Sexualität & Internet

Sexualität & Internet

Auch wenn man oft Gegenteiliges hört: Die Sexualität junger Menschen hat sich in ihren Grundsätzen in den letzten Jahrzehnten kaum verändert (Alter beim „Ersten Mal“, Werte in einer Beziehung ...). Dennoch haben digitale Medien großen Einfluss auf die sexuelle Entwicklung von Heranwachsenden, was gleichzeitig eine Herausforderung darstellt: Einerseits finden Jugendliche im Netz schnelle Antworten auf brennende Fragen, andererseits ist der leichte Zugang zu (mitunter auch sehr extremem) pornografischem Material nicht immer positiv. Eng mit diesem Thema verknüpft ist auch der Bereich „sexuelle Gewalt“ mit neuen Formen der Belästigung wie etwa „Grooming“, „Sexting“ usw.

Erfahren Sie hier, was Eltern (aber auch Lehrer/innen) über Sex & Internet wissen sollten und wo Sie sich Unterstützung holen können. Die 10 Tipps für den Erziehungsalltag geben Ihnen einen schnellen Überblick.

FAQ - Häufige Fragen und Antworten

Gewalt- und Pornokonsum

Was fasziniert Jugendliche an Gewalt- und Pornovideos?

Gewalt- und Porno-Videos haben für Kinder und Jugendliche einen besonderen Reiz – seien es mit dem Handy selbst gefilmte Gewaltszenen („Happy Slapping“ bzw. „Smack Cam“), Downloads aus dem Internet oder von Freund/innen geschicktes Material. Für die Nutzung dieser Inhalte gibt es vor allem zwei entscheidende Motive:

  1. Unterhaltungsmotiv und Grenzerfahrung
    Der emotionale „Kick“ und das Überschreiten von Grenzen stehen hier im Mittelpunkt. Man möchte etwas „Aufregendes“ erleben. Der Wunsch nach Ablenkung, Protest und Abgrenzung spielt eine zentrale Rolle.
  2. Soziale und sozialintegrative Motive
    Das gemeinsame Bestehen von extremen Situationen ist die zentrale Komponente – das Anschauen der Videos wird zum Gemeinschaftserlebnis. Besonders extreme Inhalte geben auch ein gutes Gesprächsthema in der Gruppe ab oder werden zur Anerkennung genutzt („Mitreden können“). Dazu zählt auch, schockierende Videos an jüngere Mitschüler/innen als eine Art „Mutprobe“ weiterzuschicken.


Für das Konsumieren sexueller Inhalte im Internet gibt es noch weitere Motive: Abbau von Unsicherheiten (Was ist normal? Wie funktioniert Sex? etc.), Suche nach sexueller Erregung, Identitätssuche …

Es ist Teil einer gesunden Entwicklung, wenn Heranwachsende beginnen, intimste Fragen nicht mehr mit den Eltern zu besprechen. Sexualität ist ein wichtiges Thema im langsamen Ablösungsprozess zwischen Eltern und Kindern. Mit den Informationen im Internet können Jugendliche ihre brennenden Fragen beantworten. Gespräche mit Freund/innen dienen dazu, das neu erworbene Wissen bestätigen zu lassen und sich gleichzeitig den anderen als „erwachsen“ zu präsentieren.

Weiterführende Links:

Hilfe, mein Kind schaut Pornos im Internet!

Pornografische Darstellungen sind im Internet (und somit auch am Handy) weit verbreitet und sehr leicht zugänglich. Das Pornos-Schauen wird für Jugendliche immer selbstverständlicher. Selbst technische Filter am Computer verhindern nicht, dass Jugendliche früher oder später in direkter oder indirekter Weise mit Pornos konfrontiert werden. Immerhin ist Sexualität das Gesprächsthema Nummer eins! Sexuelle Darstellungen im Internet liefern scheinbar genau jene Antworten, die Jugendliche brauchen. In mehr als konkreter Weise wird „alles“ gezeigt. Mit diesem „aufregenden“ Wissen lassen sich Erwachsen-sein und Erfahrung demonstrieren. Den Eltern wird meist nichts von diesen neu gewonnenen Informationen erzählt – der Eindruck, das eigene Kind wäre noch nie mit pornografischen Bildern in Kontakt gekommen, täuscht daher häufig.

Tipps für den Erziehungsalltag:

  • Entspannen Sie sich! Es ist sehr wahrscheinlich, dass so gut wie jeder Bursche mit 12 Jahren schon einmal Pornos konsumiert hat – so sagen es zumindest Studien. Das muss aber nicht heißen, dass auch Ihr Kind dies regelmäßig tut.
  • Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind Pornos konsumiert, sprechen Sie es direkt darauf an – und zwar ohne zu moralisieren oder Strafen anzudrohen. Vermitteln Sie, dass Sexualität etwas Positives und das Einholen von Informationen dazu völlig okay ist.
  • Thematisieren Sie, dass Pornos nicht die Realität darstellen. Ziehen Sie einen Vergleich mit Action-Filmen. Auch dort erfolgt die Darstellung durch Schauspieler/innen und technische Tricks!
  • Sprechen Sie rechtliche Aspekte an. Welche Art der Nutzung kann problematisch werden? Es ist auch wichtig, die in der Schule geltenden Regeln zu diskutieren. In vielen Schulen führt der Besitz von Porno-Videos am Handy zu einem Schulverweis. Siehe auch: Welche Inhalte sind für Kinder und Jugendliche gesetzlich verboten?
  • Sagen Sie Ihrem Kind, wo es sich differenzierte Informationen zum Thema Sexualität im Internet holen kann, z.B. auf www.rataufdraht.at. Bieten Sie Ihrem Kind auch Informationsmöglichkeiten außerhalb des Internets an, z.B. die Broschüre Love, Sex und so … (pdf, 732 KB) des BMFJ.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, einen kritischen Umgang mit Medien zu entwickeln. Dazu gehört auch die Fähigkeit, zwischen inszenierter Pornografie und realer Sexualität unterscheiden zu können.
  • Fördern Sie die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung Ihres Kindes sowie auch das Körperbewusstsein.

