Wie kann man Kindern beim Umgang mit Kettenbriefen helfen?
Weitere Infos zu: Handy & InternetSoziale NetzwerkeDas Wichtigste im Überblick
Unterstützen: | Zeigen Sie den Kindern, dass sie mit Kettenbriefen nicht allein sind. Nehmen Sie Ängste ernst und sprechen Sie offen darüber. |
Erklären: | Machen Sie Ihrem Kind verständlich, dass Kettenbriefe erfunden sind und nichts passiert, wenn man sie nicht weiterschickt. |
Regeln vereinbaren: | Besprechen Sie, welche Nachrichten nicht weitergeleitet werden dürfen – vor allem angstmachende oder unter Druck setzende Inhalte. |
Was Sie in diesem Beitrag finden
Was sind Kettenbriefe?
Kettenbriefe sind Nachrichten, die vor allem über soziale Netzwerke und Messenger wie WhatsApp verbreitet werden. Sie fordern dazu auf, die Nachricht an viele Kontakte weiterzuleiten – meist verbunden mit Drohungen, Glücksversprechen oder moralischem Druck.
Während manche Kettenbriefe harmlos oder witzig wirken, können andere Kinder stark verunsichern. Gruselgeschichten und Todesdrohungen sind besonders belastend – vor allem, wenn sie in Form von Sprachnachrichten, Bildern oder Videos verbreitet werden. Werden diese Inhalte mithilfe von KI erstellt, kann die Gefahr noch realer wirken. Aber auch scheinbar nette Nachrichten können Druck erzeugen, wenn sie das Weiterschicken als Freundschaftsbeweis verlangen.
Verschiedene Arten von Kettenbriefen
- Angstmachende Kettenbriefe, die bedrohlich wirken („Wenn du das nicht weiterschickst, passiert dir etwas Schlimmes!“) und oft mit erfundenen Gruselgeschichten oder -figuren aufwarten (zum Beispiel. „Momo“).
- Glücksversprechen, die Glück, Geld, Liebe oder Erfolg versprechen („Wenn du das an 10 Freunde schickst, hast du morgen Glück!“).
- Freundschaftskettenbriefe, die an Zusammenhalt oder Freundschaft appellieren („Wenn wir Freundinnen sind, schick das weiter!“) und dadurch sozialen Druck erzeugen können.
- Falsche Hilfs- oder Spendenaufrufe, die soziales Engagement vortäuschen („Für jedes Weiterleiten spendet WhatsApp 1 €!“).
- Betrügerische Kettenbriefe, die mit sensationellen Inhalten, Gewinnspielen oder Gutscheinen locken („Adidas verschenkt Gratis-Schuhe zum Jubiläum – klick hier!“), hinter denen sich meist Datenklau, Abo-Fallen oder Schadsoftware verbergen.
- Fake News oder Warnkettenbriefe, die vor angeblichen Gefahren warnen („Vorsicht, neue Virusnachricht löscht dein Handy!“) oder Gerüchte streuen und so Panik oder Misstrauen erzeugen.
- Challenges und Mutproben-Kettenbriefe, die zu riskantem oder gefährlichem Verhalten auffordern („Mach das und poste es!“) und mit Drohungen verbunden sein können.
- Religiöse oder spirituelle Kettenbriefe, die göttlichen Schutz versprechen oder mit Unglück drohen („Leite das weiter, sonst verlierst du Gottes Segen!“).
Beispiele für Kettenbriefe
Angstmacher:
„Hallo ich bin momo und ich bin vor drei Jahren gestorben. Wenn du nicht möchtest, dass ich heute nacht zu dir komme dann sende diese Nachricht an 15 Kontakte weiter. Du glaubst mir nicht? Angelina 11 hielt diese Nachricht für Fake und schickte sie nicht weiter. In der Nacht hörte sie Geräusche in ihrem zimmer und wollte nachschauen doch auf einmal rannte etwas auf sie zu. Am nächsten morgen war sie tot.“
Sozialbarometer:
„Ich schicke dir das, weil du einer meiner besten Freundinnen bist. Morgen wird zwischen 10:00 und 13:00 etwas Süßes passieren. Du musst diese Nachricht aber an 8 gute Freundinnen schicken. Nimm das sehr ernst. Wir werden sehen, ob ich einer deiner besten Freunde bin!!!“
Gebührenschreck:
„Am Samstag wird WhatsApp in Rechnung gestellt. Wenn Sie mindestens 10 Kontakte haben, senden Sie ihnen diese Nachricht. Auf diese Weise sehen sie, dass Sie ein regelmäßiger Benutzer sind und Ihr Logo wird blau und ist kostenlos. Andernfalls aktiviert WhatsApp die Abrechnung.“
Vor allem Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren erhalten immer wieder Kettenbriefe, deren Inhalte sie nicht richtig einschätzen können. In ihrer Unsicherheit schicken sie oft alles weiter und tragen so zur Verbreitung von Kettenbriefen bei. Diese Dynamik gilt es zu unterbrechen!
Tipps, um Kinder beim Umgang mit Kettenbriefen zu unterstützen
Thematisieren:
Sprechen Sie das Thema Kettenbriefe von sich aus an, auch ohne auf einen konkreten Anlassfall zu warten.
Nachfragen:
Fragen Sie immer wieder einmal nach, ob Ihr Kind in letzter Zeit Kettenbriefe (zum Beispiel angsteinflößende WhatsApp-Nachrichten) bekommen hat oder welche Nachrichten gerade in der Klasse im Umlauf sind.
Ängste ernst nehmen:
Wenn ein Kind sich Sorgen macht, dass es selbst oder eine nahestehende Person sterben könnte oder dass es in der Klasse unbeliebt wird, sind diese Ängste ganz real und oft auch sehr mächtig. Signalisieren Sie dem Kind, dass es jederzeit zu Ihnen kommen kann, falls ihm ein Foto, ein Video oder eine Nachricht Angst macht.
Erklären:
Erklären Sie das Prinzip von Kettenbriefen und versichern Sie, dass man diese nicht ernst nehmen muss. Kindern ist oft nicht bewusst, was dahintersteckt und dass nichts Schlimmes passiert, wenn man solche Nachrichten nicht weiterleitet. Vielleicht hilft es auch, mit Erzählungen aus Ihrer eigenen Kindheit zu beweisen, dass Ihnen kein Unglück wiederfahren ist, obwohl Sie Kettenbriefe damals ignoriert haben.
Regeln vereinbaren:
Besprechen Sie, welche Kettenbriefe man weiterschicken darf und welche nicht. Machen Sie klar, dass man angstmachende Nachrichten keinesfalls weiterverbreiten sollte, da sonst noch mehr Kinder Angst bekommen.
Ruhe bewahren:
Bleiben Sie im Anlassfall ruhig und reagieren Sie nicht mit Vorwürfen oder Verboten – sonst könnte es sein, dass sich das Kind beim nächsten Mal nicht wieder an Sie wendet.