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Self-Tracking – gesund oder gefährlich?

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Das Messen von eigenen Körperdaten mit Smartwatches und Co. ist sehr beliebt. Wie der große Hacker-Angriff auf einen Smartwatch-Hersteller im August zeigt, ist es aber auch riskant.

Self Tracking – was ist das überhaupt?

Der Begriff „Self-Tracking“ bezeichnet die Erfassung und Analyse von Daten, die die eigene Person betreffen („self“ engl. für „selbst“; „to track“ engl. „verfolgen, überwachen“). Alternativ dazu wird auch die Bezeichnung „Lifelogging“ gebraucht („to log“ engl. für „protokollieren“).

Für ProfisportlerInnen und für Menschen mit chronischen Erkrankungen gehört die Messung bestimmter Körperdaten schon längst zum Alltag. Mittlerweile zählt das Tracking zu einem Trend, der in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Statt Stift und Papier werden nun digitale Geräte als Hilfsmittel dafür verwendet.

Das können digitale Waagen sein, die den Körperfettanteil messen, verschiedene Apps, die persönliche Körperdaten, wie Schlafrhythmus oder Kalorienzufuhr mitverfolgen, oder auch Schrittzähler sowie Pulsuhren. Immer beliebter werden außerdem sogenannten Wearables („wearable“, engl. „tragbar“) – kleine Computersysteme, die entweder direkt am Körper getragen werden (beispielsweise Smartwatches) oder als Sensoren in der Kleidung integriert sind.


Was bringt das Tracken von Körperdaten?

Genauso vielfältig wie die Apps und Geräte sind auch ihre Anwendungsbereiche und die Ziele, die durch das Tracken verfolgt werden.

  • Da ist zum einen der Wunsch nach Selbstoptimierung, beispielsweise durch eine gesunde Ernährung oder durch viel Bewegung. Die verschiedenen Anwendungen und Fitnessgeräte helfen beispielsweise dabei, sich selbst zur täglichen Sporteinheit, zum Wassertrinken oder gesünderem Essen zu motivieren. Leicht erreichbare Zwischenziele sowie die Darstellung von bisherigen Erfolgen spornen die Trainierenden an. Dadurch, dass Wearables oder auch Apps mit dem Internet verbunden sind, ist auch ein ständiger Datenaustausch mit anderen NutzerInnen möglich. Diese Wettbewerbssituation und der zusätzliche Leistungsdruck führen bei vielen AnwenderInnen zu noch mehr Motivation.
  • Die aufgezeichneten Daten können auch dabei helfen, ein schädliches Verhaltensmuster zu verändern – zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören oder weniger Alkohol zu trinken. Eine Art digitales Tagebuch in Form einer App zeigt deutlich auf, wie viel Zigaretten pro Tag geraucht werden oder wie viel Alkohol in der Woche getrunken wird.
  • Auch Probleme, wie Einschlafschwierigkeiten oder ein unruhiger Schlaf, können durch ein Wearable gelindert werden. Die eigenen Schlafphasen zu tracken und zu analysieren, kann ein erster Schritt sein, um bestehende Probleme zu erkennen. Das Gleiche gilt auch für das Messen verschiedener Gesundheitswerte, die ein gesundes Herz-Kreislauf-System, einen gesunden Blutdruck oder Ähnliches fördern können.
  • Immer mehr Frauen nutzen Apps, um ihren Menstruations-Zyklus mitzuverfolgen. Das kann dabei helfen, Unregelmäßigkeiten zu erkennen oder fruchtbare Tage zur errechnen. Mit ein Grund, warum solche Apps auch als Verhütungsmethode oder – umgekehrt – als Hilfe bei Kinderwunsch beworben werden.

Wieso sind Tracking-Geräte gefährlich?

Oft wird das Self-Tracking als eine niederschwellige Möglichkeit beschrieben, um den eigenen Körper besser zu verstehen.

Weniger laut ist die Kritik, dass durch das blinde Vertrauen in Tracking-Geräte und -Apps genau dieses Bewusstsein für den eigenen Körper verloren geht. Menschen machen sich abhängig von digitalen Geräten und vertrauen ihrem eigenen Körpergefühl dadurch weniger oder verlernen sogar auf die Signale ihres Körpers zu hören. Hinzu kommt, dass dieses blinde Vertrauen nicht immer gerechtfertigt ist. Denn nicht jede Self-Tracking-App arbeitet korrekt. Gemessene Daten und errechnete Analysen sollten stets mit Vorsicht genossen werden. Gilt es gesundheitliche oder sportliche Entscheidungen zu treffen, sollte unbedingt eine ärztliche Meinung eingeholt werden.