Weiterführende Links:

Kann das Pornos-Schauen Jugendlichen schaden?

Kinder werden heute bereits sehr früh in Form von Werbung und Musik mit aufreizenden Posen und Inhalten konfrontiert. Im Internet sind pornografische Inhalte sehr leicht zugänglich – die Nutzung wird für Jugendliche zunehmend selbstverständlicher. Es ist davon auszugehen, dass Burschen im Alter von 12 Jahren bereits mindestens einmal einen Pornofilm aktiv gesucht und gesehen haben.

Das Problematische daran:
In Pornos werden meist übertriebene sexuelle Fantasien von Erwachsenen dargestellt – das kann Kinder und Jugendliche in ihrer sexuellen Entwicklung beeinträchtigen und verunsichern. Denn mit realem Sex oder gar Liebesbeziehungen haben Pornos nur wenig zu tun – Situationen, Rollen und Körper werden häufig unrealistisch, einseitig und auch gewalttätig dargestellt. Frauen werden in der Regel von den Männern „beherrscht“.

Da Jugendliche einen Großteil ihrer Informationen zur Sexualität aus pornografischem Material beziehen, wird das dort Gesehene oft als normales sexuelles Verhalten gedeutet. Es entstehen Unsicherheiten in der Wahrnehmung des eigenen Körpers sowie eigener sexueller Wünsche, Verwirrungen über den Ablauf sexueller Anbahnungen, sexueller Leistungsdruck, Fehlinformationen etc. Deshalb ist es sehr wichtig, mit Jugendlichen die Unterschiede von gelebter Sexualität und Pornografie klar zu machen und dieses Thema nicht unter den Tisch zu kehren.

Je früher pornografische Inhalte mit Kindern thematisiert werden, desto besser können sie damit umgehen. Siehe auch: Hilfe, mein Kind schaut Pornos im Internet!

Weiterführende Links:

Wo finde ich gute Aufklärungs- und Beratungsseiten?

Differenzierte Informationen zum Thema „Sexualität“ finden Jugendliche z.B. unter:

Eltern-Tipp: Machen Sie sich selbst mit Aufklärungsangeboten im Internet vertraut. Dadurch erhalten Sie nicht nur ein gutes Bild über aktuelle Fragen von Jugendlichen, sie können auch besser einschätzen, welche Angebote empfehlenswert sind!

Welche Inhalte sind für Kinder und Jugendliche gesetzlich verboten?

Das Jugendschutzgesetz ist in Österreich auf Landesebene geregelt. In jedem Bundesland gibt es leicht unterschiedliche Bestimmungen. Überall gleich ist jedoch, dass die Weitergabe von z.B. pornografischen, nationalsozialistischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten an Jugendliche verboten ist und Jugendliche solche Inhalte auch nicht besitzen dürfen. Bei Verstößen sind für Erwachsene meist Geld- und sogar Freiheitsstrafen, für Jugendliche verpflichtende Beratungsgespräche und u.U. auch Geldstrafen vorgesehen.

Zum Thema „Jugendgefährdende Medien, Gegenstände und Dienstleistungen“ lauten zum Beispiel die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes in Niederösterreich und im Burgenland:

Das Anbieten, Vorführen, Weitergeben und Zugänglichmachen von Medien, Datenträgern, Gegenständen und Dienstleistungen an Personen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ist verboten, wenn sie Jugendliche in ihrer Entwicklung gefährden können. Solch eine Gefährdung ist anzunehmen, wenn dadurch

  • kriminelle Handlungen von menschenverachtender Brutalität oder Gewaltdarstellungen verherrlicht werden,
  • Menschen aus Gründen der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion, der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters, der sexuellen Orientierung oder des Geschlechts diskriminiert werden oder wenn
  • die Darstellung einer die Menschenwürde missachtenden Sexualität beinhaltet wird.
(Quelle: help.gv.at)


Sobald Eltern wissen, dass Ihre Kinder nach dem Jugendschutzgesetz verbotene Inhalte auf Ihr Handy oder Ihren Computer geladen haben, müssen sie diese löschen bzw. löschen lassen. Eltern sind jedoch nicht verpflichtet, die Handys oder Computer ihrer Kinder laufend bzw. ohne konkreten Verdacht auf jugendschutzgefährdende Daten zu kontrollieren.

Auch Lehrende haben bei konkretem Verdacht auf rechtswidrige Inhalte auf Handys von Schüler/innen die Pflicht, die Handys zu kontrollieren und ggf. abzunehmen.

Zögern Sie nicht, illegale Inhalte (z.B. Kinderpornografie) im Internet zu melden, z.B. an www.stopline.at oder die Meldestellen des Bundeskriminalamts.

Weiterführende Links:

Was ist „Kinderpornografie“?

Die gesetzliche Grundlage zu Kinderpornografie findet sich im österreichischen Strafgesetzbuch – § 207a StGB – Pornografische Darstellungen Minderjähriger.

Kinderpornografie besteht aus Bildern von geschlechtlichen Handlungen, in die Minderjährige involviert sind. Als minderjährige Person gilt, wer das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ein unmündiger Minderjähriger hat das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Pornografische Darstellungen können grundsätzlich in Form von Fotografien, Filmen u.ä. erfolgen. Einen Graubereich stellen andere Darstellungen wie Zeichnungen, Gemälde, Comics oder Bildmontagen dar, bei denen nicht auf den ersten Blick klar ist, ob es sich um reale Aufnahmen handelt. Hier kommt es darauf an, dass für den Betrachter des Bildes der Eindruck entsteht, dass eine geschlechtliche Handlung mit Minderjährigen tatsächlich stattfindet. Nicht strafbar im Sinne von Kinderpornografie, aber eventuell aufgrund anderer gesetzlicher Bestimmungen, sind Texte, in denen sexuelle Handlungen mit Kindern beschrieben werden.

