Übung: „Opfer und Täter in Gewaltdarstellungen"
| Thema | Mediale Darstellung von Geschlechterstereotypen |
| Broschüre | Sexualität, Gewalt und digitale Medien (Thema 6) |
| Alter | ab 11 Jahren |
| Dauer | 1 Stunde |
Ziele
- Stereotype Darstellungen in verschiedenen Medienformaten erkennen
- Gewaltdarstellungen und deren Einfluss kritisch hinterfragen
Vorbereitung
Halten Sie Film- oder Videobeispiele bereit, falls die Kinder bzw. Jugendlichen keine eigenen mitbringen.
Ablauf
Die Kinder bzw. Jugendlichen analysieren Stereotype in medialen Gewaltdarstellungen anhand selbstentwickelter Kriterien.
Phase 1
Die Kinder bzw. Jugendlichen formulieren Eigenschaften, die Männern und Frauen in medialen Darstellungen zugeschrieben werden, als Behauptungen. Beispiele:
- „Männer sind immer stark und lösen alle Probleme.“
- „Frauen sind schwach und müssen gerettet werden.“
- „Frauen treten in Musikvideos mit Gewaltdarstellungen meist passiv oder als Opfer auf.“
- „Männer zeigen keine Gefühle.“
Die gesammelten Behauptungen dienen anschließend als Kriterien, um nach Stereotypen in Videos, Filmen, Spielen oder Musikvideos zu suchen. Je plakativer die Kriterien formuliert sind, desto leichter fällt die Analyse.
Phase 2
Nun wählen die Kinder bzw. Jugendlichen Medienprodukte, die sie selbst kennen und mögen und die Gewalt beinhalten. In Gruppen analysieren sie diese Produkte anhand der zuvor erstellten Kriterien. Je nach Zeit und Ressourcen kann die Analyse detailliert (z. B. mit Screenshots und Beschreibungen) oder einfach als Aufzählung der gefundenen Situationen erfolgen.
Phase 3
Jede Gruppe stellt ihre Ergebnisse vor. Abschließend diskutieren die Kinder bzw. Jugendlichen:
- Welche Stereotype sind besonders häufig?
- Haben uns die Ergebnisse überrascht?
- Werden diese Erkenntnisse unseren zukünftigen Medienkonsum beeinflussen?
Hintergrundinformation: Mediale Darstellung von Geschlechterstereotypen
In Filmen, Videos oder Musikclips werden oft stereotype Geschlechterbilder und längst überholte Rollenzuschreibungen transportiert – insbesondere bei sexualisierten Darstellungen, in denen Frauen häufig als reine Lustobjekte gezeigt werden.
Kommen Gewalthandlungen hinzu, werden diese Klischees meist noch stärker zugespitzt: Frauen werden typischerweise als Opfer gezeigt, Männer als Täter oder Retter. Selbst wenn Frauen als Heldinnen auftreten, geschieht dies oft mit „männlich“ konnotierten Eigenschaften oder Verhaltensweisen – etwa als kämpferische, aggressive Figuren.
Diese medialen Bilder sind nicht nur Fiktion, sie wirken sich auch auf die reale Selbst- und Fremdwahrnehmung aus. Schon im Kindergartenalter werden Film- oder Videoszenen nachgespielt – oft mit denselben Rollenklischees: Breitbeinig und mit Waffe in der Hand auf der einen Seite, mit großen Augen, schief gelegtem Kopf und überkreuzten Beinen auf der anderen Seite. Solche Inszenierungen prägen, wie sich Kinder und Jugendliche selbst sehen, darstellen und in Interaktionen verhalten.
Bewusstseinsbildung ist wichtig
Um den Einfluss solcher Stereotype zu verringern, ist es wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen – auch, indem Bezugspersonen ihre eigenen Vorstellungen hinterfragen und mit Jugendlichen gemeinsam reflektieren: Was ist „typisch Mann“, was „typisch Frau“? Welche Geschlechteridentitäten gibt es eigentlich noch? Wenn Kinder und Jugendliche verstehen, wie Rollenbilder konstruiert werden, können sie kritischer mit medialen Darstellungen umgehen – und den eigenen Handlungsspielraum erweitern.
- so geht MEDIEN – „Was Musikvideos über Männer und Frauen erzählen“
- Phantom Thief Irwin 2 – „someone swapped the batman and catwoman character models ...” (Video)
- Demokratiezentrum Wien – „Geschlechterstereotype – Say it like you Meme it“ (PDF)
Pädagogisches Handbuch: Sexualität, Gewalt und digitale Medien
TippDas Handbuch „Sexualität, Gewalt und digitale Medien“ unterstützt pädagogische Fachkräfte bei der Auseinandersetzung mit Sexualität und sexueller Gewalt im Internet und enthält Übungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Veröffentlichung: September 2025