Übung: „So kann ich mich wehren – eine Erzählung mit gutem Ende"
| Thema | Opfer von sexueller Onlinegewalt werden |
| Broschüre | Sexualität, Gewalt und digitale Medien (Thema 11) |
| Alter | ab 13 Jahren |
| Dauer | 1 Stunde |
Ziele
- Risikofaktoren für sexuelle Gewalt kennen
- Wissen, wie man Übergriffe verhindern und abwehren kann
- Verständnis für Betroffene und deren Unschuld entwickeln
Ablauf
Die Jugendlichen recherchieren Hintergründe und Risikofaktoren für sexuelle Onlinegewalt und reflektieren anhand selbsterdachter Szenarien hilfreiche Abwehrstrategien.
Phase 1
In Gruppen recherchieren die Jugendlichen, warum Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Gewalt werden (z. B. in Form von Online-Grooming, sexuellen Übergriffen im Familien- oder Arbeitsumfeld, Sextortion, Missbrauch durch Autoritätspersonen). Dabei wird herausgearbeitet:
- Wer ist besonders gefährdet (z. B. aufgrund von Alter, Geschlecht, sozialem oder kulturellem Hintergrund)?
- Gibt es Situationen, die solche Übergriffe begünstigen?
- Wann handelt es sich um einen Übergriff? Wo sind die Grenzen und wer bestimmt sie?
Achtung
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den Teilnehmenden tatsächlich Betroffene befinden, ist groß. Gehen Sie sensibel vor und sprechen Sie bereits im Vorfeld der Übung Unterstützungsmöglichkeiten an (siehe Hintergrundinformation). Betonen Sie auch, dass die Opfer nie selbst schuld an solchen Übergriffen sind, sondern immer die Täter:innen!
Phase 2
Nun verfassen die Jugendlichen (gegebenenfalls mithilfe von Chatbots) eine kurze Geschichte. Anhand einer fiktiven Person wird dargestellt, wie es zu sexueller Onlinegewalt kommen kann und wie sich die betroffene Person dabei fühlt. Die Geschichte endet positiv, indem die Person den Übergriff erfolgreich abwehrt.
Phase 3
Die Jugendlichen lesen ihre Geschichten in der großen Runde vor. Abschließend werden die sinnvollsten Strategien der Protagonist:innen gemeinsam reflektiert und durch weitere Ideen ergänzt.
Extra
Zusätzlich können alle Beteiligten für sich selbst eine schnell auffindbare Liste mit Tipps erstellen, die im Anlassfall helfen kann.
Hintergrundinformation: Opfer von sexueller Onlinegewalt werden
Grundsätzlich kann jede Person, die digitale Medien nutzt, von sexueller Onlinegewalt betroffen sein. Dazu gehören beispielsweise das ungefragte Zusenden von Nacktbildern („Dickpics“), Aufforderungen zu sexuellen Handlungen, das Weitergeben intimer Bilder ohne Zustimmung oder Cybergrooming. Bestimmte Faktoren können das Risiko hierfür erhöhen. Wichtig ist jedoch, Betroffenen keine Vorwürfe zu machen – denn die Verantwortung liegt immer bei den Täter:innen!
Welche Risikofaktoren gibt es?
Ältere Jugendliche nutzen digitale Medien in der Regel länger und intensiver als jüngere, wodurch sie eher mit sexueller Gewalt konfrontiert sein können. Was die Geschlechter betrifft, nehmen Mädchen und Jugendliche aus dem queeren Spektrum Belästigungen eher wahr. Wenn es um Grooming geht, haben Jungs allerdings tendenziell ein geringeres Risikobewusstsein und gehen eher auf Avancen ein, weshalb sie möglicherweise stärker gefährdet sind.* Abgesehen davon gibt es noch einige weitere Faktoren, die das Risiko für sexuelle Gewalt erhöhen können:
- Riskantes Onlineverhalten: intensive Internetnutzung (lange Onlinezeiten bzw. Nutzung vieler Plattformen), niedrige Hemmschwelle (im Umgang mit Unbekannten und beim Teilen privater Informationen)
- Psychosoziale Faktoren: psychische Belastungen (z. B. depressive Symptome), emotionale Instabilität (z. B. durch geringes Selbstwertgefühl, soziale Isolation), erhöhte Impulsivität (Suche nach Grenzerfahrungen und Tendenz zum Regelbruch)
- Familiäre Faktoren: Einsamkeit, Fehlen von Ansprechpersonen und offenem Austausch im familiären Umfeld, geringe Wertschätzung durch Bezugspersonen, Mangel an Orientierung und Regeln im Umgang mit digitalen Medien
- Traumata: Vorbelastung durch frühe Gewalt- und Missbrauchserfahrungen (hohe seelische Belastung und ein geschwächtes Selbstwertgefühl können zu einer verstärkten Suche nach Anerkennung und Zuwendung in der digitalen Welt führen)
Seien Sie wachsam
Wenn Sie den Verdacht haben, dass ein Kind bzw. eine Jugendliche oder ein Jugendlicher von sexueller Gewalt betroffen ist oder sich Ihnen diesbezüglich anvertraut, reagieren Sie umgehend: Bieten Sie Unterstützung an (z. B. Schulsozialarbeit, Vertrauenslehrperson oder Schulpsychologie, Rat auf Draht) und überlegen Sie das weitere Vorgehen (z. B. Kinder- oder Gewaltschutzzentrum kontaktieren, eventuell gemeinsam eine Gefährdungsmeldung machen). Für das Opfer ist es in dieser Situation das Allerwichtigste, Unterstützung zu erhalten und nicht allein zu bleiben!
*Quellen:
- Saferinternet.at – „Neue Studie: Jugendliche von sexueller Belästigung im Internet betroffen“
- Cyberpsychology: Journal of Psychosocial Research on Cyberspace – „,He flattered me‘. A comprehensive look into online grooming risk factors:
Merging voices of victims, offenders and experts through in-depth interviews“
Pädagogisches Handbuch: Sexualität, Gewalt und digitale Medien
TippDas Handbuch „Sexualität, Gewalt und digitale Medien“ unterstützt pädagogische Fachkräfte bei der Auseinandersetzung mit Sexualität und sexueller Gewalt im Internet und enthält Übungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Veröffentlichung: September 2025