Kinderpornografie definiert sich nach § 207a StGB durch geschlechtliche Handlungen an oder durch einen Fokus auf die Geschlechtsteile von Minderjährigen, nicht darunter fällt in den meisten Fällen das Foto von einem entkleideten Kind oder Fotos von FKK-Stränden. Handelt es sich bei einem Bild um Kinderpornografie, so ist jede Handlung, die damit im Zusammenhang steht, verboten: Wissentliches Zugreifen darauf im Internet, Herstellen, Anbieten, (sich) Verschaffen, Überlassen, Vorführen, Besitzen oder sonstige Zugänglichmachung von Kinderpornografie, auch die Einfuhr, Beförderung und Ausfuhr. Davon ausgenommen sind die Bestimmungen von § 207a Absatz 5 StGB.

Achtung: Seit 1.1.2016 ist das einvernehmliche Tauschen von eigenen pornografischen Fotos oder Videos zwischen zwei Jugendlichen ab 14 Jahren straffrei (siehe: Sexting). Es ist Jugendlichen jedoch weiterhin verboten, solche Aufnahmen an Dritte weiterzuleiten!



Weiterführendes Links:
 

Wie kann ich mein Kind vor unerwünschten und illegalen Inhalten schützen?

Auch wenn wir uns das oft wünschen würden: eine 100%ige Garantie für sicheres Surfen kann und wird es leider nie geben. Deswegen auf Handy und Internet zu verzichten oder die Nutzung radikal einzuschränken, kann keine Lösung sein. Vergessen Sie nicht: Die Vorteile und Chancen, die digitale Medien bieten, übertreffen die Risiken bei weitem! Ermutigen Sie Ihr Kind, Handy und Internet verantwortungsbewusst zu nutzen und seien Sie nicht zu kritisch bei den Online-Aktivitäten Ihres Kindes. Unter Anleitung können die Risiken sehr gut eingeschränkt werden.

So fördern Sie den kritischen und selbstbewussten Umgang Ihres Kindes mit problematischen Inhalten:

  • Medien gemeinsam entdecken. Begleiten Sie Ihr Kind bei seinen Entdeckungsreisen im Netz. Gemeinsame Erfahrungen erleichtern es, über positive und negative Erlebnisse bei der Mediennutzung zu sprechen.

  • Problematische Inhalte besprechen. Reden Sie mit Ihrem Kind offen über Ihre Einstellungen und Gefühle zu Themen wie Gewalt, Pornografie, Rassismus etc. Machen Sie deutlich, dass das Konsumieren extremer Inhalte kein Ausdruck von „Erwachsensein“ ist und es normal ist, dass das einen ganz schön durcheinander bringen kann. Sehen Sie den Austausch als gegenseitige Chance, ohne dabei „besserwisserisch“ rüberzukommen. Siehe auch: Wie bespreche ich Risiken bei der Internetnutzung?

  • Regeln vereinbaren. Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind fest, was bei der Internet- und Handynutzung okay ist und was nicht. Regeln sind nur dann wirksam, wenn Ihr Kind diese versteht und akzeptiert.

  • Technische Filter als Ergänzung. Bei jüngeren Kindern kann die Verwendung von Filterprogrammen am Computer oder am Handy sinnvoll sein. Je älter die Kinder werden, desto eher finden sie Wege, Filter und Sperren zu umgehen und desto wichtiger wird das „Darüber reden“. Siehe auch: Filterprogramme, -Apps & Co. – wie kann ich Computer, Smartphone & Tablet sicherer machen?

  • Nicht „ausflippen“. Behalten Sie einen kühlen Kopf, wenn Ihr Kind mit einem ungeeigneten Inhalt in Berührung gekommen ist. Drohen Sie nicht mit Strafen oder Verboten, sonst verlieren Sie Ihre Rolle als Ansprechperson.

  • Seien Sie Vorbild! Reflektieren Sie auch Ihre eigene Mediennutzung kritisch. Leben Sie Ihrem Kind den Umgang mit Medien vor, den Sie sich von ihm wünschen.

Weiterführende Links:

Warum soll sich die Schule mit Mediengewalt beschäftigen?
  • Die Ausübung von Mediengewalt (z.B. Cyber-Mobbing, Sexting, Verunglimpfungen im Internet etc.) beeinträchtigt nicht nur die betroffenen Kinder und Jugendlichen, sondern auch das Klassenklima und somit den Unterricht. Prävention trägt zu einem störungsfreien Unterricht bei. Das Festlegen eindeutiger Konsequenzen hilft, im Anlassfall schnell und effizient einschreiten zu können.

  • Viele Lehrpläne geben vor, die Lebenswelt der Schüler/innen in den Unterricht zu integrieren. Digitale Medien (und hier auch Mediengewalt) sind fester Bestandteil des Alltags von Kinder und Jugendlichen. Auch das SchUG § 17 Abs. 1 sieht vor, dass Lehrende „den Unterricht anschaulich und gegenwartsbezogen zu gestalten haben.“

  • Das Thema „Mediengewalt“ lässt sich in viele Fächer einfach integrieren: So können im Deutsch- bzw. Englisch-Unterricht Texte von Pop-Songs analysiert, im Psychologie-Unterricht der Reiz an der Angst bzw. dem Schock aufgegriffen oder im Geschichts-Unterricht die neuen Symboliken von rechtsradikalen Inhalten bzw. neue „Werbungsmethoden“ aufgearbeitet werden. Im Rahmen des Aufklärungsunterrichtes können der Umgang mit Pornografie und die Glaubwürdigkeit von Pornografie angesprochen werden.

  • Kinder und Jugendliche brauchen medienkompetente Erwachsene – Eltern, Lehrer/innen, Betreuer/innen, die sich für ihre Lebenswelt interessieren und ihnen Orientierung in dieser Welt geben. Auch wenn die Kinder und Jugendlichen (möglicherweise) den Erwachsenen technisch überlegen sind, bedeutet das nicht, dass sie sich im Bereich „Medien“ quasi auch selbst erziehen können.

  • Auch Lehrende werden immer wieder Opfer von Mediengewalt. Eine klare Haltung der Schule und das Aufgreifen des Themas wirken auch hier klar präventiv.

