei ihren Erfahrungen im Netz unterstützend zu begleiten.“

Politik dringend gefordert

„Kinder und Jugendliche, die im Internet mit sexueller Gewalt konfrontiert sind, werden mit ihren Problemen viel zu oft alleine gelassen“, sagt Katrin Grabner, Kinderrechtsexpertin bei SOS-Kinderdorf. „Die Seitenbetreiber sind gefordert, BelästigerInnen effektiver zu blockieren und Lösch- und Meldemöglichkeiten zu verbessern“, so Grabner. Außerdem sei eine effektivere Strafverfolgung von sexueller Belästigung Minderjähriger über digitale Medien dringend notwendig: „Es braucht eine rechtliche Handhabe gegen ein unerwünschtes Zusenden von Dick Pics und die Verbreitung intimer Fotos.“

Auch die Schulen müssten mehr zur Gewaltprävention beitragen: „Damit junge Menschen zu selbstbestimmten Userinnen und Usern heranwachsen, braucht es eine umfassende Aufklärung über sexuelle Belästigung und Gewalt im Netz durch eine moderne Medienerziehung. Im ersten Schritt sind ausreichend Ressourcen für die digitale Grundbildung der SchülerInnen sowie die Aus- und Fortbildung digital kompetenter PädagogInnen nötig. Außerdem braucht es verpflichtende Gewaltpräventionskonzepte sowie einen Ausbau der Schulsozialarbeit und Schulpsychologie.“

Wie schütze ich mein Kind?

Der beste Schutz für Kinder und Jugendliche sind offene Gespräche. Eltern sollten die rechtliche Situation erklären, anstatt aus Sorge Verbote und Bewertungen auszusprechen. „Kinder und Jugendliche müssen wissen, dass es im Netz Menschen gibt, die einem nichts Nettes wollen. Sie sollten bestärkt werden, sich Hilfe zu holen, wenn sie sich unwohl fühlen oder bedrängt werden. Das kann nur gelingen, wenn ihnen Erwachsene keine Schuldgefühle vermitteln, sondern unterstützend zur Seite stehen“, so Koppendorfer. Rat auf Draht hat unter https://www.rataufdraht.at/eltern/sexuelle-gewalt-im-internet konkrete Tipps dazu.

Bei Rat auf Draht bekommen Betroffene unter der Nummer 147 rund um die Uhr kostenlos und anonym Unterstützung. Weitere Tipps für den sicheren Umgang mit dem Internet gibt es unter www.saferinternet.at.

Über das Projekt

Das EU-Projekt #besafeonline setzt sich für die Schaffung eines kinderfreundlichen digitalen Raums ein. Kinder und Jugendliche sollen befähigt und unterstützt werden, sich selbst und Gleichaltrige vor Online-Belästigung und sexueller Gewalt zu schützen und darauf zu reagieren. Das Projekt wird umgesetzt von SOS-Kinderdorf, Rat auf Draht und dem Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation / Saferinternet.at.
www.sos-kinderdorf.at/besafeonline

Rückfragen

Rückfragen: SOS-Kinderdorf/Presse, anna.radl@sos-kinderdorf.at, T.: 0676/88144124