Übung: „Pornos – mehr Schein als Sein"
| Thema | Pornografie |
| Broschüre | Sexualität, Gewalt und digitale Medien (Thema 2) |
| Alter | ab 13 Jahren |
| Dauer | 1 Stunde |
Ziele
- Verstehen, wie Pornos inszeniert werden
Ablauf
Die Jugendlichen reflektieren anhand eines Videos, was für die Produktion eines Pornos nötig ist, und gestalten eine Collage, die das Thema ohne explizite Darstellungen visualisiert.
Phase 1
Gemeinsam schauen die Jugendlichen das Video „Porno: Behind the Scenes“ bzw. „Cornhub ≠ Reality“ an und notieren sich, welche Elemente und Abläufe für die Entstehung eines Pornos wichtig sind.
Phase 2
Nun erstellen die Jugendlichen allein oder in Kleingruppen eine Collage (digital oder aus Papier), die das Thema Porno darstellt, ohne nackte Körper oder explizite Inhalte zu zeigen. Ziel ist es, zu vermitteln, wie Pornos entstehen und mit welchen Tricks sie inszeniert werden.
Phase 3
Reflektieren Sie abschließend gemeinsam mit den Jugendlichen:
- Was haben wir gelernt?
- Was ist der Unterschied zwischen realer Sexualität und Pornografie?
- Warum ist es wichtig, Pornos als Inszenierung zu erkennen?
Hintergrundinformation: Pornografie
Laut einer Studie der Landesanstalt für Medien NRW* kommen Jugendliche durchschnittlich zwischen 12 und 15 Jahren erstmals mit Pornos in Kontakt. Sie begegnen entsprechenden Inhalten aber nicht immer aus eigenem Interesse, sondern oft zufällig und unvorbereitet – etwa durch Pop-ups im Internet oder über ältere Verwandte und Bekannte. Gerade Jüngere sind mit solchen Darstellungen häufig überfordert. Umso wichtiger ist es, das Thema Pornografie schon in der frühen Sexualaufklärung anzusprechen – denn ohne altersgerechte Auseinandersetzung können Kinder und Jugendliche ein verzerrtes Bild von Sexualität entwickeln. Mögliche Folgen sind:
- Unrealistische Erwartungen: Pornos werden als „Lehrmaterial“ gesehen und mit echter Sexualität gleichgesetzt.
- Leistungsdruck: Unsicherheit und Versagensängste durch den Vergleich mit inszenierten Darstellungen.
- Ausblenden emotionaler Aspekte: Gefühle und Intimität werden nicht als Bestandteile von Sexualität empfunden.
- Falsche Rollenbilder: Verstärkung von Geschlechterklischees durch die stereotype Darstellung von Männern und Frauen.
- Fehlendes Verständnis für Einvernehmlichkeit: Grenzüberschreitungen und Gewalt werden als normal wahrgenommen.
Jugendliche brauchen Pornokompetenz
Der bewusste, reflektierte Umgang mit pornografischen Inhalten wird als Pornokompetenz bezeichnet. Sie umfasst drei Bereiche**:
- Bewertungskompetenz: Medieninhalte kritisch einordnen und deren Absichten sowie Realitätsgehalt einschätzen können.
- Nutzungskompetenz: Selbst entscheiden, was man sehen möchte (oder nicht) und mögliche Auswirkungen bedenken.
- Gestaltungskompetenz: Wissen, welche rechtlichen und ethischen Regeln bei der Erstellung und Weitergabe von Bildern bzw. Videos gelten.
- Fachstelle für Burschenarbeit – „Materialien - Pornografiekompetenz“
- klicksafe – „Let's talk about Porno“
- Imagining Desires – Projekt zur Sexualbildung
- psssst.eu – „Pornografie-Kompetenz im Alltag der sozialen Arbeit“
* Quelle: Landesanstalt für Medien NRW – „Erfahrung von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos“ (PDF)
** Quelle: Nicola Döring – „Pornografie-Kompetenz: Definition und Förderung“ (PDF)
Pädagogisches Handbuch: Sexualität, Gewalt und digitale Medien
TippDas Handbuch „Sexualität, Gewalt und digitale Medien“ unterstützt pädagogische Fachkräfte bei der Auseinandersetzung mit Sexualität und sexueller Gewalt im Internet und enthält Übungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Veröffentlichung: September 2025