  • Im Grundsatzerlass zur Medienerziehung (pdf, 339 KB) des BMBF wird explizit darauf hingewiesen, „dass Medienerziehung auch und besonders in dieser Altersgruppe bei den persönlichen Medienerfahrungen, -erlebnissen und -gewohnheiten der Schüler/innen ansetzen und zur Selbstreflexion führen soll.“ Mediengewalt ist das, was Kinder und Jugendliche im Umgang mit digitalen Medien erfahren, erleben und teilweise auch selbst ausüben. Ihren präventiven Einsatz im Bereich „Mediengewalt“ können Sie auf diesen Erlass stützen.

Weiterführende Links:

Dürfen Lehrende die Handys ihrer Schüler/innen kontrollieren?

Entscheidend bei dieser Frage ist, ob Lehrende einen konkreten Verdacht auf jugendgefährdende bzw. rechtswidrige Inhalte auf Handys von Schüler/innen haben. Ist das zutreffend, haben Lehrende nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, Handys zu kontrollieren und ggf. dem/der Schüler/in abzunehmen. Eine strafbare Handlung (z.B. Besitz oder Verbreitung von Kinderpornografie) muss in jedem Fall an die Schulleitung gemeldet werden. Diese entscheidet dann unter Berücksichtigung von § 79 StPO (Strafprozessordnung) bzw. § 45 BDG (Beamten-Dienstrechtsgesetz), ob eine Anzeige erforderlich ist. Jeder Verdacht sollte darüber hinaus entsprechend dokumentiert werden, um Vorfälle und Handlungen für andere (Eltern, Polizei …) nachvollziehbar zu machen.

Beachten Sie: Eine routinemäßige Kontrolle von Handys ohne Verdacht verletzt die Privatsphäre der Schüler/innen!

Grundsätzlich ist das Ausreizen und Übertreten von Grenzen im jugendlichen Alter eine Herausforderung, der sich Eltern und Lehrende immer wieder stellen müssen. Dieser Prozess gehört zu einer normalen Entwicklung in der Adoleszenz. Daher sind das Konsumieren und Verbreiten von jugendgefährdenden Inhalten auch stets in diesem Kontext zu sehen. Merken Lehrende, das Vorkommnisse in diesem Bereich zunehmen (z.B. ältere Schüler/innen schicken jüngeren Pornos auf das Handy, Wettbewerb um die extremsten Handy-Videos etc.), sollte der Umgang mit ungeeigneten Inhalten dringend thematisiert werden – sowohl mit den Schüler/innen, die die Inhalte verbreiten, aber auch mit jenen, die „nur“ konsumieren. Anregungen dazu finden Sie in den Saferinternet.at-Unterrichtsmaterialen Das Handy in der Schule (pdf, 2.5 MB) und Medien und Gewalt – Herausforderungen für die Schule (pdf, 1 MB).

Weiterführender Link:

Was sind Pro-Ana-/Pro-Mia-Plattformen?

„Ana“ ist die Abkürzung für Anorexia Nervosa (Magersucht), „Mia“ für Bulimia Nervosa (Ess-Brechsucht). Beide Krankheitsbilder fallen in den Bereich der Essstörungen. Als Essstörung wird ein auffälliges und von der Norm abweichendes Essverhalten bezeichnet. Betroffene dieser beiden Erkrankungen bezeichnen sich selbst oft als „Ich bin (Pro-)Ana“ bzw. „Ich bin (Pro-)Mia“.

Im Internet können sich Betroffene schnell und einfach über die Krankheit informieren und sich bei professionellen Angeboten Hilfe holen. Über Suchmaschinen „stolpern“ Jugendliche aber immer wieder über privat initiierte Pro-Ana- und Pro-Mia-Plattformen, z.B. auf der Suche nach Diät-Tipps.  In vielen Fällen suchen die Betroffenen aber auch gezielt Kontakt zu anderen Essgestörten.

Auf diesen Pro-Ana- bzw. -Mia-Plattformen werden die Risiken von Essstörungen verharmlost und die Krankheit als „Lifestyle“ propagiert – „dünn sein“ ist das einzige Lebensziel. Die Betreiber/innen – meist selbst essgestört – zeichnen sich durch mangelnde Krankheitseinsicht aus und glorifizieren Essstörungen in Blogs, Diskussionsforen, Sozialen Netzwerken (z.B. Instagram, Tumblr, Facebook) oder auf Video-Portalen (z.B. YouTube)

Als Motivation zum Abnehmen werden Bilder von extrem dünnen Menschen oder Models als Beispiele für Schlankheit gesucht und geteilt  (sog. „Thinspirations“). In der Szene haben sich auch gefährliche Schönheitsideale etabliert, zu sich im Internet tausende Fotos (z.B. „Thigh Gap“ oder „Bikini Bridge“).

Betroffene organisieren sich oft in privaten Pro-Ana-Gruppen, etwa in WhatApp oder Kik. Die Gruppenmitglieder folgen strengen Diät- und Sport-Regeln, führen Ess-/Gewichtstagebücher und schicken einander regelmäßig Fotos des eigenen Körpers. Fasten-Wettbewerbe und Abnehmverträge etc. binden die essgestörten Mitglieder an die „Gemeinschaft“ – wer die Gebote nicht befolgt, wird aus der Gruppe ausgeschlossen.

Vorsicht vor „Pro-Ana-Coaches“: Es gibt vielfach Grund zur Annahme, dass Pädophile einschlägige Pro-Ana-Plattformen ausnutzen, um an kinderpornografisches Material zu gelangen. Als selbst ernannte „Coaches“ bieten sie auf Blogs und in Foren ihre Unterstützung beim Abnehmen an und verlangen in weiterer Folge regelmäßig Nacktfotos bzw. Bilder in aufreizenden Posen von den esssgestörten Mädchen.

Was sagt das Gesetz?

