Übung: „Erpressung mit Deep Nudes: Was tun?"
| Thema | Deep Nudes |
| Broschüre | Sexualität, Gewalt und digitale Medien (Thema 4) |
| Alter | ab 12 Jahren |
| Dauer | 1 Stunde |
Ziele
- Handlungsfähigkeit in kritischen Onlinesituationen stärken
- Strategien zur Selbsthilfe und Unterstützung anderer entwickeln
Ablauf
Die Jugendlichen versetzen sich in die Rolle einer Person, die dem Opfer einer Deep-Nude-Erpressung per Chat helfen soll und verfassen einen fiktiven Beratungsdialog.
Phase 1
Die Jugendlichen erhalten folgende fiktive Chat-Anfrage:
„Bitte helft mir, ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich habe eine Nachricht bekommen, dass es von mir ein Nacktfoto gibt, das veröffentlicht wird, wenn ich nicht 300 € zahle. Aber ich habe nie so ein Bild gemacht! Was kann ich tun?“
Lassen Sie die Jugendlichen zunächst recherchieren, wie man in einer solchen Situation vorgehen kann. Hilfreiche Informationen finden sich z. B. auf Rat auf Draht oder Saferinternet.at.
Phase 2
Nun verfassen die Jugendlichen eine realistische Chatunterhaltung. Dabei dürfen sie wählen, ob sie als Mensch oder als Chatbot agieren. Ziel des Beratungsdialogs ist es:
- die betroffene Person zu beruhigen
- zu erklären, warum es wichtig ist, nicht zu zahlen
- konkrete Handlungsschritte aufzuzeigen (z. B. Beweise sichern, Vorfall melden, Hilfe holen)
Phase 3
Abschließend wird im Plenum besprochen, welche Tipps besonders hilfreich waren und ob es Unterschiede zwischen den Antworten der menschlichen Berater:innen und der Chatbots gab.
Hintergrundinformation: Deep Nudes
Deepfakes sind Audio-, Bild- oder Videoaufnahmen, die mithilfe von KI so manipuliert wurden, dass sie täuschend echt wirken. Sie zeigen Menschen, die etwas sagen oder tun, das in Wirklichkeit nie geschehen ist.
Deep Nudes sind eine spezielle Form von Deepfakes, bei denen Personen in Bildern oder Videos digital „entkleidet“ werden. Dazu zählen auch Face Swaps, bei denen das Gesicht einer Person in bestehendes pornografisches Material eingesetzt wird.
Schätzungen zufolge sind 98 % aller Deepfake-Videos im Internet pornografisch, betroffen sind fast ausschließlich Frauen. Die Folgen für Betroffene sind oft gravierend – sie reichen von Rufschädigung bis zu massiver psychischer Belastung und können auch strafrechtlich relevant sein, etwa bei:
- Cybermobbing – gezielte Bloßstellung und öffentliche Demütigung (§ 107c StGB)
- Sextortion – Erpressung mit den manipulierten Bildern oder Videos (kein eigener Straftatbestand, kann aber u. a. nach § 144 StGB, § 107 StGB oder 105 StGB strafbar sein)
- sexuellen Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger – wenn die Abgebildeten unter 18 Jahre alt sind (§ 207a StGB)
Wie erkennt man Deep Nudes?
Da die Technik immer besser wird, sind Manipulationen immer schwieriger zu erkennen. Recherchieren Sie aktuelle Tipps zum Entlarven von Deepfakes am besten in seriösen Technik- und IT-Medien (z. B. futurezone) und üben Sie mit Kindern und Jugendlichen, wie man Onlineinhalte überprüft (siehe z. B. Saferinternet.at – „Wie überprüfe ich Onlineinhalte?“).
Was können Betroffene tun?
- Sich wehren: Nicht hinnehmen, keine Scham zeigen – die Verantwortung liegt bei den Täter:innen!
- Sofort reagieren: Im Falle von Erpressung z. B. mit einer Nachricht an Freund:innen: „Ich wurde gehackt. Glaubt nicht, was ihr eventuell für Bilder von mir seht – das sind Deepfakes.“
- Melden an Plattformbetreiber, Polizei, Beratungsstellen (z. B. Rat auf Draht oder Internet Ombudsstelle*).
- Beweise sichern mittels Screenshots, URLs, Metadaten.
Link
Safer-Internet-Fachstelle digitaler Kinderschutz – „Factsheet: Deepfakes und sexualisierte Gewalt“
*Rat auf Draht und die Internet Ombudsstelle sind sogenannte „Trusted Flagger“ – also vertrauenswürdige
Hinweisgeber gegenüber bestimmten sozialen Netzwerken. Ihre Meldungen werden dort vorrangig bearbeitet. Es kann daher sinnvoll sein,
problematische Inhalte direkt an diese Stellen zu melden, wenn Unterstützung benötigt wird.
Pädagogisches Handbuch: Sexualität, Gewalt und digitale Medien
TippDas Handbuch „Sexualität, Gewalt und digitale Medien“ unterstützt pädagogische Fachkräfte bei der Auseinandersetzung mit Sexualität und sexueller Gewalt im Internet und enthält Übungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Veröffentlichung: September 2025