Übung: „Die Gruppen-Challenge"
| Thema | Kollektive Identitäten im Netz |
| Broschüre | Selbstdarstellung von Mädchen und Jungs im Internet (Thema 10) |
| Alter | ab der 9. Schulstufe |
| Unterrichtsfächer | Bildnerische Erziehung, Deutsch, Mathematik, fächerübergreifend |
| Digitale Grundbildung | Gesellschaftliche Aspekte von Medienwandel und Digitalisierung, Digitale Kommunikation und Social Media |
| Dauer | 3 UE + Hausübung |
Ziele
- Über Gruppendynamiken in Online-Gruppen reflektieren
- Gruppen als Orte der Selbstdarstellung von Personen erkennen
Achtung
Diese Übung ist nur sinnvoll, wenn keine Konflikte in der Klasse schwelen und kein Cyber-Mobbing-Vorfall im Gange ist bzw. stattgefunden hat.
Ablauf
Die SchülerInnen analysieren Gruppen in Sozialen Netzwerken und stellen Verhaltensregeln auf.
Phase 1 - Analyse
Die Klasse teilt sich in Gruppen auf. Jede Gruppe bearbeitet eine Gruppe in WhatsApp, Snapchat, Instagram oder einem anderen Sozialen Netzwerk. In jeder Online-Gruppe sollten mindestens drei SchülerInnen aktiv sein und diese schon länger als ein halbes Jahr gut funktionieren. Folgende Fragen werden nun von den SchülerInnen beantwortet:
- Wer kommuniziert in der Gruppe wie und mit wem?
- Ohne welche Person(en) würde die Gruppe nicht existieren?
- Wie präsentieren sich die Gruppenmitglieder? Wie stellen sie sich in der Gruppe dar? Gibt es hier geschlechterspezifische Unterschiede?
- Gibt es eine Geschichte zur Entstehung der Gruppe?
Phase 2 – Auswertung
Die Auswertung kann in unterschiedlicher Form umgesetzt werden – in der Gruppe oder als Hausübung:
- Mathematik: Statistiken über die Aktivitäten der Gruppenmitglieder, z. B. nach Aktivität und Geschlecht gegliedert
- Bildnerische Erziehung: grafische Darstellung der Interaktionen der TeilnehmerInnen
- Deutsch: sprachliche Analyse, wer sich wie auf wen bezieht und welche Sprachen in der Gruppe genutzt werden
Phase 3 - Netiquette-Regeln in der Gruppe
Basierend auf den Auswertungen erstellt jede Gruppe eine „Netiquette“ (Liste mit Dos and Don'ts):
- Wie verhalten wir uns in der Gruppe? Wie wollen wir uns (nicht) verhalten?
- Welche Aufgaben hat die Person, die die Gruppe gegründet hat?
- Wer darf wen wann rausschmeißen?
- Was tun wir, wenn wir merken, dass jemand gemobbt oder ausgegrenzt wird? Woran können wir so etwas erkennen?
- Was ist Spam und was hat in der Gruppe nichts zu suchen? Wie gehen wir mit nervigen Kettenbriefen bzw. Massensendungen um?
Hintergrundinformation: Kollektive Identitäten im Netz
Soziale Netzwerke leben vom Miteinander. Jugendliche haben hier verschiedene Möglichkeiten, ihre Gruppenzugehörigkeit auszudrücken und sich selbst als Teil eines größeren Ganzen zu präsentieren. Dies trägt entscheidend dazu bei, die eigene Identität zu entwickeln und zu festigen.
„Ausgeschlossen sind die, die nicht dabei sind im Sozialen Netzwerk.“ Schüler, 15 Jahre
Formen von kollektiver Identität im Internet
Beispiele für Formen kollektiver Identität sind:
- Paar- und Gruppenfotos, auch als Profilbilder
- Beziehungsstatus
- FreundInnen-Netzwerk - wer wird als FreundIn bzw. Freund aufgenommen, wer nicht?
- gemeinsame Interessen, Erlebnisse und Besuche von bestimmten Orten
- Austausch in Gruppen, neue Gruppen gründen
- gegenseitig in die Chronik posten
- Chatten
- Inhalte anderer liken, kommentieren, teilen, in der Story abbilden
- „Insiderwitze“, Links, Anspielungen etc., die nur bestimmte Personen verstehen können
- Markierungen auf Fotos und in Beiträgen
In den Unterricht einbinden
- Diskutieren Sie mit Ihren SchülerInnen den Wert von Gruppen in Sozialen Netzwerken: Warum sind sie wichtig? Wozu dienen sie? Haben alle SchülerInnen dieselben Möglichkeiten, an Diskussionen in Online-Gruppen der Klasse teilzunehmen? Können diese Gruppen auch Vorteile für die Schule haben (z. B. Unterstützung beim Lernen)? Was passiert mit jenen, die nicht Teil der Gruppe sind?
- Ermutigen Sie Ihre SchülerInnen, ihre Gruppen von Zeit zu Zeit „auszumisten“. Vor allem, wenn die SchülerInnen gerne Spaß-Gruppen, wie „Alle Lehrer sind doof“, beitreten. In einer bestimmten Situation kann das lustig sein, es kann aber auch ein schlechtes Bild auf die Person werfen.
Unterrichtsmaterial: Selbstdarstellung von Mädchen und Jungs im Internet
Das Unterrichtsmaterial „Selbstdarstellung von Mädchen und Jungs im Internet“ soll Kinder und Jugendliche zur Reflexion des eigenen Image-Managements und von festgefahrenen Stereotypen anregen.
Veröffentlichung: Januar 2021