Nach der österreichischen Gesetzeslage erfüllen Pro-Ana/Pro-Mia-Angebote im Internet in der Regel keinen Straftatbestand und können somit auch nicht verboten werden. Unter Umständen könnten die Inhalte aber nach dem Jugendschutzgesetz als „jugendgefährdend“ eingestuft werden. Jugendlichen dürften diese Websites dann nicht zugänglich gemacht werden. Da viele Pro-Ana/Pro-Mia-Plattformen jedoch nicht über österreichische, sondern über Server im Ausland betrieben werden und dazu häufig passwortgeschützt sind, ist eine rechtliche Handhabe schwierig.

Was tun?

Viel wichtiger ist es, mit den Betroffenen über ihre Krankheit zu sprechen und Verständnis zu zeigen. Das Ziel sollte sein, Betroffene davon zu überzeugen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Weiterführende Links:

Nacktbilder im Internet

Was ist „Posing“?

Die Möglichkeit zur Selbstdarstellung ist eine wichtige Funktion, die das Internet für Jugendliche erfüllt. Jugendliche präsentieren sich online mit Profilen, Bildern, Kommentaren, aber auch mit eigenen Filmen und Musik. Musikvideos und Werbung beeinflussen die Art, wie Jugendliche ihre Fotos und Filme gestalten.

Fotos spielen bei der Selbstdarstellung im Netz – v.a. in Sozialen Netzwerken – wahrscheinlich die größte Rolle. Dabei reicht ein „einfaches“ Foto manchmal nicht mehr aus. Aufmerksamkeit erregt man erst, wenn Fotos wirklich auffällig sind. Mit sexuell aufreizenden Posen oder entsprechender (manchmal sogar fehlender) Kleidung geht das umso leichter. Viele Fotos werden mit der eigenen Handykamera gemacht und gleich in das Soziale Netzwerk übertragen. Besonders beliebt sind Selbstporträts im Spiegel, meist in einer größeren Serie erstellt. Diese werden dann von Freund/innen im Sozialen Netzwerk kommentiert und bewertet.

Über mögliche negative Folgen solcher „Freizügigkeiten“ (z.B. Probleme bei der Jobsuche, Cyber-Mobbing, sexuelle Belästigung …) denken Kinder und Jugendliche oft nicht nach bzw. gibt es für sie Dinge, die eben wichtiger sind. Hier können Erwachsene gut unterstützen, indem sie Jugendliche auf die Grenzen hinweisen. Jedes Foto oder jeden Film zu „verdammen“, ist aber nicht sinnvoll, denn dann wird die Meinung der Erwachsenen nicht mehr ernst genommen.

Weiterführende Links:

Was ist „Sexting“?

„Sexting“ – zusammengesetzt aus „Sex“ und „Texting“ (engl. für das Senden von SMS) – meint das Verschicken und Tauschen von eigenen Nacktaufnahmen über Internet und Handy. Sexting ist bei Jugendlichen mittlerweile sehr populär und Teil einer selbstbestimmten Sexualität geworden. Die erotischen Bilder oder Videos werden am häufigsten innerhalb einer Partnerschaft oder zum Flirten verschickt. Auch wenn Sexting oft völlig unproblematisch verläuft, kann es für die Abgebildeten sehr unangenehme Folgen haben, wenn die Aufnahmen in die falschen Hände geraten oder öffentlich im Internet landen. Gehen etwa Beziehungen oder Freundschaften in die Brüche, werden intime Aufnahme oft aus Rache an Außenstehende weitergeleitet oder zur Erpressung verwendet, z.B. damit weitere Fotos geschickt werden („Rachepornos“). In diesem Fall spricht man auch von Cyber-Mobbing.

Sind solche Bilder einmal in Umlauf gebracht, besteht jedenfalls so gut wie keine Möglichkeit mehr, deren Verbreitung zu stoppen. Auch wenn Fotos in Sozialen Netzwerken z.B. nur für „Freunde“ freigegeben sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese an anderen Stellen im Internet auftauchen. So können einmal verbreitete Aufnahmen auch Jahre später wieder auftauchen und den Abgebildeten schaden (z.B. Jobsuche, Beziehungen).

Besondere Vorsicht ist in diesem Zusammenhang mit der Foto-App Snapchat geboten! Snapchat ist dafür bekannt, dass man Freund/innen und Bekannten Fotos oder Videos schicken, die nur für einen kurzen Zeitraum (1-10 Sekunden) sichtbar sind. Vor allem Jugendliche versenden über Snapchat gerne freizügige Fotos. Die Fotos sind aber nicht wirklich „weg“, sondern können auf verschiedenen Wegen wieder sichtbar gemacht werden, z.B. können die Empfänger/innen einen Screenshots von Bildern anfertigen oder mithilfe von speziellen Apps abspeichern. Daher: Am besten nur Fotos über Snapchat verschicken, die man auch anderswo posten würde!

Was viele Jugendliche außerdem nicht wissen: Das Verbreiten und Veröffentlichen erotischer Fotos Minderjähriger gilt als Kinderpornografie und ist somit illegal (§ 207a StGB – Pornografische Darstellungen Minderjähriger). Seit 1.1.2016 ist das einvernehmliche Tauschen von eigenen pornografischen Fotos oder Videos zwischen zwei Jugendlichen ab 14 Jahren straffrei. Das bedeutet z.B., dass ein 16-jähriges Mädchen ihrem 17-jährigen Freund ein Nacktfoto von sich schicken darf. Weder das Versenden, noch der Besitz des Fotos ist in diesem Fall für die beiden strafbar. Es bleibt aber weiterhin verboten, dieses Foto anderen zu zeigen oder an Dritte weiterzuleiten!

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Was sind „Rachepornos“?

„Rachepornos“ (Engl. „Revenge Porn“) sind Fotos oder Videos, die die Betroffenen nackt oder während sexueller Handlungen zeigen, und nach einer Trennung von den Ex-Partner/innen im Internet veröffentlicht werden. In der Regel geschieht dies ohne das Wissen bzw. gegen den Willen der Abgebildeten. Auf diese Weise rächen sich die Verlassenen für die Beendigung der Beziehung.

