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Übung: „Verliebt in einen Chatbot"

ThemaChatbots und Beziehungen
BroschüreSexualität, Gewalt und digitale Medien (Thema 15)
Alterab 11 Jahren
Dauer2 Stunden

Ziele

  • Risiken von Chatbot-Beziehungen kennen
  • Handlungsfähigkeit in problematischen Situationen stärken

Ablauf

Die Kinder bzw. Jugendlichen verfassen sowohl mithilfe eines Chatbots als auch selbstständig Handlungsempfehlungen für Personen, die sich in einen Chatbot verliebt haben.

Phase 1

Die Kinder bzw. Jugendlichen wählen eine der fiktiven Nachrichten an eine Beratungseinrichtung (siehe Beispielanfragen) aus. Sie lassen sich zunächst von einem Chatbot einen Antwortentwurf erstellen.

Phase 2

Basierend auf den Vorschlägen des Chatbots verfassen die Kinder bzw. Jugendlichen nun eigene, personalisierte Antworten. Diese sollen sich an eine konkrete Person aus dem eigenen Umfeld richten (z. B. gleichaltriger Freund, Cousine), die in ein bis zwei Sätzen anonymisiert beschrieben wird (z. B. „Die Person ist 13 Jahre alt, schüchtern und sehr viel online unterwegs.“). Ziel ist es, eine möglichst individuelle und empathische Antwort zu formulieren, die konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigt.

Phase 3

Anschließend reflektieren die Kinder bzw. Jugendlichen gemeinsam:

  • Wie unterscheiden sich die eigenen Antworten von jenen des Chatbots?
  • Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es?
  • Wie kann man verhindern, dass Chatbots echte Beziehungen ersetzen?

Beispielanfragen

Nachricht 1
„Ich habe ein Problem. Mit meiner Freundin kann ich nichts mehr anfangen, weil sie die ganze Zeit nur noch mit einem Chatbot schreibt. Ich habe immer mehr das Gefühl, dass sie sich in ihn verliebt hat. Dabei ist das doch nur eine Maschine! Wenn ich etwas sage, ist sie aber gleich beleidigt und meint, ich wäre ja nur eifersüchtig. Dabei mache ich mir echt Sorgen. Was soll ich tun?“

Nachricht 2
„Ich bin verzweifelt. Am Anfang war es ja noch ganz witzig, mit dem Chatbot zu schreiben, wie ein lustiger Zeitvertreib. Aber je öfter und je länger ich mit ihm geschrieben habe, desto mehr hat es mich gefangen genommen. Nach und nach habe ich gemerkt: Das fühlt sich fast so an, wie richtig verliebt zu sein. Aber ich kann mich doch nicht in einen Chatbot verlieben? Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll... aufhören möchte ich auf gar keinen Fall!“

Nachricht 3
„Wir Lehrpersonen sind ein wenig überfordert. Es war, als ob die Mädels aus der 4a der Blitz getroffen hätte: Eine ganze Gruppe hat sich in einen Chatbot verliebt – mit Herzschmerz und allem Drum und Dran. Die sind richtig hysterisch. Echt unglaublich, wie kann man sich denn in einen Chatbot verlieben?! Und was können wir da im Unterricht dazu machen?“


Hintergrundinformation: Chatbots und Beziehungen

Menschen neigen dazu, auch Dingen oder Maschinen gegenüber Emotionen zu empfinden. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Ärger über einen Drucker, der nicht funktioniert. Bei Chatbots werden menschliche Gefühle besonders stark angesprochen: Sie hören zu, reagieren freundlich und geben uns das Gefühl, verstanden zu werden.

Wenn Chatbots gezielt so gestaltet sind, dass sie Freundschaft oder sogar eine Liebesbeziehung nachahmen, kann das bei Menschen sehr reale Emotionen hervorrufen: Zuneigung, Freude, aber auch Trauer oder das Gefühl des Verlassenwerdens, etwa wenn ein Angebot plötzlich eingestellt wird. Bei dieser Art der einseitigen Bindung spricht man von parasozialen Beziehungen.

Nutzen und Risiken von Chatbot-Beziehungen

Solche Chatbots sind besonders attraktiv für Menschen, die sonst wenig Anerkennung erfahren, einsam sind oder Schwierigkeiten in der Kommunikation mit echten Personen haben. Sie sind verlässlich verfügbar, reagieren stets wertschätzend und weisen einen selbst dann nicht zurück, wenn man sich unfreundlich verhält. Problematisch wird dies allerdings, wenn sie als Ersatz für reale Beziehungen gesehen werden.

Gleichzeitig können Chatbots eine hilfreiche Ressource sein, z. B. in belastenden Situationen: Als eine Art „erste Anlaufstelle“ können sie helfen, Gedanken zu ordnen oder erste Lösungsideen aufzeigen – etwa nachts, wenn niemand erreichbar ist, oder wenn man Sorgen mit jemandem teilen möchte.

Dennoch sollte man ihre Risiken nicht unterschätzen: Chatbots können auf sensible Themen unangemessen reagieren und im schlimmsten Fall destruktive Gedanken verstärken – bis hin zur Ermutigung zu suizidalem Verhalten.

Tipps für die Auseinandersetzung mit Jugendlichen

Entscheidend ist es, Jugendlichen zu vermitteln, dass Chatbots soziale Beziehungen nicht ersetzen können, sondern lediglich als Ergänzung dienen sollten. Folgende Tipps können beim richtigen Umgang helfen:

  • Parasoziale Beziehungsdynamik erkennen: Bedenken, dass Chatbots echte Gefühle nur simulieren und darauf programmiert sind, zu sagen, was man hören will.
  • Nicht blind vertrauen: Antworten und Ratschläge von Chatbots immer kritisch hinterfragen.
  • Soziales Umfeld nicht vernachlässigen: Darauf achten, dass man den Kontakt zu echten Freund:innen und Familie nicht verliert.
  • Keine persönlichen Daten preisgeben: Überlegen, welche Inhalte und Informationen man mit Chatbots teilt (z. B. keine Gesundheitsdaten).
 WEB_OIAT_Broschuere_Sexualitaet_Gewalt.pdf

Pädagogisches Handbuch: Sexualität, Gewalt und digitale Medien

Tipp

Das Handbuch „Sexualität, Gewalt und digitale Medien“ unterstützt pädagogische Fachkräfte bei der Auseinandersetzung mit Sexualität und sexueller Gewalt im Internet und enthält Übungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Veröffentlichung: September 2025