Was muss ich beachten, wenn mein Kind Influencer werden möchte?
Weitere Infos zu: ElternSoziale NetzwerkeDas Wichtigste im Überblick
Erwartungen abklären: | Influencer zu sein bedeutet viel Arbeit, Zeitdruck und Konkurrenz. |
Privatsphäre schützen: | Stellen Sie sicher, dass die Privatsphäre Ihres Kindes geschützt ist. |
Rechte Dritter wahren: | Verdeutlichen Sie Ihrem Kind, dass es auch die Rechte anderer achten muss. |
Influencer werden: Wunschbild und Wirklichkeit
Mit witzigen oder kreativen Inhalten über Nacht berühmt werden und dabei noch jede Menge Geld verdienen? Kein Wunder, dass viele Kinder und Jugendliche ihren Idolen nacheifern und selbst Influencer werden wollen.
Was die meisten allerdings nicht wissen: Hinter den scheinbar locker-leichten Beiträgen in sozialen Netzwerken steckt jede Menge Arbeit. Freizeit ist für erfolgreiche Influencer oft ein Fremdwort, denn wer nicht regelmäßig neuen Content liefert, verschwindet schnell von der Bildfläche. Hinzu kommt der Druck von Verwertungsagenturen, die oft mit bindenden Verträgen arbeiten.
Kidfluencer: Kinder als professionelle Influencer
Als „Kidfluencer“ (zusammengesetzt aus den englischen Begriffen „kid“ und “influencer”) werden Kinder und Jugendliche bezeichnet, die als Influencer tätig sind und dabei häufig bezahlte Werbekooperationen eingehen – insbesondere für Kinderprodukte wie Süßigkeiten oder Spielzeug. Meist sind die Eltern entweder selbst als Influencer tätig oder federführend involviert, indem sie die Social-Media-Kanäle der Kinder managen, beim Erstellen der Videos helfen, Werbekooperationen an Land ziehen und sich um die Finanzen kümmern. Dabei kann es vorkommen, dass Eltern ihre Kinder zu Werbezwecken instrumentalisieren und ihre Privatsphäre nicht ausreichend schützen. Wirtschaftliche Ausbeutung kann die Folge sein, wenn die Grenze zwischen Freizeitspaß und Kinderarbeit überschritten wird. Werden private Aufnahmen und persönliche Informationen in sozialen Netzwerken geteilt, steigt für Kidfluencer zudem das Risiko, Opfer von Cybermobbing oder Cybergrooming zu werden.
Soll ich meinem Kind erlauben, selbst Creator zu werden?
Wir empfehlen, Kinder bei ihren Ambitionen zu unterstützen, aber klare Spielregeln festzulegen:
Erwartungen abklären:
Erklären Sie Ihrem Kind, dass professionelle Creator – ob auf TikTok, Instagram oder YouTube – viel Zeit (Konzept, Dreh, Schnitt, Vertonung etc.) und Geld (zum Beispiel für neues Equipment) in die Hand nehmen müssen. Zusätzlich braucht es auch eine ordentliche Portion Glück, um richtig erfolgreich zu werden. Sprechen Sie auch darüber, was es bedeutet, berühmt zu sein. Influencer stehen unter großem Druck, ihre Fans zu unterhalten, müssen mit viel Konkurrenz zurechtkommen und sind ständig der Beobachtung und Bewertung durch andere ausgesetzt
Privatsphäre schützen:
Achten Sie darauf, dass der Benutzername in den sozialen Netzwerken keinen Rückschluss auf Alter, Wohnort oder Schule Ihres Kindes zulässt. Vorsicht auch bei der Umgebung, in der gefilmt wird: Besonders in der eigenen Wohnung sollte darauf geachtet werden, dass kein Rückschluss auf Wohnadresse und -situation (Wertgegenstände) möglich ist. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass Videos vorerst nur als „privat“ (oder „nicht gelistet“ auf YouTube) veröffentlicht werden – so können diese nur von ausgewählten Nutzer:innen angeschaut werden.
Urheberrechte beachten:
Soll ein Video mit urheberrechtlich geschützter Musik hinterlegt bzw. mit Filmsequenzen aufgepeppt werden, muss vorher unbedingt die Erlaubnis der Rechteinhaber:innen eingeholt werden – es drohen sonst teure Abmahnungen! Da dies nur selten möglich ist, empfehlen wird, stattdessen Inhalte mit Creative-Commons-Lizenz zu verwenden.
Rechte und Privatsphäre Dritter wahren:
Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es in seinen Videos keine anderen Personen ohne deren Einverständnis zeigen darf – das gilt auch für jüngere Geschwister oder Freund:innen. Bei Aufnahmen von Personen unter 14 Jahren muss besonders darauf geachtet werden, dass deren Persönlichkeitsrechte (zum Beispiel das Recht am eigenen Bild) und Datenschutzrecht nicht verletzt werden. Die Personen in Prank-Videos (Streichen) sollten auf jeden Fall anonymisiert werden. Falls sich Personen, die in den Videos abgebildet sind, darüber beschweren, müssen diese unbedingt gelöscht werden!
Sprechen Sie offen über Ihre Bedenken, schaffen Sie aber auch eine gute Gesprächsbasis und unterstützen Sie Ihr Kind bei seinen ersten Schritten. Influencer zu werden kann ein durchaus kreativer Prozess mit viel Lernpotenzial sein – und oft verschwindet das Interesse auch, sobald Kinder merken, wie viel Arbeit dahintersteckt.