Häufig werden die intimen Aufnahmen auf Pornoseiten hochgeladen und damit einem großen Publikum zugänglich gemacht. In den letzten Jahren sind immer öfter eigene Racheporno-Websites aufgetaucht, auf denen frustrierte Ex-Freund/innen intime Bilder und Videos ihrer Verflossenen hochladen. In vielen Fällen wird das Bildmaterial mit dem Zusatz des echten Namens, einem direkten Link zum Facebook-Profil oder zusammen mit anderen persönliche Daten, wie z.B. Wohnadresse, Arbeitsplatz oder Telefonnummer, veröffentlicht.

Was können Betroffene tun?
Auch wenn die Abgebildeten selbst keine Schuld trifft: Die Veröffentlichung von intimen Fotos und Videos kann nachhaltigen Schaden anrichten, z.B. am Arbeitsplatz oder im persönlichen Umfeld. Wurden Bilder einmal im Internet verbreitet, können sie nur sehr schwer wieder gelöscht werden. Ein Versuch lohnt sich für Betroffene aber trotzdem! Unser Leitfaden „Aktiv gegen Nacktaufnahmen“ (pdf, 2.9 MB) bietet umfassende Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur „Schadensbegrenzung“. Kostenlose Hilfe bei der Entfernung von unerwünschten Fotos aus dem Netz bietet auch der Internet Ombudsmann.

Betroffene Personen können im Fall von Rachepornos das Recht am eigenen Bild geltend machen. Damit können die Betreiber/innen von Seiten, auf denen solche Bilder und Filme hochgeladen werden, innerhalb der EU zur Verantwortung gezogen werden. Allerdings sollte beachtet werden, dass Seitenbetreiber/innen sehr oft aus dem EU-Ausland agieren.

Hilfestellung bieten auch große Suchmaschinen wie Google oder Bing: Mittels Formular können Betroffene beantragen, dass Links zu intimen Fotos oder Videos aus den Suchergebnissen gelöscht werden.

Weiterführende Links:

Was ist „Sextortion“?

Der Begriff „Sextortion“, eine Wortkombination aus „Sex" und „Extortion" (engl. „Erpressung"), bezeichnet eine Betrugsmasche im Internet, bei der Internetnutzer/innen von attraktiven Unbekannten dazu aufgefordert werden, in Videochats wie z.B. Skype nackt zu posieren oder sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Die Betrüger/innen zeichnen das delikate Material heimlich auf und versuchen dann, vom Opfer Geld zu erpressen, indem sie mit der Veröffentlichung der Aufnahmen drohen.

Die potentiellen Opfer werden in den meisten Fällen zunächst in einem Sozialen Netzwerk, wie z.B. Facebook oder WhatsApp, von attraktiven Frauen oder Männern angesprochen. Dabei signalisieren die Bekanntschaften sexuelles Interesse. Nach einer Kennenlernphase erfolgt die Aufforderung an das Opfer, in einen Videochat wie z.B. Skype zu wechseln und sich dort nackt zu zeigen. In der Regel drohen die Erpresser/innen, die delikaten Videos oder Nacktfotos in Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen oder direkt an die Freund/innen der Betroffenen zu schicken. Sie nutzen dabei die Angst und Scham der Opfer als Druckmittel.

Manchmal findet die Kommunikation aber auch ausschließlich in Messenger-Apps wie WhatsApp statt – die Betroffenen sollen hier aufreizende Fotos von sich senden, mit denen sie später erpresst werden.

Achtung: Es sind auch Fälle bekannt, in denen die Erpressung stattgefunden hat, obwohl die Betroffenen den Betrugsversuch rechtzeitig erkannt und sich nicht vor der Webcam ausgezogen bzw. keine Nacktfotos verschickt haben. Die Täter/innen manipulieren dann die vorhandenen, harmlosen Videoaufnahmen bzw. Profilbilder des Opfers, indem sie Aufnahmen sexueller Handlungen in das Material hineinschneiden.

Die Kriminalpolizei warnt vor derartigen Betrugsversuchen und rät, keinesfalls Zahlungen zu leisten.

Von Sextortion sind sowohl Jugendliche als auch Erwachsene betroffen, in den meisten Fällen sind die Opfer männlich. In jüngster Zeit werden aber auch verstärkt Mädchen und Frauen erpresst. Die attraktiven Verführer/innen gibt es in der Regel gar nicht: Die aufreizenden Videos bzw. Bilder stammen meist von anderen Websites und werden im Chat nur eingespielt. Die tatsächlichen Betrüger/innen zeigen sich zu keinem Zeitpunkt selbst. 

Mittlerweile wird Sextortion als Form der Erpressung auch im großen Rahmen von internationalen Betrugsbanden angewendet. In letzter Zeit kommt es auch in Österreich zu vermehrten Anzeigen derartiger Betrugsfälle bei der Polizei.

Weiterführende Links:

Schutz der Privatsphäre im Internet – welche Tipps kann ich meinem Kind geben?
  • Das Internet vergisst nicht. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, dass einmal im Internet veröffentlichte Daten oft nicht mehr gelöscht werden können. Deshalb: Keine Fotos, Videos oder Texte veröffentlichen, die peinlich sein oder später einmal zum eigenen Nachteil verwendet werden könnten! Hilfreiche Regel: Daten nur hochladen, wenn man diese auch den Eltern oder Lehrer/innen zeigen würde.
  • Persönliche Daten geheim halten. Wohnadresse, Telefonnummer, Passwörter etc. gehen Fremde nichts an. Wo möglich, sollten anonymen Nicknames anstellen des richtigen Namens verwendet werden.
  • Was ist „freizügig“? Vor allem bei der Veröffentlichung von Fotos kennen viele Jugendliche kaum Grenzen. Diskutieren Sie mit Ihrem Kind, welche Selbstporträts veröffentlicht werden können und welche nicht.
  • „Recht am eigenen Bild“ beachten. Fotos oder Videos, die andere Personen nachteilig darstellen, dürfen nicht verbreitet werden. Die Abgebildeten sind daher vorher zu fragen, ob sie mit einer Veröffentlichung einverstanden sind. Siehe auch: Was ist das „Recht am eigenen Bild“?
  • Privatsphäre-Einstellungen aktivieren. Wenn Ihr Kind beginnt, Soziale Netzwerke zu nutzen, gehen Sie gemeinsam die Privatsphäre-Einstellungen durch. Diese ändern sich häufig und sind standardmäßig nicht immer auf der sichersten Stufe eingestellt. Die Saferinternet.at-Leitfäden liefern Ihnen einfache Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Schutz der Privatsphäre in Sozialen Netzwerken.
  • Unerwünschte Nutzer/innen blockieren. Wenn Ihr Kind in einem Sozialen Netzwerk oder per Messenger belästigt wird, kann es die Person auf die „Ignorier-Liste“ setzen oder an die Betreiber melden. Siehe auch: Wie kann ich Belästigungen in Facebook melden?
  • Verurteilen Sie Ihr Kind nicht, wenn es fragwürdige Inhalte online stellt, sondern erklären Sie das Problem dabei. Siehe auch: Wie bespreche ich Risiken bei der Internetnutzung?

