Wie kann man Kinder beim Umgang mit problematischen Onlineinhalten unterstützen?
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Thematisieren & Ansprechperson sein: | Sprechen Sie regelmäßig über problematische Inhalte und signalisieren Sie, dass Kinder jederzeit zu Ihnen kommen können. |
Einordnen & sachlich erklären: | Problematische Inhalte können Angst oder Wut auslösen. Erklären Sie sachlich und empathisch, ohne zusätzlich zu verunsichern. |
Handlungsmöglichkeiten: | Zeigen Sie den Kinder Strategien, um solche Inhalte zu vermeiden oder zu verarbeiten und Gruppendruck zu widerstehen. |
Welche Inhalte sind für Kinder und Jugendliche problematisch?
Heranwachsende werden im Internet immer wieder mit Inhalten konfrontiert, die zu Verunsicherung führen und vor allem jüngeren Kindern auch Angst machen können. Dazu zählen etwa:
- Gewaltdarstellungen, zum Beispiel Bilder und Videos von Kriegen, Anschlägen, Katastrophen, sexueller Gewalt, Misshandlungen oder Tierquälerei
- Pornografische Inhalte, die ein verzerrtes Bild von Sexualität, Körpern und Beziehungen vermitteln
- Schock- und Gruselinhalte, insbesondere in Form von Kettenbriefen
- Radikale und extremistische Inhalte, die Hass und Gewalt propagieren
Verbotene Inhalte
Bestimmte Inhalte, die beispielsweise sexuelle Darstellungen Minderjähriger oder Hass und Mobbing beinhalten, sind gesetzlich verboten und können strafbar sein. Sensibilisieren Sie Kinder und Jugendliche dafür und gehen Sie gegen rechtswidrige Inhalte im Internet vor!
Warum konsumieren Kinder und Jugendliche problematische Inhalte?
Darüber stolpern:
Vor allem jüngere Kinder im Volksschulalter suchen in der Regel noch nicht gezielt nach solchen Inhalten, sondern stolpern zufällig darüber oder bekommen diese von Älteren zugeschickt.
Sozialer Druck:
Oft werden die Inhalte nicht aus Eigeninteresse konsumiert, sondern weil man dazugehören will. Auch als Mutprobe werden problematische Inhalte an andere weitergegeben.
Lust am Verbotenen:
Viele Jugendliche handeln aus Neugier oder weil sie mit ihrem Verhalten ganz bewusst provozieren und schockieren wollen. Dieses Austesten von Grenzen ist ein normaler Aspekt des Heranwachsens.
Eigene Traumata:
Manchmal versuchen Kinder und Jugendliche, die selbst Gewalt erlebt haben, ihre eigenen traumatischen Erlebnisse durch den Konsum solcher Inhalte zu verarbeiten. Allerdings kann dies zu einer Retraumatisierung führen.
Problematische Inhalte in sozialen Netzwerken
In sozialen Netzwerken werden Kinder und Jugendliche besonders häufig mit verstörenden Bildern und Videos konfrontiert, selbst wenn sie nicht aktiv danach suchen. Algorithmen können dafür sorgen, dass solche Beiträge vermehrt im Newsfeed auftauchen und inhaltlich immer extremer werden. Insbesondere bei Kriegen, Katastrophen oder in anderen Krisensituationen werden die Plattformen geradezu geflutet mit entsprechenden Inhalten, auf die Heranwachsende dann oft unvermittelt stoßen.
So helfen Sie beim Umgang mit ungeeigneten Inhalten
Thematisieren:
Sprechen Sie auch ohne konkreten Anlass über problematische Inhalte im Internet. Informieren Sie sachlich, aber altersgerecht über entsprechende Themen und vermeiden Sie es, spezifische Inhalte oder Seiten zu nennen, um nicht erst recht das Interesse daran zu wecken.
Als Ansprechperson zur Verfügung stehen:
Signalisieren Sie Ihren Kindern bzw. Schüler:innen, dass sie jederzeit zu Ihnen kommen können, falls sie Bilder, Videos oder Nachrichten im Internet verunsichern oder ängstigen. Fragen Sie von Zeit zu Zeit aktiv nach, ob sie über bestimmte Inhalte reden möchten.
Beim Einordnen helfen:
Ungeeignete Inhalte können Gefühle auslösen, die schwer zu benennen sind und überfordern. Nehmen Sie diese Gefühle ernst und reagieren Sie empathisch. Analysieren Sie gemeinsam, welche Emotionen die Inhalte auslösen und fragen Sie Ihre Kinder bzw. Schüler:innen, was sie über das Thema wissen wollen.
Sachlich erklären:
Auch wenn bestimmte Inhalte bei Ihnen selbst Empörung oder Sorgen auslösen: Lassen Sie sich nicht von Ihren Emotionen mitreißen. Ordnen Sie zunächst Ihre eigenen Gefühle und bleiben Sie möglichst sachlich, um nicht zusätzliche Verunsicherung zu stiften. Wenn das Thema komplex ist oder die Kinder sehr jung sind, kann es helfen, gute Erklärungen vorab zu recherchieren.
Handlungsmöglichkeiten aufzeigen:
Besprechen Sie, welche Strategien es gibt, um mit ungeeigneten Inhalten umzugehen – zum Beispiel Fotos und Videos, die über Messengerdienste und dergleichen empfangen wurden, zu löschen, gar nicht erst anzuschauen und die Inhalte nicht weiterzuverbreiten. Helfen Sie Jugendlichen auch dabei, die Mechanismen sozialer Netzwerke zu verstehen und aus der eigenen Filterblase auszubrechen.
Gemeinsam verarbeiten:
Vor allem jüngere Kinder brauchen Unterstützung, um verstörende Inhalte zu verarbeiten und Ängste abzubauen – etwa, indem Sie immer wieder mit ihnen darüber sprechen und die Hintergründe erkunden. Auch Geschichten, Rollenspiele oder gemeinsames Zeichnen können hilfreich sein. Älteren kann es helfen, gezielt lustige und positive Inhalte zu konsumieren oder Entspannungsübungen zu machen, um wieder zur Ruhe zu kommen.
Das Selbstbewusstsein stärken:
Vermitteln Sie Kindern und Jugendlichen, dass es auch mutig ist, „Nein“ zu sagen und dem Gruppendruck standzuhalten – etwa, wenn problematische Inhalte im Rahmen von Challenges und Mutproben verbreitet werden.
Informationskompetenz stärken:
Viele Inhalte sind deshalb problematisch, weil sie auf unwahren Informationen fußen und dadurch für große Verunsicherung sorgen. Helfen Sie Kindern und Jugendlichen, Informationskompetenz zu entwickeln, um solche Inhalte richtig einschätzen zu können.
Zugang regeln:
Bei jüngeren Kindern können technische Filter und Sperren zum Schutz vor ungeeigneten Inhalten sinnvoll sein. Je älter die Kinder werden, umso eher können sie diese umgehen und umso wichtiger wird es, darüber zu reden und sinnvolle Regeln zu vereinbaren.
Vermeiden Sie Vorwürfe!
Auch wenn Ihr Kind bewusst ungeeignete Inhalte konsumiert hat: Bewahren Sie einen kühlen Kopf und vermeiden Sie Vorwürfe. Erklären Sie, warum Sie die Inhalte nicht gut finden, aber reagieren Sie nicht mit Strafen und Verboten – Sie könnten sonst Ihre Rolle als Ansprechperson verlieren!