Inhalt (Accesskey 0) Hauptnavigation (Accesskey 1)

Übung: „Das will ich nicht sehen!"

ThemaSexualisierte Gewaltdarstellungen
BroschüreSexualität, Gewalt und digitale Medien (Thema 5)
Alterab 13 Jahren
Dauer1 Stunde

Ziele

  • Gewaltvolle Online-Inhalte einordnen und die eigenen Gefühle benennen können
  • Strategien zum Umgang mit problematischen Inhalten kennen

Ablauf

Die Jugendlichen reflektieren ihre Gefühle und Erfahrungen im Umgang mit (sexuellen) Gewaltdarstellungen im Internet und erarbeiten Strategien zum Umgang mit solchen Inhalten.

Phase 1

Die Jugendlichen notieren jede:r für sich eine Situation, in der sie schon einmal mit (sexuell) gewaltvollen Inhalten im Internet konfrontiert waren. Wer keine selbst erlebte Situation nennen kann oder möchte, kann eine Beispielsituationen wählen.

Achtung

Je nach eigenen Erfahrungen kann die Auseinandersetzung mit diesem Thema sehr belastend sein. Gehen Sie hier sensibel vor und achten Sie darauf, dass die Jugendlichen persönliche Erlebnisse nur dann teilen, wenn sie das selbst möchten!

Phase 2

  • In Kleingruppen oder im Plenum wird nun überlegt:
  • Wie habe ich mich in dieser Situation gefühlt (bzw. wie würde ich mich fühlen)?
  • Warum sind solche Inhalte problematisch und belastend?
  • Wie kann ich mich schützen? (z. B. nicht anschauen und weiterleiten, Inhalte melden, blockieren)
  • Wo bekomme ich Hilfe, wenn mich das Gesehene belastet? (z. B. erwachsene Vertrauenspersonen, Beratungsstelle)

Phase 3

Abschließend halten die Jugendlichen die gesammelten Strategien in Form von bestärkenden Botschaften (z. B.: „Du musst nichts anschauen, was du arg findest – klick es weg!“) auf einem Plakat fest.

Beispielsituationen:

  • Du bekommst ein Video geschickt, in dem eine Person gegen ihren Willen ausgezogen und festgehalten wird.
  • Beim Scrollen auf Social Media erscheint plötzlich ein Clip, in dem eine Person sexuell belästigt wird.
  • In einem Onlinespiel wird eine Szene gezeigt, in der eine Spielfigur misshandelt wird.
  • In deiner Chatgruppe wird ein Link geteilt, der angeblich „krass“ ist – er zeigt aber eine gewaltvolle Sexszene.
  • Du siehst ein Video, in dem eine Person im Freibad heimlich beim Umziehen gefilmt wird.
  • Du erhältst unaufgefordert ein Dickpic.

Hintergrundinformation: Sexualisierte Gewaltdarstellungen

Sexualisierte Gewaltdarstellungen kursieren im Netz in unterschiedlichen Formen und betreffen Kinder und Jugendliche – je nach Alter – in unterschiedlichem Ausmaß. Für junge Kinder können sowohl sexuelle als auch gewaltvolle Medieninhalte überfordernd sein, da sie diese kognitiv und emotional noch nicht angemessen verarbeiten können. Sie werden daher auch Pornos häufig als verstörend empfinden.

Für ältere Jugendlichen können explizite Gewaltdarstellungen und selbst produzierte Inhalte problematisch sein. Ein Beispiel sind sogenannte „Beichtvideos“, in denen Jugendliche vermeintlich freiwillig über intime oder belastende Erlebnisse – darunter auch Erfahrungen mit sexueller Gewalt – berichten. Diese Videos entstehen oft unter Druck, Erpressung oder Nötigung und können traumatisierende Folgen haben.

Bewusste Suche nach Gewaltinhalten

Kinder und Jugendliche, die selbst Gewalt erlebt haben, suchen häufig aktiv nach Gewaltinhalten. Dies kann eine Strategie sein, um die eigenen Erlebnisse einzuordnen oder zu verarbeiten. Das wiederholte Anschauen solcher Inhalte kann allerdings eine Retraumatisierung fördern, weshalb Betroffene möglicherweise professionelle psychologische Unterstützung benötigen. Manchmal konsumieren Jugendliche gewaltvolle Inhalte aber auch aus Neugier oder weil sie mit ihrem Verhalten ganz bewusst provozieren und schockieren wollen. Dieses Austesten von Grenzen ist ein normaler Aspekt des Heranwachsens – wichtig ist hierbei, dass sie das Gesehene mit Bezugspersonen gemeinsam reflektieren und einordnen können.

 WEB_OIAT_Broschuere_Sexualitaet_Gewalt.pdf

Pädagogisches Handbuch: Sexualität, Gewalt und digitale Medien

Tipp

Das Handbuch „Sexualität, Gewalt und digitale Medien“ unterstützt pädagogische Fachkräfte bei der Auseinandersetzung mit Sexualität und sexueller Gewalt im Internet und enthält Übungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Veröffentlichung: September 2025