Weiterführende Links:

Sexuelle Belästigung im Internet

Was ist „Grooming“?

Die Gefahr vor sexueller Anmache ist eine der Schattenseiten der Nutzung von Sozialen Netzwerken. Zu den negativen Erfahrungen können etwa unerwünschtes „Anbaggern“ durch Gleichaltrige, die Aufforderung von Unbekannten, intime Informationen oder Fotos von sich zu schicken, und – in Extremfällen – das sog. Grooming zählen. Beim Grooming erschleichen sich (vornehmlich männliche) Erwachsene im Internet das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen – mit dem Ziel der sexuellen Belästigung bzw. des Missbrauchs. Dabei geben sich die Erwachsenen manchmal auch als Gleichaltrige aus. Zunehmend machen Männer aus ihrem Alter jedoch kein Hehl und versuchen sich den Mädchen (manchmal auch Burschen) durch einschmeichelnde Kommentare zu nähern.

In einer ersten Phase geht es den Tätern häufig darum, Vertrauen aufzubauen und dann Nacktbilder von ihren Opfern zu erhalten. Dies funktioniert oft damit, dass sie sich auf die Profilfotos der Kinder und Jugendlichen beziehen und sie als „süß“ oder „nett“ bezeichnen. In der Folge wollen sie weitere Fotos und verschicken dazu auch selbst Bilder und Kommentare mit erotischem Inhalt. Die Bilder der Opfer werden – quasi als ein Nebenprodukt – auch in einschlägigen Kinderpornografie-Foren weiterverwertet. Fühlen sich die betroffenen Mädchen oder Burschen irgendwann verunsichert und möchten den Kontakt wieder lösen, versuchen die Täter ihre Opfer z.B. mit Drohungen einzuschüchtern, damit sie niemanden von den Vorkommnissen erzählen, oder erpressen sie mit den bereits erhaltenen Fotos und Postings („Du wolltest das ja auch, du hast ja mitgemacht“).

Weiterführende Links:

Ist Grooming strafbar?

Am 1.1.2012 ist der § 208a StGB – Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen in Kraft getreten. Groomern kann demnach eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren drohen. Der Paragraph im Wortlaut: 

„(1) Wer einer unmündigen Person in der Absicht, an ihr eine strafbare Handlung nach den §§ 201 bis 207a Abs. 1 Z 1 zu begehen,

1. im Wege einer Telekommunikation, unter Verwendung eines Computersystems oder

2. auf sonstige Art unter Täuschung über seine Absicht

ein persönliches Treffen vorschlägt oder ein solches mit ihr vereinbart und eine konkrete Vorbereitungshandlung zur Durchführung des persönlichen Treffens mit dieser Person setzt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen.

(2) Nach Abs. 1 ist nicht zu bestrafen, wer freiwillig und bevor die Behörde (§ 151 Abs. 3) von seinem Verschulden erfahren hat, sein Vorhaben aufgibt und der Behörde sein Verschulden offenbart.“

Wer ist gefährdet?

Studien gehen davon aus, dass bestimmte Faktoren relevant sein können, weshalb Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch über das Internet werden. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass diese Risikofaktoren zwangsläufig zu sexuellen Übergriffen führen müssen; genauso können natürlich auch Kinder und Jugendliche ohne diese Risikofaktoren Opfer von Grooming werden.

Ein erhöhtes Risiko, Opfer von sexuellem Missbrauch über das Internet zu werden, besteht bei …

  • Teenagern,
  • geringer Bildung,
  • einer unklaren sexuellen Orientierung oder Homosexualität,
  • einer intensiven Internetnutzung (v.a. Chats, Messenger, Facebook),
  • riskantem Online-Verhalten (Kontakte zu Fremden, freizügiger Umgang mit persönlichen Daten und Fotos, Online-Flirts, Cybersex …),
  • Alkohol- und Drogenkonsum (bei Mädchen),
  • Missbrauchserfahrung,
  • depressiver Stimmung,
  • Obdachlosigkeit / „Ausreißern“,
  • Kindern von Alleinerzieher/innen oder aus Patchwork-Familien,
  • schlechter Gesprächs- und Vertrauensbasis mit den Eltern,
  • „sorglosen“ Eltern, die sich nicht mit der Lebenswelt ihrer Kinder auseinandersetzen.

Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen:

  • Burschen sind eher offen gegenüber riskantem Online-Verhalten, z.B. Cybersex, Sexting, Pornos-Schauen, Sex-Chats etc.
  • Mädchen zeigen ein weniger riskantes Verhalten – sie sind sich der Risiken eher bewusst –, werden aber häufiger Opfer von sexueller Belästigung und sexuellen Übergriffen im Internet.

(Quelle & detaillierte Beschreibung: Ch@dvice-Handbuch für Pädagog/innen Sex und Gewalt in digitalen Medien)

Weiterführende Links:

Wie kann ich (potenzielle) Sex-Täter/innen im Internet vertreiben?

