Worauf muss man bei der Nutzung sozialer Netzwerke in der Schule und Jugendarbeit achten?
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Ziele und Kanäle klären: | Überlegen, warum soziale Netzwerke genutzt werden und welche Plattformen für Jugendliche geeignet sind. |
Regeln und Schutzmaßnahmen festlegen: | Datenschutz, Urheberrechte, respektvollen Umgang und Krisenmanagement beachten. |
Partizipation und Professionalität sichern: | Jugendliche einbeziehen, klare Rollen für Fachkräfte definieren, Berufliches und Privates trennen. |
Was Sie in diesem Beitrag finden
Sollte man in der Arbeit mit Jugendlichen soziale Netzwerke nutzen?
Die Auseinandersetzung mit Plattformen, die bei Jugendlichen aktuell beliebt sind, kann Ihnen wertvolle Einblicke in die Lebenswelt junger Menschen gewähren. Darüber hinaus eröffnet die Nutzung sozialer Netzwerke in der Schule oder in der Jugendarbeit verschiedene Chancen und Möglichkeiten:
- Kommunikation und Zusammenarbeit, etwa im Rahmen von Chats, Online-Klassengruppen oder Lernplattformen.
- Ermöglichung von Teilhabe, indem Jugendliche beispielsweise Inhalte aktiv mitgestalten oder digitale Räume als Treffpunkte nutzen können, die jederzeit und von überall erreichbar sind (zum Beispiel über Discord).
- Umsetzung kreativer Projekte wie Videos oder Podcasts.
- Stärkung digitaler Kompetenzen, etwa durch die Gestaltung kreativer Projekte und die praxisnahe Auseinandersetzung mit Themen wie Datenschutz, Selbstdarstellung, Fake News, Algorithmen etc.
- Öffentlichkeitsarbeit, beispielsweise durch die Präsentation von Projekten oder die Ankündigung von Aktivitäten.
Die Nutzung sozialer Netzwerke kann auch Herausforderungen mit sich bringen. Dazu zählen Fragen zu Datenschutz und Urheberrechten ebenso wie die Gefahr von Cybermobbing. Es ist daher wichtig, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen und klare Regeln für den Umgang mit den entsprechenden Plattformen aufzustellen.
Leitlinien für die Nutzung sozialer Netzwerke
Folgende Leitfragen können bei der Entscheidung helfen, ob und welche sozialen Netzwerke in der Schule oder Jugendarbeit genutzt werden:
Nutzen und Ziele:
Wofür möchten wir soziale Netzwerke konkret nutzen? Welchen pädagogischen und/ oder organisatorischen Mehrwert sehen wir (zum Beispiel Information, Kommunikation, Medienbildung ...)? Was ist unser Fokus und wen wollen wir erreichen?
Passende Kanäle:
Welche Plattformen nutzen die Jugendlichen tatsächlich? Welche eignen sich für unsere Zwecke (zum Beispiel Austausch, Beteiligung, Öffentlichkeitsarbeit …)?
Rahmenbedingungen:
An welche rechtlichen und organisatorischen Vorgaben sind wir gebunden (zum Beispiel Datenschutzregelungen, Hausordnung und Richtlinien der Schule oder Trägerorganisation)? Welche Plattformen können wir (nicht) nutzen (zum Beispiel aufgrund interner Vorgaben oder gesetzlichem Mindestalter)?
Infrastruktur und Ressourcen:
Welche Ressourcen stehen uns zur Verfügung – sowohl personell als auch technisch-infrastrukturell (zum Beispiel Geräte, Dienstaccounts, WLAN)? Welche Regeln gelten für die Nutzung unserer Geräte und Infrastruktur?
Umgang mit Inhalten:
Wie gehen wir mit Beiträgen Dritter um (zum Beispiel Kommentare, geteilte Inhalte)? Wer trägt intern die Verantwortung für Inhalte und Moderation? Wie sichern wir einen respektvollen Umgang und den Schutz der Jugendlichen (auch in Bezug auf die Veröffentlichung von Fotos auf internen Kanälen)?
Reaktion im Krisenfall:
Wie reagieren wir auf problematische Situationen – etwa bei beleidigenden Kommentaren, Shitstorms, Cybermobbing oder wenn Jugendliche rechtswidrige Inhalte verbreiten?
Überlegen Sie bereits vorab, ob alle Jugendlichen Zugang zu den genutzten Netzwerken haben. Insbesondere im schulischen Umfeld ist es wichtig, dass keine Schüler:innen ausgeschlossen werden, weil sie eine bestimmte Plattform nicht nutzen dürfen oder möchten. Achten Sie darauf, gegebenenfalls Alternativen zur Verfügung zu stellen, um allen eine Teilhabe zu ermöglichen.
