Übung: „Umfrage zur Privatsphäre"
| Thema | Was ist privat, was öffentlich? |
| Broschüre | Selbstdarstellung von Mädchen und Jungs im Internet (Thema 13) |
| Alter | ab der 8. Schulstufe |
| Unterrichtsfächer | Deutsch, Mathematik, Projektarbeit (VWA) |
| Digitale Grundbildung | Gesellschaftliche Aspekte von Medienwandel und Digitalisierung, Informations-, Daten- und Medienkompetenz, Digitale Kommunikation und Social Media |
| Dauer | 4–5 UE |
Ziele
- Reflexion über den Begriff der Privatsphäre aus verschiedenen Perspektiven
- Ein eigenes Umfrageprojekt durchführen
Ablauf
Die SchülerInnen führen eine Umfrage zum Thema Privatsphäre mit möglichst unterschiedlichen Personen durch.
Phase 1 - Entwurf
Die Klasse einigt sich auf die Fragestellungen und die Art der Durchführung (z. B. online, telefonisch oder persönlich). Die SchülerInnen sollten darauf achten, möglichst heterogene Gruppen hinsichtlich Alter, Geschlecht und Erfahrung mit Sozialen Netzwerken zu befragen. Beispiele:
- LehrerInnen mit und ohne Interneterfahrung
- Eltern mit und ohne Interneterfahrung; besorgt und weniger besorgt
- Schülerinnen unterschiedlicher Schulstufen; mit vielen oder wenigen Freundinnen in Sozialen Netzwerken
Phase 2 – Durchführung
Die SchülerInnen teilen sich in Gruppen auf. Jede Gruppe übernimmt einen der vorab definierten Personenkreise. Die Befragung kann beispielsweise anhand einzelner Situationen durchgeführt werden. Die befragte Person gibt eine Einschätzung ab, ob sie diese als privat oder nicht-privat einstuft. Beispiele:
- Posten eines Partyfotos
- Posten des Geburtsdatums
- Person ist traurig und postet etwas dazu
- Posten, was die eigenen Kinder/Eltern gestern gemacht haben
- Posten, was man gerade gegessen hat
Im Rahmen der Befragung können auch technische Einstellungen zur Privatsphäre thematisiert werden:
- Können diese verlässlich regeln, wer welche geposteten Inhalte sehen kann?
- Welche Einstellungen sollten unbedingt vorgenommen werden?
Phase 3 – Auswertung
Die Umfragen werden in den Gruppen statistisch ausgewertet und der Klasse vorgestellt. Die SchülerInnen diskutieren nun gemeinsam, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Einschätzung der Privatsphäre bei den befragten Gruppen liegen.
Phase 4 – Präsentation
Die Ergebnisse werden in Form einer gemeinsamen Präsentation, eines Plakates, eines Videos o. Ä. umgesetzt und der (Schul-)Öffentlichkeit präsentiert. Dabei wird vor allem auf die Unterschiede eingegangen (z. B. Jung versus Alt, Frauen versus Männer).
Hintergrundinformation: Was ist privat, was öffentlich?
Jugendliche haben ihre eigene Definition von Privatsphäre. Während Erwachsene darin eher die Abgrenzung von Beruf und Privatleben sehen, geht es den Jugendlichen um die Abgrenzung zu den Eltern oder Lehrpersonen. Sie möchten Geheimnisse haben dürfen und selbst bestimmen, mit wem sie diese teilen.
„Privat ist, was die Eltern nicht sehen sollen.“ Schüler, 15 Jahre
Auch wenn Jugendliche die eigene Privatsphäre sehr wichtig finden, heißt dies keineswegs, dass sie auch entsprechend handeln. Obwohl die Jugendlichen wissen, dass ihnen so mancher geposteter Inhalt Probleme bringen kann, posten sie ihn trotzdem. In der Wissenschaft wird dieses Phänomen „Privacy-Paradox“ genannt.
Tipps für den Schutz der Privatsphäre im Internet
- Nichts veröffentlichen, das zum eigenen Nachteil werden kann.
- Persönliche Daten wie Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum etc. nicht leichtfertig preisgeben.
- Die Privatsphäre-Einstellungen in Sozialen Netzwerken nutzen und regelmäßig überprüfen.
- Fremde nicht ohne Gegencheck als FreundIn hinzufügen; Freundeslisten ggf. in Gruppen gliedern.
- Sichere Passwörter verwenden und regelmäßig erneuern.
In den Unterricht einbinden
- Führen Sie mit Ihren SchülerInnen ein Rollenspiel durch: In einer Talkshow wird das „Privacy- Paradox“ diskutiert. Besetzen Sie die Moderatorin bzw. den Moderator sowie vier jugendliche DiskutantInnen (z. B. mit öffentlichem Instagram-Profil und riskantem Online-Verhalten/mit sehr sorgsamer Online-Nutzung/mit Sorge vor der NSA/mit dem Wunsch, berühmt zu werden).
- Diskutieren Sie mit Ihren SchülerInnen den Privatsphäre-Begriff und entwickeln Sie eine gemeinsame Definition.
- Diskutieren Sie, ob, wann und in welcher Form Lehrende mit SchülerInnen in einem Sozialen Netzwerk in Kontakt sein sollten. Wo könnte es Probleme geben?
Machen Sie den Selbsttest!
Diskutieren Sie mit Ihren KollegInnen: Wo liegt Ihre persönliche Grenze zwischen Beruf und Privatleben? Wie wirkt sich diese auf Ihr eigenes Online-Verhalten aus?
- Saferinternet.at – Häufige Fragen & Antworten zum Datenschutz im Internet
- Mimikama – Lernvideos für die Sekundarstufe 1 und 2
Unterrichtsmaterial: Selbstdarstellung von Mädchen und Jungs im Internet
Das Unterrichtsmaterial „Selbstdarstellung von Mädchen und Jungs im Internet“ soll Kinder und Jugendliche zur Reflexion des eigenen Image-Managements und von festgefahrenen Stereotypen anregen.
Veröffentlichung: Januar 2021