Jemanden „vertreiben“ – das ist einfacher gesagt als getan! Abhängig von der Situation, in der sich das betroffene Kind bzw. der/die betroffene Jugendliche befindet, wird eine andere Strategie sinnvoll sein. Hier ein paar Möglichkeiten:

  • Verbal vertreiben mit Aussagen wie
  • „Lass mich in Ruhe!“
  • „Ich will das nicht!“
  • „Was du da machst, ist verboten. Ich melde das der Polizei/ich zeige dich an!“
  • „Ich erzähle weiter, was du da machst, damit du nicht andere Kinder angehen kannst.“
  • „Ich habe alles, was du gemacht hast, gespeichert. Ich habe Beweise!“
  • „Du bist schuld! Das, was du mit mir gemacht hast, ist nicht in Ordnung.“
  • Blockieren und Melden. Cyber-Groomer sollten sofort an die Betreiber des Sozialen Netzwerks, Chats, Forums o.ä. gemeldet werden, damit Konsequenzen folgen können. Gleichzeitig sollte man die Person blockieren und alle Freund/innen vor ihr warnen. Öffentlichkeit wollen Cyber-Groomer auf keinen Fall, sie wollen ihren Opfern lieber in geheimen und vertraulichen Situationen nahe kommen. Siehe auch: Wie kann ich Belästigungen in Facebook melden?

  • Beweise sichern. Wenn eine Anzeige gegen einen Groomer überlegt wird, sind Beweise notwendig. Diese direkt in der Belästigungssituation zu sichern, ist wichtig. Also, auch wenn man am liebsten nichts mehr damit zu tun haben möchte, sollten Screenshots gemacht, SMS und Chatprotokolle gespeichert werden etc.

  • Ein neues Konto anlegen. Ist die Angst vor dem Groomer sehr groß und hat man das Gefühl, in der Vergangenheit nicht immer so sorgsam mit den persönlichen Daten umgegangen zu sein, kann es sinnvoll sein, das eigene Konto im Sozialen Netzwerk zu löschen. In einem neu angelegten Profil fügt man nur die Freund/innen hinzu, die man tatsächlich braucht, und behält die veröffentlichten Inhalte von Anfang an besser im Auge. Siehe auch: Facebook: Wie schütze ich meine Privatsphäre?

  • Sich jemandem anvertrauen. Mit einer außenstehenden Vertrauensperson über einen Vorfall zu sprechen, nimmt einem selbst die Anspannung und kann dabei helfen, manche Dinge klarer zu sehen. Denn „richtiges Reagieren“ kann im Einzelfall ganz unterschiedlich aussehen! Siehe auch: Wo finde ich Unterstützung und Beratung?
Wie können Eltern ihre Kinder stärken?
  1. Für Kinder ist oft auf den ersten Blick nicht erkennbar, wer im Internet das tatsächliche Gegenüber ist. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie einfach es im Internet ist, sich als eine andere Person auszugeben, und dass es sich lohnt, bei Online-Bekanntschaften misstrauisch zu sein. Wenn Kinder und Jugendliche immer wieder hören, dass es im Internet auch Menschen gibt, die Böses im Sinn haben, werden sie schneller wachsam.
  2. Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, NEIN sagen zu können. Kinder und Jugendliche, die sich gegen Annäherungsversuche von Beginn an wehren, sind für Sex-Täter/innen schnell uninteressant. Sie suchen sich lieber „leichtere Beute“. „Nein-Sagen“ muss trainiert werden, damit es im Anlassfall klappt.
  3. Stärken Sie Ihr Kind von klein auf darin, auf das eigene „Bauchgefühl“ zu hören. Wird dieses immer wieder verwirrt und gestört, verlernen Kinder, auf ihre Intuition zu achten. Bespiel: Muss das „grausliche“ Bussi der Großtante wirklich sein? Schon hier würde das Bauchgefühl eigentlich NEIN sagen …
  4. Webcams können bei sexueller Belästigung im Internet eine wichtige Rolle spielen. Oft ist nicht klar, wann eine Webcam ein- bzw. ausgeschalten ist. Beschäftigen Sie sich gemeinsam mit den Funktionen der Webcam und klären Sie, wie man diese ausschalten kann, damit keine unerwünschten Bilder übertragen werden. Anfragen von Unbekannten sollten abgelehnt werden.
  5. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es eine Bekanntschaft aus dem Netz niemals ohne eine Begleitperson (Erwachsener oder zumindest Freund/in) treffen darf. Ein Treffen sollte außerdem nur an öffentlichen Orten mit vielen Menschen stattfinden (z.B. Kinocenter, Café …).
  6. Seien Sie eine vertrauensvolle Ansprechperson für Ihr Kind, wenn es unangenehme Erfahrungen im Internet gemacht hat. Wenn Sie mit Strafen drohen, wird ihr Kind nicht mehr mit Ihnen darüber sprechen. Da bei unangenehmen Situationen in der Regel schnelle Hilfe nötig ist, informieren Sie sich schon im Vorfeld über entsprechende Beratungseinrichtungen.


Weiterführender Link:

Wo finde ich Unterstützung und Beratung?

Für Kinder und Jugendliche:

Für Schulen:

Für Eltern:

Sonstige Beratungsstellen:

  • Opfernotruf des Bundesministeriums für Justiz: Kostenlose Beratung für Opfer von Straftaten unter der Nummer 0800/112 112.
  • Kriminalprävention: Unter der Servicenummer 059-133 erreichen Sie immer die nächstgelegene Polizeidienststelle in ganz Österreich.
  • Frauenhelpline „Halt der Gewalt“: 24h-Telefonberatung unter der kostenlosen Helpline 0800/222 555. Muttersprachliche Beratung in Arabisch, Bosnisch-Kroatisch-Serbisch, Rumänisch, Russisch und Türkisch.
  • Selbstlaut: Initiative gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, Vorbeugung – Beratung – Verdachtsbegleitung.
  • Courage: Beratung für schwul-lesbische Jugendliche.
  • Orient Express: Beratungsstelle für Frauen mit Migrationshintergrund.
  • sexwecan.at: Für Pädagog/innen im schulischen sowie außerschulischen Bereich.