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ThemaCybergrooming
BroschüreSexualität, Gewalt und digitale Medien (Thema 8)
Alterab 10 Jahren
Dauer1 Stunde

Ziele

  • Eigenes Bauchgefühl wahrnehmen, einordnen und interpretieren können
  • Handlungssicherheit in unangenehmen Situationen stärken

Ablauf

Die Kinder bzw. Jugendlichen erspüren ihre persönlichen Grenzen in Bezug auf Nähe durch eine Partnerübung und reflektieren, wie sich Grenzverletzungen auch im digitalen Raum zeigen können.

Phase 1

Die Kinder bzw. Jugendlichen tauschen sich in Kleingruppen darüber aus, in welchen konkreten Situationen sie schon einmal ihr eigenes Bauchgefühl wahrgenommen haben (z. B. ein komisches Gefühl, das durch eine Person oder eine Entscheidung ausgelöst wurde).

Phase 2

Nun bilden die Jugendlichen Zweiergruppen und gehen nach und nach in kleinen Schritten aufeinander zu. Nach jedem Schritt wird kurz gestoppt, um nachzufühlen, wie sich die Nähe bzw. Distanz anfühlt. Wenn beide Personen ihr Okay geben, wird der nächste Schritt gemacht. Sobald es einer Person zu nahe ist, wird die Übung beendet. Anschließend kann die Übung Rücken an Rücken wiederholt werden, um zu sehen, ob sich dadurch das Gefühl von Nähe und Distanz ändert.

Phase 3

Abschließend reflektieren die Kinder bzw. Jugendlichen im Plenum, wie sich die Übung angefühlt hat:

  • Wie hat sich „zu nah“ angefühlt? Habe ich dies sofort gespürt oder erst, als es eindeutig zu nahe war?
  • Waren die persönlichen Grenzen unterschiedlich oder bei allen gleich?
  • Macht es einen Unterschied, ob ich die Person sehe oder ob sie von hinten kommt?
  • Könnte so eine Grenze auch bei Kontakten im Internet spürbar sein? Wie könnte es sich dort zeigen, wenn mir jemand zu nahe kommt?

Hintergrundinformation: Cybergrooming

Bei Cybergrooming (auch Online-Grooming) bauen Erwachsene im Internet gezielt eine Vertrauensbeziehung zu Kindern oder Jugendlichen auf, um diese später sexuell zu missbrauchen. In Österreich ist Cybergrooming nach § 208a StGB strafbar, wenn das betroffene Kind jünger als 14 Jahre alt ist.

Mögliche Formen des Missbrauchs

  • Herstellung von intimen Aufnahmen
  • Aufforderung zu sexuellen Handlungen vor der Kamera (Foto, Video, Livestream)
  • Verabredung zu realen Treffen mit der Absicht, sexuelle Handlungen zu erwirken


Die Täter:innen kontaktieren Kinder und Jugendliche überall dort, wo diese unterwegs sind – in sozialen Netzwerken und Onlinespielen, aber auch Messenger-Diensten oder Chatrooms. Entscheidend ist also nicht die Plattform, sondern ob auf die Kontaktaufnahme der Täter:innen eingegangen wird.

Prävention wirkt

Kinder und Jugendliche für Grooming-Strategien zu sensibilisieren, ist sehr wirkungsvoll, um Missbrauchssituationen vorzubeugen. Meist kontaktieren die Täter:innen sehr viele Kinder und Jugendliche gleichzeitig – an jenen, die darauf nicht einsteigen oder sich sogar dagegen wehren, verlieren sie meist schnell das Interesse.

Wichtige Präventionsziele:

  • Das Bauchgefühl schulen, um verdächtiges Verhalten zu erkennen
  • Klare Abwehrstrategien vermitteln (es ist z. B. in Ordnung, Ausreden zu erfinden!)
  • Handlungsmöglichkeiten aufzeigen (melden, Beweise sichern, Anzeige erstatten)

Wer ist besonders gefährdet?

Sowohl Mädchen als auch Jungs sind gefährdet, Opfer von Cybergrooming zu werden. Mädchen werden zwar öfter zur Zielscheibe, allerdings reagieren Jungs oft argloser auf sexuelle Annäherungsversuche und sind sich der Risiken weniger bewusst.*

Weitere Risikofaktoren:

  • Mangel an Wertschätzung durch erwachsene Bezugspersonen
  • Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen
  • Psychische Belastungen oder Einsamkeit
  • Geringe Medienkompetenz oder wenig Online-Erfahrung
 WEB_OIAT_Broschuere_Sexualitaet_Gewalt.pdf

Pädagogisches Handbuch: Sexualität, Gewalt und digitale Medien

Tipp

Das Handbuch „Sexualität, Gewalt und digitale Medien“ unterstützt pädagogische Fachkräfte bei der Auseinandersetzung mit Sexualität und sexueller Gewalt im Internet und enthält Übungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Veröffentlichung: September 2025