Und dann ist da noch das Problem mit den Daten:
Erst Anfang August wurde bekannt, dass der Smartwatch-Hersteller Garmin von einem Ransomware-Angriff betroffen war. Sensible Daten lagen damit zumindest eine Zeit lang in den Händen von Kriminellen. Auch wenn Garmin die Lösegeldforderungen der AngreiferInnen bezahlt hat und damit laut Medienberichten knapp zwei Wochen später wieder den Zugang zu den Daten erhielt, zeigt dieses Beispiel, wie schnell sensible Daten in die falschen Hände geraten können.  

Umso beliebter Self-Tracking wird, desto interessanter werden Angriffe auf die entsprechenden Geräte für Cyber-Kriminelle. Ein solcher Angriff ist aber nur eine Möglichkeit, wie die sensiblen Körperdaten der NutzerInnen missbraucht werden können. So ziehen nicht nur die NutzerInnen selbst Vorteile aus dem Tracking, sondern auch Unternehmen. Die personenbezogenen Daten, die für die Verwendung einer App angegeben werden müssen (zum Beispiel Alter, Gewicht, Geschlecht) sowie die Vermessungs-Daten sind heiß begehrt in der Werbeindustrie. Oft ist unklar, wie gut diese Daten in den jeweiligen Anwendungen geschützt werden und wer Einblick in diese hat.

Doch nicht nur die Werbeindustrie freut sich über diese Menge an freiwillig dokumentierten Daten: Manche US-Unternehmen integrieren Fitnessarmbänder schon seit Längerem in die betriebliche Gesundheitsvorsorge für ihre MitarbeiterInnen, um Krankenstände und Gesundheitskosten zu senken. Genauso sind Versicherungsunternehmen interessiert an diesen Daten. In Deutschland gibt es bereits Versicherer, die ein gesundheitsbewusstes Verhalten belohnen. Gemessen wird dies oft über Tracking-Geräte.


Unsere Tipps: So wählen Sie die richtigen Geräte und Apps aus!

Sie müssen nicht auf das Messen und Analysieren Ihrer Körperdaten verzichten, achten Sie jedoch auf einen sicheren und bewussten Umgang mit entsprechenden Anwendungen.

  • Behalten Sie die Kontrolle.
    Da es immer passieren kann, dass die Daten in die falschen Hände geraten, überlegen Sie sich genau, welche Daten Sie von sich preisgeben wollen.
  • Achten Sie auf Ihren Datenschutz.
    Nutzen Sie, wenn möglich, Angebote von europäischen Unternehmen, da diese in der Regel strengere Datenschutz-Auflagen erfüllen müssen. Bei potenziellen Problemen sind diese auch leichter zu erreichen.
  • Behalten Sie Ihre Datein bei sich.
    Verzichten Sie, wenn möglich, auf Apps und Geräte, bei denen Daten nur in der Cloud gespeichert werden können. Es ist sicherer, die Daten lokal auf dem jeweiligen Gerät zu haben.
  • Wählen Sie unterschiedliche AnbieterInnen.
    Werden Daten (egal ob Körperdaten oder Daten zu Ihrem Shopping- oder Suchmaschinenverhalten) immer von den gleichen AnbieterInnen gespeichert, können diese sehr einfach ein aussagekräftiges und vollständiges Profil von Ihnen erstellen.
  • Informieren Sie sich über Ihr Gerät/Ihre Anwendung. 
    Egal für welche App oder für welches Gerät Sie sich letztlich entscheiden, lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Europäische AnbieterInnen müssen zudem Informationen dazu liefern, wie sie Ihre persönlichen Daten verarbeiten. Informieren Sie sich außerdem darüber, ob und wie Sie die Datenschutz-Einstellungen ändern können.
  • Prüfen Sie die App-Berechtigungen.
    Schauen Sie genau und bestimmen Sie nach Möglichkeit selbst: Welche Zugriffsberechtigungen benötigt die App? Sind diese gerechtfertigt oder überzogen?
  • Seien Sie datensparsam.
    Müssen Sie ein Konto anmelden, um eine App oder ein Gerät zu nützen, können Sie ruhig ein paar Angaben zu Ihrer Person weglassen. Sie müssen sich auch nicht mit Klarnamen oder echtem Geburtsdatum anmelden. Außerdem sollten Sie sich nicht über Ihr Facebook- oder Google-Konto anmelden.