Beziehen Sie in Ihre Überlegungen zur Nutzung sozialer Netzwerke möglichst alle Beteiligten mit ein
Klare Vorgaben und die Möglichkeit, Regeln mitzugestalten, können die Wirksamkeit und Akzeptanz bei Jugendlichen bzw. deren Eltern erhöhen. Entsprechende Leitlinien im Kollegium abzustimmen, schafft nicht nur Transparenz, sondern kann auch in problematischen Situationen helfen – etwa durch ein einheitliches Vorgehen bei Konflikten.
Tipps für pädagogische Fachkräfte zum Umgang mit sozialen Netzwerken
Trennen Sie Beruf und Privatleben:
Achten sie darauf, eine Grenze zwischen Ihrer pädagogischen Rolle und Ihnen als Privatperson zu ziehen, etwa indem sie dienstliche und private Accounts klar getrennt halten. Überlegen Sie sich, was Sie wo kommunizieren, damit Ihre persönliche Meinung nicht als offizielle Haltung Ihrer Schule beziehungsweise Organisation wahrgenommen wird.
Vermeiden Sie persönliche Nähe:
Wahren Sie eine professionelle Distanz zu Ihren Jugendlichen – etwa, indem Sie sich mit diesen nur über offizielle Kommunikationskanäle Ihrer Schule beziehungsweise Organisation austauschen und nicht über soziale Netzwerke befreunden. Nehmen Sie Freundschaftsanfragen beispielsweise nur von ehemaligen Schüler:innen an und achten Sie darauf, dass nicht der Anschein zu großer Nähe zu einzelnen Personen entsteht.
Regeln Sie Ihre Erreichbarkeit:
Legen Sie für sich selbst klare Regeln fest, wie und wann Sie online kontaktiert werden können. Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, jederzeit erreichbar zu sein – wichtig ist, dass die Jugendlichen Bescheid wissen, welche Ansprechpersonen Ihnen wann zur Verfügung stehen und an wen sie sich im Notfall wenden können.
Schützen Sie Ihre Privatsphäre:
Machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie online auftreten möchten und was Sie veröffentlichen. Überlegen Sie: Wie gehe ich mit privaten Inhalten im Internet um? Welche Inhalte sind okay, welche nicht? Wer kann welche Inhalte sehen? Überprüfen Sie auch Ihre Privatsphäreeinstellungen in sozialen Netzwerken, um anderen möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten!
Bereiten Sie sich auf Krisenfälle vor:
Überlegen Sie, was Sie tun können, wenn Sie online auf Krisen oder bedenkliches Verhalten von Jugendlichen aufmerksam werden oder aktiv darauf angesprochen werden (zum Beispiel Cybermobbing, selbstschädigendes Verhalten oder Hasspostings). Überlegen Sie auch Strategien, falls sich Jugendliche – zum Beispiel aus Spaß oder Frust – Ihnen gegenüber übergriffig oder verunglimpfend verhalten.
Gerade in problematischen Situationen stellen soziale Netzwerke und Messenger für Jugendliche eine niederschwellige Möglichkeit zur Kontaktaufnahme dar. Für persönliche Gespräche und Beratungen zu sensiblen Themen sollten solche Plattformen allerdings vor allem aus Datenschutzgründen nit genutzt werden – weichen Sie dafür besser auf abgesicherte Systeme oder persönliche Gespräche aus!
Worauf muss ich achten, wenn ich mit Jugendlichen Inhalte für soziale Netzwerke erstelle?
Wenn Sie Jugendliche Inhalte für YouTube, TikTok, Instagram & Co. erstellen lassen, sollten Sie folgende Punkte beachten – insbesondere, wenn das Ergebnis auf offiziellen Social-Media-Kanälen Ihrer Schule bzw. Organisation veröffentlicht wird:
Urheberrecht:
Wollen die Jugendlichen ihre Beiträge oder Videos mit Musik hinterlegen oder mit Grafiken aufpeppen, müssen Sie unbedingt auf Inhalte mit entsprechender Creative Commons-Lizenz achten – Sie könnten sonst Urheberrechte verletzen!
Recht am eigenen Bild:
Achten Sie darauf, dass das Recht am eigenen Bild gewahrt wird und alle Personen so dargestellt werden, dass ihnen später daraus kein Nachteil entstehen kann – allen voran den Jugendlichen selbst. Vor der Veröffentlichung sollten alle Abgebildeten um ihr Einverständnis gefragt werden. Überlegt es sich jemand später anders, sollten Sie das unbedingt berücksichtigen und den Beitrag bzw. das Video wieder aus den entsprechenden Social-Media-Kanälen löschen.
Moderation:
Sorgen Sie dafür, dass die Kommunikation rund um die veröffentlichten Inhalte respektvoll abläuft und verlässlich moderiert wird – beispielsweise, indem neue Kommentare regelmäßig überprüft werden, um auf negatives Feedback entsprechend reagieren zu können.